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Auf den alten Handelswegen Südchinas – Die Welt des Liubaocha

CRI  |  
19.01.2026

Liubaocha, im Deutschen als Liubao-Tee bekannt, gehört zu den bedeutendsten dunklen Tees Chinas und stammt aus einem kulturell wie geografisch einzigartigen Teil Südchinas. Sein Ursprung liegt im Ort Liubao im Autonomen Gebiet Guangxi der Zhuang-Nationalität, einer hügeligen Landschaft mit subtropischem Klima, hoher Luftfeuchtigkeit und fruchtbaren Böden. Diese natürlichen Bedingungen bieten ideale Voraussetzungen für den Anbau hochwertiger Teepflanzen. Obwohl die Region bereits in der Tang-Dynastie für ihren Tee bekannt war, entwickelte sich Liubao erst in der Qing-Dynastie zu einem Zentrum der Produktion dunkler, nachfermentierter Tees. Die Lage an wichtigen Handelsrouten führte im 19. Jahrhundert zu einer starken Verbreitung des Tees in Südostasien, wo er unter chinesischen Gemeinschaften große Beliebtheit erlangte.

Der Herstellungsprozess von Liubaocha folgt der Tradition der dunklen Tees und umfasst eine kontrollierte Nachfermentation. Nach der Pflückung werden die Blätter erhitzt, gerollt und anschließend in Stapeln fermentiert, ein Vorgang, der in der Region als „Wo Dui“ bezeichnet wird. Während dieser Wochen bis Monate dauernden mikrobiellen Reifung verändern sich chemische Zusammensetzung, Struktur und Aroma der Blätter grundlegend. Die traditionelle Lagerung in atmungsaktiven Bambuskörben unterstützt die weitere Reifung und prägt die sensorische Entwicklung des Tees.

Charakteristisch für Liubaocha sind tiefe und warme Aromaschichten, die an feuchten Waldboden, altes Holz und gelegentlich an Kräuter erinnern. Gereifte Sorten zeichnen sich durch eine besonders weiche Textur, eine klare rötlich braune Tassenfarbe und einen ruhigen und anhaltenden Nachklang aus. Typisch ist zudem der sogenannte Betelnußduft, im Chinesischen als Binglangxiang bekannt, der sich bei hochwertigen und lange gelagerten Tees ausprägt und als ein Markenzeichen dieser Teesorte gilt. Dieser Duft entsteht durch das komplexe Zusammenspiel von Fermentation, Mikroorganismen und den klimatischen Bedingungen der Region.

Historisch erfüllte Liubaocha neben seiner Funktion als Genussmittel auch praktische Zwecke. Aufgrund seiner Haltbarkeit wurde er auf langen Handels- und Schiffsreisen mitgeführt und fand bei Chinesen in Südostasien als alltägliches Getränk Verwendung. Ihm wurde nachgesagt, den Körper zu stabilisieren und in feuchtheißen Arbeitsumgebungen wohltuend zu wirken. Diese Vorstellungen sowie seine lange Lagerfähigkeit trugen entscheidend zu seiner Verbreitung in Übersee bei und machten ihn zu einem festen Bestandteil chinesischer Gemeinschaften außerhalb Chinas.

In der Gegenwart erlebt Liubaocha eine deutliche Renaissance. Das wachsende Interesse an fermentierten Tees und an traditionellen Herstellungsverfahren hat dazu geführt, dass sowohl junge als auch jahrzehntelang gereifte Liubao-Tees zunehmend Beachtung finden. Neben klassischen Produktionsmethoden setzen moderne Hersteller heute verstärkt qualitätssichernde Verfahren ein, um ein verlässliches und vielfältiges Geschmacksprofil sicherzustellen. Auch die wissenschaftliche Forschung zur mikrobiellen Vielfalt und zur Reifungsdynamik von dunklem Tee hat neue Erkenntnisse hervorgebracht, die das Verständnis dieses Tees vertiefen.

Liubaocha verkörpert damit weit mehr als eine regionale Spezialität. Er steht für eine traditionsreiche Handwerkskunst, eine enge Verbindung zwischen Natur und Kultur und eine jahrhundertealte Teegeschichte, die sich in jedem Aufguss widerspiegelt.

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Quelle: CRI

Schlagworte: Guangxi,Tee,Liubaocha