Zusammenarbeit
Deutschland öffnet Elektroauto-Förderprogramm für chinesische Hersteller
Die deutsche Bundesregierung wird ihr im Herbst 2025 gestartetes Förderprogramm für Elektrofahrzeuge im Umfang von 3 Milliarden Euro voraussichtlich für alle Hersteller öffnen – einschließlich chinesischer Automobilunternehmen.

Wie die Financial Times berichtet, erklärte Bundesumweltminister Carsten Schneider, das deutsche Förderprogramm solle zwar der deutschen und europäischen Industrie zugutekommen, jedoch ohne geografische Beschränkungen auskommen. Schneider betonte, weder in den Zulassungsstatistiken noch im Straßenbild sei ein nennenswerter Zustrom chinesischer Hersteller erkennbar. Deutschland stelle sich deshalb dem Wettbewerb, anstatt protektionistische Maßnahmen zu ergreifen.
Diese Haltung unterstreicht nach Ansicht von Cui Hongjian, Professor an der Akademie für Regional- und Global Governance der Universität für Auswärtige Angelegenheiten Beijing, dass die von einigen europäischen Politikern beschworene „Bedrohung durch chinesische E-Autos“ rational nicht haltbar sei. Die vielzitierte „Überkapazität“ sei im Kern weniger ein chinesisches Problem als vielmehr das Resultat abgeschotteter Märkte in bestimmten Ländern, so Cui weiter.
Zwar verzeichnen chinesische Automobilmarken in Deutschland ein dynamisches Wachstum, ihr Marktanteil bleibt im Vergleich zu etablierten deutschen Herstellern jedoch moderat. Beispielsweise verkaufte BYD im Jahr 2025 rund 23.000 Fahrzeuge in Deutschland – trotz einer Verachtfachung gegenüber dem Vorjahr entspricht dies weniger als einem Prozent des gesamten deutschen Automobilmarkts.
Berlins Entscheidung markiert einen deutlichen Kontrast zu anderen europäischen Staaten. In Großbritannien würden zum Beispiel vergleichbare Förderrichtlinien für Elektrofahrzeuge chinesische Hersteller de facto ausschließen, wie die Financial Times anmerkt.
Cui wies darauf hin, dass bereits frühere EU-Abstimmungen zu Strafzöllen auf chinesische E-Autos die interne Spaltung des Blocks offengelegt hätten. „Deutschlands klare Haltung dürfte eine positive Signalwirkung entfalten und auch jene Länder beeinflussen, die bisher eine abwartende oder neutrale Position vertreten haben. Auf diese Weise könnte eine tragfähige Mehrheit für eine kooperationsorientierte Politik entstehen“, so der Experte.
Bemerkenswert ist, dass der deutsche Schritt kurz nach einem wichtigen Durchbruch in den Handelsgesprächen zwischen China und der EU erfolgt: Beide Seiten einigten sich am 12. Januar 2026 auf Leitlinien für Preisverpflichtungen chinesischer Elektrofahrzeugexporteure, wie das chinesische Handelsministerium bekanntgab.
Die Europäische Union hat entsprechende Verfahrensleitfäden veröffentlicht und sich dazu verpflichtet, Bewertungen objektiv und diskriminierungsfrei nach WTO-Regeln (Welthandelsorganisation) durchzuführen. Diese Entwicklung spiegelt nach Aussage des Ministeriums den beiderseitigen Willen wider, Differenzen im Dialog zu lösen und zugleich die Stabilität globaler Automobillieferketten zu wahren.
Parallel dazu hat Kanada angekündigt, jährlich ein Kontingent von 49.000 Einheiten für chinesische Elektrofahrzeuge einzuräumen. Innerhalb dieser Quote kommt der Meistbegünstigungszollsatz von 6,1 Prozent zur Anwendung; die zeitweise erhobene hundertprozentige Zusatzsteuer entfällt.
Der Automobilexperte Wu Shuocheng betonte, diese jüngsten Entwicklungen seien im Zusammenhang zu sehen: „Immer mehr Länder, die zunächst restriktive Maßnahmen gegen chinesische Elektroautos erwogen, setzen nun auf Kooperation und Marktöffnung. Das unterstreicht in gewisser Weise auch die globale technologische und produktseitige Führungsrolle der chinesischen Automobilindustrie.“













