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Interview mit Sekretär des KP-Provinzkomitees von Hainan

Eine Insel schaltet in den Zollfreimodus

China Heute  |  
19.01.2026

Der 18. Dezember 2025 war für den Freihandelshafen Hainan ein historisches Datum. Denn an diesem Tag trat in Hainan inselweit die unabhängige Zollabfertigung in Kraft. Genau einen Monat nach dem Startschuss der neuen Regelung haben unsere Reporter der China International Communications Group (CICG) vor Ort ein Exklusivinterview mit dem hochrangigen Parteifunktionär Feng Fei geführt. Feng fungiert als Sekretär des Provinzparteikomitees der KP Chinas von Hainan sowie gleichzeitig als Vorsitzender des Ständigen Ausschusses des Volkskongresses der Provinz. Im Gespräch mit der CICG erläutert der Funktionär die zentralen Stärken der Inselprovinz, ihre Entwicklungspotenziale und Chancen für die Welt und geht außerdem auf erste Erfolge und die langfristig erwarteten politischen Dividenden der Neuerung ein.

Die Einführung der besonderen Zollmaßnahmen gilt als Schlüsselmoment für Hainan. Damit wird die gesamte Insel zu einem eigenständigen zollrechtlichen Verwaltungsgebiet. Inwiefern tragen die neuen Maßnahmen Ihrer Meinung nach dazu bei, für eine stärkere Interaktion zwischen chinesischer und globaler Wirtschaft zu sorgen? Wird durch die Neuerung die Rolle Hainans im globalen Handelsnetzwerk neu definiert? 

Staatspräsident Xi Jinping hat den offiziellen Start des inselweiten unabhängigen Zollbetriebs für den Freihandelshafen Hainan als eine wegweisende Maßnahme bezeichnet. Sie diene dazu, Chinas hochgradige Außenöffnung entschlossen weiterzuverfolgen und den Aufbau einer offenen Weltwirtschaft voranzutreiben, so Xi. Dies werde tiefgreifende Auswirkungen haben – national wie international. 

Die Entscheidung, eine Zollschließung für die gesamte Inselprovinz zu realisieren, bedeutet keineswegs eine Abschottung. Im Gegenteil. Die Neuregelung steht für ein noch höheres Maß an Öffnung. Strategisches Ziel unseres Freihandelshafens ist es schließlich, in der neuen Ära ein wichtiges Tor mit Leitfunktion für Chinas Öffnung zu schaffen. Wir wollen in erster Linie die Herausbildung eines neuen Entwicklungsgefüges für ganz China unterstützen, damit Binnen- und internationaler Wirtschaftskreislauf einander gegenseitig fördern und beide effizient funktionieren. Unser Ziel sind pulsierende Handelsströme, in China und weltweit, Handelsströme, die in Zukunft noch reibungsloser und kräftiger fließen sollen. Die Neuerungen werden dem globalen Handelsnetzwerk also sicherlich zusätzliche Chancen bescheren, für Verbesserung und Entwicklung sorgen. 

Mit dem Start des unabhängigen Zollbetriebs übernimmt der Freihandelshafen Hainan nun eine führende Rolle bei der weiteren Förderung von Chinas hochgradiger Außenöffnung. Bei den politischen und institutionellen Rahmenbedingungen setzen wir auf Nullzölle, niedrige Steuersätze und ein vereinfachtes Steuersystem. Die entscheidenden Schlagworte lauten Freiheit und Erleichterungen – bei Handel, Investitionen, grenzüberschreitenden Kapitalflüssen, Personal- und Warenströmen. Dazu zählen auch geordnete und sichere Datenflüsse. Die Umsetzung dieser Rahmenbedingungen verbinden wir einerseits mit Chinas riesigem einheitlichen Binnenmarkt, andererseits mit dem internationalen Markt. Hainan wird somit zu einer Vorreiterzone, über die sich China noch tiefer in das globale Wirtschaftssystem integriert. Der Freihandelshafen wird nicht nur die Öffnung für den freien Fluss von Waren und Wirtschaftsfaktoren vorantreiben, sondern auch dazu beitragen, Chinas institutionelle Öffnung schrittweise zu erweitern. Wir haben vor, die Verbindung und Kompatibilität von internationalen Regeln und Vorschriften, Management und Standards gezielt zu fördern. Der Freihandelshafen soll so zu einem strategischen Schnittpunkt für den genannten dualen Wirtschaftskreislauf reifen. 

Zu diesem Zweck arbeiten wir mit Hochdruck daran, Hainan zu einem Doppelstandort aufzubauen – einerseits für chinesische Unternehmen, die auf die internationalen Märkte drängen, andererseits für ausländische Firmen, die den chinesischen Markt betreten wollen. Darüber hinaus soll Hainan auch zu einem doppelten Knotenpunkt reifen. Zum einen wollen wir als internationaler Schifffahrtsknotenpunkt fungieren im Rahmen des neuen westlichen Land-See-Korridors, zum anderen als regionaler Luftverkehrsknotenpunkt mit Ausrichtung auf den Pazifik und den Indischen Ozean. Und nicht zuletzt planen wir, in Hainan ein doppeltes Netz zu spannen – einerseits ein internationales Netzwerk für Wirtschafts- und Handelszusammenarbeit, andererseits ein länderübergreifendes Netzwerk für den Austausch und die Zusammenarbeit im Kulturbereich. Dies wird Hainan von einem regionalen Handelsknotenpunkt zu einem umfassenden Handelsdrehkreuz aufwerten, das inländische und internationale Märkte effizient verbindet und Strahlkraft nach ganz Südostasien und darüber hinaus besitzt. 

Schwerpunktmäßig konzentrieren wir uns aktuell auf die Verknüpfung dreier Schwerpunktbereiche: Erstens die Verknüpfung von Produktionsketten. Hier werden wir die günstigen politischen Rahmenbedingungen unseres Freihandelshafens dafür nutzen, die grenzüberschreitende Bewegung von Produktionsfaktoren zu erleichtern sowie als Bindeglied zwischen in- und ausländischen Produktions- und Lieferketten zu fungieren. Investoren sollen so, mit Hilfe unseres Freihandelshafens als hochrangiger Plattform, noch wettbewerbsfähiger werden, etwa mit Blick auf das Anziehen globaler Wirtschaftsfaktoren oder die Allokation globaler Ressourcen. 

Zweitens geht es um regionale Verknüpfung. Wir werden uns aktiv in den Aufbau des nationalen einheitlichen Marktes integrieren und diesen unterstützen. Dazu zählt auch, für eine synergetische Entwicklung mit der Provinz Guangdong zu sorgen, unsere Entwicklung noch enger mit der Greater Bay Area, also der Region Guangdong-Hongkong-Macao zu verbinden, sowie die regionale Zusammenarbeit mit der Region Beijing-Tianjin-Hebei, dem Jangtse-Delta und dem Jangtse-Wirtschaftsgürtel zu intensivieren. 

Drittens zielen wir auf internationale Verknüpfung. Wir wollen intensiv zur Umsetzung der Seidenstraßeninitiative beitragen, die Zusammenarbeit nicht nur mit Blick auf Handel, Investitionen, Industrie und Finanzen, sondern auch Bildung und Kulturaustausch verstärken. Insbesondere mit den Ländern Südostasiens wollen wir tiefgreifende Kooperationen entfalten, etwa in Sachen tropische Landwirtschaft, grüne Energie und digitaler Handel. 

Können Sie uns einige Schlüsseldaten bzw. konkrete Beispiele aus dem ersten Monat nennen, die die praktischen Auswirkungen der neuen Zollpolitik gut veranschaulichen? Was war die größte Herausforderung in den ersten vier Wochen und wie ist Hainan damit umgegangen? 

Den Rückmeldungen zufolge verlief die Durchführung der neuen Zollpolitik auf der gesamten Insel insgesamt sehr stabil und geordnet. Der Start war äußerst vielversprechend. Erste Ergebnisse wie ein reibungsloser Warenfluss, erleichterte Personalmobilität und vermehrte Verkehrsströme sind schon heute deutlich sichtbar. Ich denke, besonders folgende drei Punkte verdeutlichen die positiven Auswirkungen sehr anschaulich: 

Erstens entfalten sich die politischen Wirkungen sehr effektiv. Im ersten Monat, also vom 18. Dezember 2025 bis zum 17. Januar 2026, ist die Zahl der Nutznießer der neuen Nullzölle um über 10.000 gestiegen und wächst weiter stabil. Wir verbuchten Importe im Wert von 750 Millionen Yuan, also etwa 96 Millionen Euro. Das entspricht einem Plus von 38,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch lokale Unternehmen, Krankenhäuser und Forschungseinrichtungen in Hainan profitieren jetzt von der neuen Zollfreiheit, zum Beispiel bei der Anschaffung von Materialien und Ausrüstungsgegenständen. Und Unternehmen im Tourismus- und Transportsektor können Flugzeuge, Schiffe und Fahrzeuge zollfrei für ihren Betrieb nutzen. Wir haben die geplanten Maßnahmen der Reihe nach implementiert, etwa die kumulative Mehrwertsteuer bei Verarbeitung, die Verarbeitungsmehrwertsteuer unter Verwendung von in Hainan produzierten Gütern, die zollrechtliche Überholung von Gütern für Auslandsmärkte und die Liste der verbotenen bzw. beschränkten Waren. All dies trägt effektiv dazu bei, dass Unternehmen in Hainan ihre Produktionsketten verlängern und ihre Wertschöpfung steigern können. Der zollüberwachte Wert der Offshore-Duty-Free-Umsätze der Insel belief sich im ersten Monat auf 4,86 Milliarden Yuan (etwa 623 Millionen Euro), ein Plus von 46,8 Prozent. Auch die Zahl der Käufer stieg im Vergleich zum Vorjahr um 30,2 Prozent auf 745.000. 

Zweitens hat die Anziehungskraft der Öffnung deutlich zugenommen. Das spiegelt sich ebenfalls in den konkreten Zahlen: Auf der gesamten Insel wurden im vergangenen Monat 32.800 Flugzeugstarts und -landungen abgewickelt, 9,8 Prozent mehr als noch im Vormonat. Über Hainans primäre Häfen haben wir 289.000 Ein- und Ausreisen verbucht, ein Plus von 31,3 Prozent im Jahresvergleich. Darunter fallen auch 82.000 visumfreie Einreisen, auch hier eine deutliche Steigerung um 64 Prozent. Die Zahl der ein- und ausfahrenden internationalen Schiffe ist um 19,6 Prozent gewachsen. Provinzweit zählten wir außerdem 26.800 Neuregistrierungen an Marktteilnehmern. Der Unternehmenszuwachs stieg auf fast 80 Prozent, vor Einführung der neuen Zollpolitik waren es noch 42 Prozent gewesen. Auch bei der Zahl der ausländischen Firmenneugründungen gab es gegenüber dem Vorjahr einen Zuwachs von 13 Prozent. Es haben sich mehr als 5100 neue Außenhandelsunternehmen registriert, auch das ganz klar eine Folge der verbesserten Rahmenbedingungen. Die Siemens Energy AG errichtete ihre erste Gasturbinen-Montagebasis sowie ein eigenes Servicezentrum in Hainan. Das erste ausschließlich ausländisch finanzierte Krankenhaus – das Boao Fulong Herz-Kreislauf-Krankenhaus – erhielt seine Betriebszulassung. Und die kasachische Fluggesellschaft SCAT Airlines eröffnete Chinas erste Direktflugverbindung von Sanya nach Prag, mit Blick auf die siebte Freiheit der Luft. Alles in allem zeigt sich also ganz klar: Immer mehr Unternehmen zieht es für ihre Geschäfte zu uns, das Hainan-Fieber ist ungebrochen. 

Drittens sehen wir auch eine zunehmend positive Bewertung der Rolle Hainans im In- und Ausland. Nun, da die Vorteile der neuen Zollmaßnahmen allmählich ihre Wirkung entfalten, rücken Themen wie steuerfreie Geschäfte, Wirtschaft und Handel, Kultur und Tourismus verstärkt in den Fokus von Medien und Öffentlichkeit im In- und Ausland. Es gibt zudem ein anhaltend hohes Bewusstsein der Bevölkerung für Fragen wie Schmuggelbekämpfung und Umweltschutz. Die Etablierung der unabhängigen Zollabfertigung ist also klar gelungen. In einem weiteren Schritt geht es für uns nun darum, das bestehende System kontinuierlich zu verbessern und möglichst gute Ergebnisse zu erzielen. 

Seit der Einführung des unabhängigen Zollbetriebs setzt Hainan auf das Prinzip eines freieren Zugangs an der ersten Zollgrenze, eines regulierten Zugangs an der zweiten Zollgrenze und eines relativ freien Verkehrs von Wirtschaftsfaktoren innerhalb der Insel. Als erste Zollgrenze wird die Grenze zwischen dem Freihandelshafen Hainan und anderen Ländern und Regionen außerhalb des chinesischen Zollgebiets bezeichnet. Mit der zweiten Zollgrenze ist die Grenze zum chinesischen Festland gemeint. An Zollgrenze 1 wird eine Reihe von Maßnahmen zur Liberalisierung und Erleichterung der Ein- und Ausfuhren bzw. Ein- und Ausreisen umgesetzt, während die Gegenstände der Liberalisierung dann an Zollgrenze 2 noch einmal einer präzisen Kontrolle unterzogen werden. Innerhalb der Insel können alle Wirtschaftsfaktoren dank dieser Regelung also relativ frei zirkulieren. 

Derzeit besteht die größte Herausforderung darin, Wege zu finden, die Kontrolle an der zweiten Zollgrenze effizient und präzise zu gewährleisten. Unser Anspruch ist es, sowohl die nötige Sicherheit zu garantieren als auch die Zollerleichterungen nicht zu beeinträchtigen. Das Ziel besteht darin, sowohl Liberalisierung zu ermöglichen als auch für eine gute Kontrolle zu sorgen. Hierfür verbessern wir auf der einen Seite Aufsichts- und Verwaltungsstrukturen wie One-Stop-Zollabfertigung, vor- und nachgelagerte Kontrollen, intelligente Überwachung und Kreditmanagement. Gleichzeitig bieten wir auf der anderen Seite illegalen Aktivitäten wie Schmuggel, terroristischer Gewalt, Internetbetrug, Prostitution, Glücksspiel und Drogen energisch die Stirn. Das Hauptziel ist es, ein Entwicklungsumfeld zu schaffen, das sicher und stabil ist, Transparenz und Planungssicherheit bietet, ein Umfeld also, in dem Investoren aus aller Welt bedenkenfrei investieren und sich bestens entwickeln können. 

Ein starker Schutz geistigen Eigentums ist ein zentrales Anliegen ausländischer Investoren. Welche konkreten Maßnahmen ergreift Hainan, um sich an internationale Wirtschafts- und Handelsregeln anzupassen und Urheberrechte wirksam zu schützen? 

Ein günstiges Umfeld für geistiges Eigentum ist tatsächlich ein entscheidender Faktor für die Anziehung ausländischer Investitionen. In den letzten Jahren hat Hainan sich als starke Provinz im Bereich des Schutzes geistigen Eigentums positioniert und kann hier stabile Fortschritte für sich verbuchen. Dabei behandeln und schützen wir alle Marktakteure gleichberechtigt. Urheberrechtsverstöße werden bei uns rigoros geahndet. Kurzum: Wir haben alle Hebel in Bewegung gesetzt, um zu einer Hochburg für den Rechtsschutz in diesem Bereich aufzusteigen. 2025 verzeichnete unsere Provinz die höchste Wachstumsrate im Index für die Entwicklung des geistigen Eigentums. 

Was die rechtlichen Garantien betrifft, so hat China eigens ein Gesetz für den Freihandelshafen Hainan erlassen, das in Artikel 23 spezifische Bestimmungen zum Urheberrechtsschutz vorsieht. Die Provinz Hainan hat dies auch durch die Ausarbeitung und Umsetzung eigener Vorschriften ergänzt und im Freihandelshafen ein eigenes Gericht für Urheberrechtsfragen eingerichtet. Auf diese Weise haben wir auf rechtlicher Ebene starke Garantien geschaffen. 

Im Hinblick auf die Plattformentwicklung hat sich unsere Provinz auf einzigartige Schlüsselindustrien konzentriert, etwa die Saatgutindustrie in Südchina, Tiefseetechnologie, kommerzielle Luft- und Raumfahrt, aber auch Biomedizin und Maschinenbau. In Sanya und Haikou wurden jeweils Sonderzonen für geistiges Eigentum und Zweigstellen für die Beratung bei Urheberrechtstreitigkeiten mit Auslandsbezug aufgebaut. Zusätzlich gibt es noch eine Demonstrationszone für allgemeine Dienstleistungen im Bereich Urheberrecht, nämlich in der Wissenschafts- und Technologiestadt Yazhou Bay. 

Was die internationale Zusammenarbeit angeht, so beteiligt sich Hainan über Plattformen wie die genannte Sonderzone in Yazhou Bay oder das Boao-Asienforum am internationalen Austausch zum Thema. Wir haben zudem die Kooperation mit der Weltorganisation für geistiges Eigentum in Bereichen wie Eigentumsrechteschutz, Talentförderung und grüne, kohlenstoffarme Entwicklung verstärkt und uns proaktiv an hohe Handelsstandards angepasst. Nacheinander hat Hainan die „20 Aktionspläne zur Umsetzung des RCEP“ und die „16 Maßnahmen zur Vertiefung der Zusammenarbeit mit den RCEP-Mitgliedstaaten“ eingeführt. Es gibt außerdem Pilotversuche, die sich an Handelsbestimmungen wie dem CPTPP orientieren. Mit raschem Tempo hat unsere Provinz international kompatible Regulierungssysteme in Bereichen wie geistiger Eigentumsschutz und Wettbewerbsfairness eingeführt. Der strenge gesetzesgemäße Schutz von geistigem Eigentum ist für den Freihandelshafen Hainan also ganz klar ein Kernanliegen und auch ein ernsthaftes Versprechen. Wir werden unsere Anstrengungen fortsetzen und für noch bessere Ergebnisse kämpfen. 

Wie stellt die Provinz Hainan sicher, dass ihre einzigartige natürliche Umwelt nicht zum Leidtragenden der rasanten Entwicklung wird? Oder anders gesagt: Wie gelingt es, ökologische rote Linien und Wirtschaftswachstum aufeinander abzustimmen? 

Hainan ist Chinas tropische Schatzinsel, quasi ein Ganzjahresgarten der chinesischen Nation, ja ein Urlaubsparadies für in- wie ausländische Touristen. Wir als Provinz schreiben den Umweltschutz seit jeher groß. Entwicklung muss für uns ganz klar nachhaltig geschehen. Deshalb setzen wir auf ein Wachstumskonzept, das Umweltschutz, grüne Entwicklung und die Verbesserung der Lebensbedingungen der Einheimischen miteinander verbindet. Unsere Schwerpunkte liegen dabei auf den folgenden drei Aufgabenfeldern: 

Erstens lautet unser Credo: Hainans ökologische Umwelt darf sich im Zuge des Fortschritts nur verbessern, niemals verschlechtern. Wir haben uns das klare Ziel gesetzt, die Qualität unserer Ökosysteme auf nationalem Spitzenniveau zu halten. Dazu zählt auch, die jährliche durchschnittliche Feinstaubkonzentration drei Jahre in Folge stabil bei zwölf Mikrogramm pro Kubikmeter zu halten und einen Anteil von 99,7 Prozent ausgezeichneter Wasserqualität in küstennahen Gewässern zu erreichen. Die Ursprünglichkeit und Unversehrtheit unserer Ökosysteme schützen wir schwerpunktmäßig. Wir unternehmen alle erdenklichen Anstrengungen zum wirksamen Schutz und zur gezielten Wiederherstellung von klassischen Ökosystemen wie tropischen Regen- und Mangrovenwäldern, Korallenriffen und Seegraswiesen. Hainan ist ein Vorreiter bei der Umsetzung der Strategie und des Aktionsplans zum Schutz der biologischen Vielfalt auf Provinzebene (2023–2030). Hinsichtlich der biologischen Vielfalt sowie des endemischen Artenreichtums nimmt unsere Provinz landesweit eine führende Position ein. 

Zweitens arbeiten wir derzeit auf eine schrittweise Umsetzung der wichtigsten sogenannten „2+N“-Projekte der nationalen Pilotzone für ökologische Zivilisation hin. Diese Projekte dienen gewissermaßen als Zugpferd für eine ganzheitliche Qualitätssteigerung unserer nationalen Pilotzone für ökologische Zivilisation. Diese soll auf ein völlig neues Niveau gehoben werden. Der Nationalpark für tropischen Regenwald Hainan beherbergt den kontinental-inselartigen tropischen Regenwald Chinas mit der höchsten Konzentration, der größten Artenvielfalt, dem besten Erhaltungszustand und der größten zusammenhängenden Fläche. Dieser Nationalpark weist einen Biodiversitätsindex von 6,28 auf, was ihn vergleichbar macht mit dem brasilianischen Amazonasregenwald. Die Population des dort heimischen Hainan-Gibbons, der weltweit am stärksten gefährdeten Primaten- und Flaggschiffart, ist in den letzten Jahren von 30 Tieren in vier Gruppen auf 42 in sieben Gruppen angewachsen. Um den CO2-Ausstoß der Insel rasch zu senken, haben wir den Anteil der Stromerzeugung aus sauberen Energien sowie der entsprechenden installierten Kapazität mittlerweile auf 70,4 Prozent bzw. 87,2 Prozent gesteigert. Hainan ist außerdem ein Vorreiter in Sachen Elektromobilität, hat als erste Provinz des Landes nach sorgfältiger Planung umfassende Verkaufsbeschränkungen für Verbrenner umgesetzt. In Sachen Marktdurchdringung von New Energy Vehicles sowie deren Bestand belegt Hainan aktuell landesweit Platz 1 bzw. 2. Die von uns eingerichtete Zero-Carbon-Demonstrationszone Boao ist ein voller Erfolg. Daneben haben wir weitere neue Projekte mit Signalwirkung wie die Initiative „Abfallfreie Insel“ oder die China-EU-Kooperationszone für grüne und digitale Innovation Baoting auf den Weg gebracht. 

Drittens wirken wir gezielt darauf hin, unsere ökologischen Stärken in wirtschaftlichen Wert umzuwandeln und mit stabilen Schritten möglichst rasch den CO2-Emissionszenits sowie Klimaneutralität zu erreichen. Unser übergeordnetes Ziel besteht darin, mit aller Kraft eine Entkopplung unserer qualitätsgerichteten Wirtschaftsentwicklung von den CO2-Emissionen zu verwirklichen. Wir wollen in Sachen der CO2-Bilanz unserer Produkte und Dienstleistungen starke internationale Wettbewerbsfähigkeit garantieren. Der Ansatz dieser Arbeit lässt sich in drei Dreiergruppen zusammenfassen: erstens die Zusammenführung weltweit fortschrittlicher, grüner und kohlenstoffarmer Technologien, die Zusammenführung der besten globalen Praxisbeispiele und die Zusammenführung der modernsten internationalen politischen Maßnahmen und institutionellen Rahmenbedingungen. Dies wird auch als dreifache Zusammenführung bezeichnet; zweitens die Koordinierung von umweltbezogenen, sozialen und wirtschaftlichen Zielen (genannt „drei Ziele“). Und drittens die sorgfältige Berechnung der wirtschaftlichen Bilanzen von Unternehmen, Bevölkerung und Regierung, auch drei Berechnungen genannt.  

In Bezug auf den Umsetzungsweg dieser Ziele geht es darum, die Umweltfreundlichkeit der Industrie und die nachhaltige Industrialisierung der Umwelt rasch voranzutreiben. Auch setzen wir auf eine Vertiefung der Pilotmechanismen zur Realisierung des Wertes ökologischer Produkte. Unser Ziel besteht letztlich darin, unser methodisches Repertoire zur Umwandlung unserer umweltbezogenen Stärken in wirtschaftlichen Wert kontinuierlich zu erweitern.  

Unsere nationalen Parks sollen in Zukunft noch besser als Wasser-, Getreide-, Geld- und CO2-Speicher fungieren. Wir wollen den Menschen gesunde und nachhaltig produzierte Nahrung auf den Teller bringen. Auch sollen die Einheimischen vom Tourismus profitieren. Sie sollen in einem Naturparadies leben und gleichzeitig dessen Früchte ernten. Wir wollen ein Gesamtgefüge aus kohlenstoffoptimierten Industrien und kohlenstoffreduzierten lebenswerten Räumen schaffen, alles nach einem koordinierten Plan. Teil dieses Vorhabens ist auch die Erhöhung der Kohlenstofffixierung und -speicherung, ein intelligentes Kohlenstoffmanagement sowie eine langfristig ausgerichtete Kohlenstoff-Governance. In diesem Kontext ist auch vorgesehen, aktiv die Erforschung und Praxisanwendung sowie die internationale Zusammenarbeit mit Blick auf ein Standardsystem für blaue Kohlenstoffsenken zu fördern. All dies soll dazu beitragen, die umfassende grüne und kohlenstoffarme Transformation der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung Hainans weiter zu beschleunigen. 

Hainan gehört nicht nur den Ortsansässigen, sondern letztlich allen Bürgern Chinas und der Welt. Wir betrachten die gute ökologische Umwelt unserer Insel stets als unsere größte Stärke, ja als unser wertvollstes Kapital, weshalb wir sie auch wie unseren Augapfel hüten. Durch die Verbindung von qualitätsgerichteter Entwicklung und hochgradigem Umweltschutz wollen wir Hainan zu einem wichtigen Schaufenster machen, das der Welt die praktischen Errungenschaften von Xi Jinpings Gedanken zur ökologischen Zivilisation präsentiert. 

Kommt die Öffnungspolitik denn auch der einfachen Bevölkerung Hainans direkt zugute? Und wenn ja, wie? Welche Maßnahmen hat die Regierung mit Blick auf Preise, Beschäftigung und Konsum getroffen, um sicherzustellen, dass der Wohlstand der Bevölkerung mit dem Öffnungsprozess Schritt hält? 

Chinas Freihandelshäfen zeichnen sich ganz generell dadurch aus, dass sie auf das Prinzip gemeinsame Gestaltung, gemeinsame Nutzung und gemeinsamer Wohlstand setzen. Ob die Bevölkerung einen starken Zugewinn an Wohlstand verspürt, ist ein zentrales Erfolgskriterium für unseren Freihandelshafen. Wir halten am menschenzentrierten Ansatz fest, tun nach Kräften das Mögliche, sichern und verbessern die Lebensbedingungen im Entwicklungsprozess und sorgen dafür, dass der Bevölkerung reale Entwicklungsdividenden aus dem Aufbau zugutekommen. 

Zum Beispiel in Form von Einkommenssteigerungen: Etwa 80 Prozent der Insel sind ländlich geprägt, etwa 40 Prozent der ständigen Einwohner leben im ländlichen Raum. 20 Prozent des BIP stammen aus der Landwirtschaft. Die Lösung der Fragen rund um die Landwirtschaft, die ländlichen Gebiete und die Bauern, insbesondere die Einkommenssteigerung der Landwirte, ist daher ein Schlüsselthema beim Aufbau des Freihandelshafens. 

Durch die Anwendung der Öffnungspolitik des Freihandelshafens sowie der Maßnahmen zur Stärkung, Förderung und zum wirtschaftlichen Aufschwung der Landwirtschaft verzeichnet das verfügbare Einkommen der städtischen und ländlichen Bevölkerung Hainans seit Jahren ein schnelleres Wachstum als das BIP. Dabei steigt das Einkommen der Landbevölkerung rascher als das der Städter. Das Pro-Kopf-Einkommen der ehemals armen ländlichen Haushalte wiederum wächst noch einmal stärker als das der allgemeinen Landbevölkerung. Die Einkommensschere zwischen Stadt und Land ist auf ein 2:1-Verhältnis geschrumpft. Damit schneidet Hainan in diesem Bereich deutlich besser ab als der nationale Durchschnitt. 

Oder schauen wir auf das Thema Beschäftigung: Die Öffnungspolitik und das gute Investitionsumfeld des Freihandelshafens ziehen viele hochwertige Unternehmen an, die auch zahlreiche hochwertige Arbeitsplätze schaffen. Wir führen gezielte Aktionen zur Verbesserung der Beschäftigungsqualität durch. In den ersten drei Quartalen 2025 stieg die neu geschaffene städtische Beschäftigung um 8,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Beschäftigungssituation bleibt stabil mit Aufwärtstrend. 

Zum Thema Preisentwicklung: Wir haben einen speziellen Mechanismus zur Gesamtbilanzierung für die Produktion, den Transport, den Verkauf und die Lagerung wichtiger Güter des täglichen Bedarfs etabliert. Gleichzeitig intensivieren wir die Produktion und verbessern die Logistik bei Gemüse und Getreide sowie die regionale Versorgung mit Grundnahrungsmitteln. Durch die direkte Verbindung zwischen städtischen Versorgungsgruppen und Erzeugern gelingt es uns, die Preise wichtiger Alltagsgüter auf einem angemessenen Niveau zu halten. 

Stichwort Konsum: Hier machen wir gezielt Tempo beim Aufbau unserer Insel zu einem internationalen Tourismus- und Konsumzentrum. Es wurden bereits fünf China International Consumer Products Expos in Folge veranstaltet. Auch haben wir die Programme zur Inzahlungnahme von Verbrauchsgütern fortgesetzt sowie kontinuierlich die drei Konsumthemen steuerfreier Einkauf, medizinische Versorgung und Bildung bearbeitet. Darüber hinaus haben wir die Regelungen für den steuerfreien Einkauf auf der Insel für Ortsansässige optimiert sowie die Nullzoll-Politik für Importgüter für den Inlandskonsum der Inselbewohner rasch umgesetzt. All dies führt dazu, dass Hainans Bevölkerung hochwertige Produkte und Dienstleistungen aus aller Welt direkt vor der Haustür beziehen kann und die Dividenden der Öffnung zunehmend im Alltag der Menschen ankommen. 

Was ist Ihre Kernbotschaft an internationale Investoren und Unternehmer, die Hainan aktuell noch beobachten und bewerten?  

Wie bereits erwähnt, gab es schon innerhalb eines Monats nach dem Zollabschluss deutlich sichtbare Effekte – reibungsloser Warenfluss, freizügiger Personenverkehr und vermehrte Dynamik. Es haben sich bereits 22 ausländische Unternehmen der Fortune Global 500 in Hainan angesiedelt. Insgesamt sind 131 Hauptsitzunternehmen hier eingezogen, die Investitionen kommen aus 180 Ländern und Regionen und bei den ausländischen Direktinvestitionen sowie deren Wachstumsrate liegen wir landesweit in der Spitzengruppe. Wir spüren deutlich, dass Hainan zu einer neuen Vorreiterzone der chinesischen Öffnung, einem neuen Schwerpunkt der regionalen Win-win-Zusammenarbeit und einer neuen Triebkraft für die wirtschaftliche Globalisierung wird. 

Hainan zu wählen heißt, Chancen zu wählen; in Hainan zu investieren heißt, in die Zukunft zu investieren. Und dafür gibt es auch Gründe: Erstens ist das Ausmaß der Öffnung hier beispiellos. Der Freihandelshafen orientiert sich an der weltweit höchsten Stufe der Öffnung, setzt handels- und investitionsliberalisierende und -erleichternde Maßnahmen nach internationalen Standards um und hat in großem Umfang eine Nullzoll-Politik eingeführt. Die Zahl der Warenpositionen, auf die keine Zölle entfallen, wurde auf mehr als 6600 angehoben, was rund 74 Prozent aller Warenpositionen entspricht. Unser Freihandelshafen verfügt über die kürzeste Negativliste für den Marktzugang ausländischer Investitionen in China und hat als erste landesweit eine Negativliste für grenzüberschreitende Dienstleistungen eingeführt. Es wurden 22 Sondermaßnahmen zur Lockerung des Marktzugangs umgesetzt und in Bereichen wie Mehrwerttelekommunikation, Bildung, medizinische Versorgung und Rechtsangelegenheiten hat sich unser Hafen ausländischen Unternehmen und auswärtigem Kapital als erste geöffnet. 

Zweitens gestaltet sich unsere industrielle Entwicklungsbasis sehr solide. Ausgehend von Hainans Öffnungspolitik, Ressourcenausstattung und den Trends der neuen technologischen Revolution sowie der industriellen Transformation treiben wir die Ergänzung, Ausweitung und Aufwertung der vier Hauptindustrien Tourismus, moderne Dienstleistungen, Hightech-Industrie und effiziente Tropenlandwirtschaft voran. Gezielt entwickeln wir strategische neue Industrien wie Saatgut, Tiefseebewirtschaftung, kommerzielle Raumfahrt, grüne, kohlenstoffarme Wirtschaft und Digitalwirtschaft. Wir fördern Zukunftsindustrien wie Bioproduktion, Wasserstoffenergie, Gehirn-Computer-Schnittstelle und verkörperte Intelligenz, ja wir bauen ein modernes Industriesystem auf mit fortschrittlichen Geschäftsformen, klaren Besonderheiten, deutlicher Gliederung und rationaler Ebenenstruktur. Hierin liegen viele Investitionschancen. 

Drittens wird das Geschäftsumfeld immer besser. Hainan beschleunigt die Schaffung eines marktorientierten, rechtsstaatlichen und internationalisierten Geschäftsumfelds erster Güte. Wir haben eine spezielle Regierungsstelle für die tägliche Weiterentwicklung eingerichtet, behandeln in- und ausländische Investoren gleichberechtigt und gewährleisten einen fairen Wettbewerb. Auch wurde ein One-Stop-Mechanismus für die internationale und kommerzielle Streitbeilegung etabliert, der Mediation, Schiedsverfahren und Klagen organisch miteinander verbindet. Kurzum: wir vertiefen die Schaffung einer sicheren Region. 

Abschließend möchte ich betonen, dass Investoren aus aller Welt herzlich willkommen sind, in Hainan zu investieren und Unternehmen zu gründen. Wir werden alles tun, um die nötigen Dienstleistungen und die größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten, damit alle in Hainan erfolgreich Geschäfte tätigen können, qualifiziertes Personal finden und sich gut entwickeln. Mein großer Wunsch ist es, dass wir alle gemeinsam von den epochalen Dividenden profitieren, die der Aufbau einer offenen Weltwirtschaft mit sich bringt.

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Quelle: China Heute

Schlagworte: Hainan,Zollabfertigung,Feng Fei,Exklusivinterview