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Kommentar

Die hegemoniale Logik der US-amerikanischen „Neo-Monroe-Doktrin“

german.china.org.cn  |  
21.01.2026

Die militärische Intervention der USA in Venezuela spricht eine deutliche Sprache: Unter dem Deckmantel von Sicherheit und Ordnung verfolgt Washington erneut das Ziel exklusiver Vorherrschaft in der westlichen Hemisphäre – mit militärischer Gewalt und wirtschaftlicher Ausplünderung. Die „Neo-Monroe-Doktrin“ offenbart eine unverhüllte hegemoniale Strategie, die weltweit auf Widerstand stößt.

(Foto von Xinhua)

„Nach Jahren der Nichtbeachtung werden die Vereinigten Staaten die Monroe-Doktrin bekräftigen und durchsetzen, um die amerikanische Vorrangstellung in der westlichen Hemisphäre wiederherzustellen“ – so steht es im Dezember 2025 veröffentlichten Nationalen Sicherheitsstrategie (NSS) der USA. Für die lateinamerikanischen Länder, die sich dieselbe Hemisphäre teilen, bedeutet die amerikanische „Neo-Monroe-Doktrin“ jedoch nicht Frieden, sondern Hegemonie.

Am 3. Januar griffen die Vereinigten Staaten nach mehr als vier Monaten militärischer Drohungen zur Gewalt gegen Venezuela und brachten Präsident Nicolás Maduro und seine Frau unter ihre Kontrolle. Dieses eklatante Vorgehen, das die Charta der Vereinten Nationen mit Fuß tritt, stellt einen riskanten Versuch der USA dar, im Zuge einer großen außenpolitischen Neuausrichtung die „Monroe-Doktrin“ wiederzubeleben. Es verstößt schwerwiegend gegen das Völkerrecht und die grundlegenden Normen der internationalen Beziehungen und markiert eine geopolitische „Wasserscheide“ in der westlichen Hemisphäre.

Einseitige Sanktionen, die wirtschaftliche Lebensadern abschnüren; Einmischung in innere Angelegenheiten, die Frieden und Stabilität untergraben; hegemoniale Rhetorik, die Fairness und Gerechtigkeit verdreht … In den letzten Jahren haben die USA den Druck auf Venezuela hoch gehalten. Dahinter steht der sich ausbreitende Schatten der „Monroe-Doktrin“ in Lateinamerika. Die USA, die die westliche Hemisphäre als ihre „Einflusssphäre“ betrachten, haben in den vergangenen Jahren ihre Hegemonie gegenüber Lateinamerika nicht nur nie aufgegeben, sondern eskaliert.

Strategische Ambitionen und brutales Vorgehen

Kaum war im Januar 2025 die neue US-Regierung im Amt, kehrte die „Monroe-Doktrin“ ins Zentrum der US-Außenpolitik zurück. Eine Reihe hegemonialer Expansionsakte folgte in Lateinamerika Schlag auf Schlag. Die neue NSS der USA betont, dass Amerika in der westlichen Hemisphäre eine dominante Rolle einnehmen müsse. Die jüngste militärische Invasion der USA in Venezuela zeigt, dass ihr strategischer Anspruch auf alleinige Vorherrschaft in dieser Hemisphäre von der Konzeption in die Tat umgesetzt wurde.

1823 verkündete der damalige US-Präsident James Monroe im Wettbewerb mit den europäischen Mächten die „Monroe-Doktrin“ - mit dem Schlagwort „Amerika den Amerikanern“. Oberflächlich betrachtet verteidigte diese Doktrin die Souveränität neu unabhängiger Staaten der Hemisphäre gegen Übergriffe europäischer Kolonialmächte. In Wirklichkeit verfolgte sie von Beginn an territoriale Expansion und exklusive Vorherrschaft in dieser Region als Kernziel.

Bald nach ihrer Proklamation begannen die USA ungeduldig mit ihrer Expansion: vom Krieg gegen Mexiko und der gewaltsamen Aneignung großer Gebiete, über die schrittweise Infiltration Mittelamerikas mittels Stellvertretern und wirtschaftlicher Kontrolle, bis hin zur militärischen Kontrolle über Länder wie Kuba und zum Umsturz von Regierungen in der Region. Der angebliche „Souveränitätsverteidigung“ der Monroe-Doktrin entpuppte sich schon als scheinheilige Schleier.

Nach dem Kalten Krieg verlagerte sich der Fokus der US-Strategie auf den Nahen Osten, was lateinamerikanischen Ländern eine seltene Entwicklungschance bot. Geschlossenheit, Eigenständigkeit und das Streben nach autonomer Entwicklung wurden zum regionalen Konsens. Die Länder intensivierten ihre Zusammenarbeit mit Partnern in Asien-Pazifik und Afrika, beteiligten sich aktiv an der globalen Governance und wurden zu einer wichtigen Kraft des Globalen Südens.

Inzwischen verändert sich die internationale Ordnung tiefgreifend. Die USA, verhaftet in Denkweisen des Kalten Krieges und getrieben vom Dogma „America First“, sind zutiefst beunruhigt über den Wandel der internationalen Ordnung und den Verlust ihrer eigenen hegemonialen Stellung. Vor dem Hintergrund wiederholter außenpolitischer Rückschläge passten die USA ihre globale Strategie an und versuchen, die westliche Hemisphäre erneut unter Kontrolle zu bringen.

Die „Monroe-Doktrin“ ist zurück. Egal wie sie neu verpackt wird, der Kern bleibt: das Ziel der exklusiven Vorherrschaft in der westlichen Hemisphäre, ausgerichtet an der Aneignung praktischer Vorteile, mit Mitteln der militärischen Drohung oder direkter Invasion. Der Grundton „America First“ und einseitige Machtausübung haben sich nie geändert. Wenn es einen Unterschied zwischen der „Neo-Monroe-Doktrin“ und der alten gibt, dann besteht er darin, dass die hegemoniale Logik heute noch unverhüllter ist, Mittel und Ziele noch offener zur Schau gestellt werden – und der Schaden für die regionale wie auch die internationale Ordnung ungleich größer ausfällt.

Erschütterung der internationalen Ordnung

„Heute ist es Venezuela, morgen könnte es jedes Land sein.“ Mit diesen Worten brachte Chiles Präsident Gabriel Boric die tiefe Sorge lateinamerikanischer Staaten zum Ausdruck.

Die jüngste militärische Invasion der USA in Venezuela legt die destruktive und schädliche Natur der „Neo-Monroe-Doktrin“ schonungslos offen. Aus der rechtlichen Perspektive stellt das Vorgehen der USA eine umfassende Missachtung des Völkerrechts und grundlegender Normen der internationalen Beziehungen dar.

Die Invasion in einen souveränen Staat verstößt gegen die Prinzipien der UN-Charta: die souveräne Gleichheit und das Verbot der Einmischung in innere Angelegenheiten anderer Staaten. Der Einsatz militärischer Gewalt gegen einen anderen Staat widerspricht dem Verbot der Androhung oder Anwendung von Gewalt in den internationalen Beziehungen gegen die territoriale Unversehrtheit oder politische Unabhängigkeit eines Staates. Die gewaltsame Ingewahrsamnahme von Maduro und seiner Frau stellt eine offene Verletzung der Immunität eines amtierenden Staatsoberhaupts als grundlegender völkerrechtlicher Norm dar.

Nach der Militäraktion kündigten die USA einen unverhohlenen Ressourcen-Plünderungsplan an: ein US-Treuhandteam soll die venezolanische Ölindustrie vollständig übernehmen; jede Phase von Förderung, Genehmigung bis Export bedarf der Zustimmung der USA; die Erlöse werden vom US-Finanzministerium kontrolliert, wobei priorisiert US-Ölfirmen für erlittene Verluste entschädigt werden, der Rest zwischen US-Regierung und betriebsführenden US-Ölfirmen „geteilt“ wird, nur ein kleiner Teil verbleibt der venezolanischen Regierung für zivile Zwecke. Die neue Form der Plünderung ist brutaler als der Kolonialismus vor Jahrhunderten und reißt die heuchlerische Maske der USA als „Leuchtturm der Demokratie“ vollends herunter.

Dieses völkerrechtswidrige Vorgehen erschüttert die nach dem Zweiten Weltkrieg etablierte internationale Ordnung, die auf souveräner Gleichheit und dem Nichteinmischungsprinzip basiert, und beunruhigt viele lateinamerikanischen Länder. Sollte die internationale Gemeinschaft diesem hegemonialen Vorgehen nicht entgegentreten, droht das „Gesetz des Dschungels“ zurückzukehren.

Breiter Widerstand in der internationalen Gemeinschaft

Das Streben lateinamerikanischer Länder nach Unabhängigkeit und Selbstbestimmung ist längst tief verwurzelt. Der US-Gedanke, lateinamerikanische Länder durch militärische Drohung und wirtschaftliche Ausplünderung zu kontrollieren, ist ein Fehlurteil über die regionale Lage und den Zeitgeist. Je mehr die USA sich in Lateinamerika einmischen, desto tiefer wachsen Abscheu und Hass hier. 

Kolumbien, Brasilien, Chile, Mexiko, Uruguay und Spanien veröffentlichten am 4. Januar eine gemeinsame Erklärung, in der sie klarstellen, dass die einseitige Militäraktion der USA gegen Venezuela „gegen das Völkerrecht und die Grundprinzipien der UN-Charta verstößt und für einen ‚äußerst gefährlichen Präzedenzfall‘ für regionalen Frieden und Sicherheit sorgt“.

Auch innerhalb der USA gibt es viel Kritik. Der Abgeordnete des US-Repräsentantenhauses Gregory Meeks verurteilte die Militäraktion als „völkerrechtswidrig“ und schädlich für die Position der USA in der Welt. Die ehemalige Vizepräsidentin Kamala Harris wies darauf hin, dass die USA wiederholt Kriege mit dem Ziel des „Regimewechsels“ oder aus „Öl-Gründen“ geführt hätten, die oft als „Demonstration von Stärke“ verpackt wurden, sich aber letztendlich in Chaos auflösten, für das amerikanische Familien den Preis zahlen mussten.

UN-Generalsekretär António Guterrez betonte, die Kernprinzipien der UN-Charta müssten respektiert werden, die territoriale Integrität und politische Unabhängigkeit souveräner Staaten seien unantastbar. Kein Staat habe das Recht, militärische Invasionen unter dem Vorwand „innerstaatlicher Strafverfolgung“ durchzuführen. Obwohl die USA versuchten, die Verabschiedung einer entsprechenden Resolution zu behindern, lehnte es die Mehrheit der UN-Sicherheitsratsmitglieder klar ab und sah darin eine Erschütterung der internationalen Ordnung mit enormen Risiken für die globale Stabilität.

Die breite Ablehnung der internationalen Gemeinschaft macht deutlich: Der Trend zu globaler Multipolarität und Demokratisierung der internationalen Beziehungen ist unumkehrbar. Jeder Versuch, mit hegemonialen Mitteln andere Länder zu kontrollieren, wird zwangsläufig auf Ablehnung stoßen. Die „Neo-Monroe-Doktrin“ kann aber die Friedensentwicklung der Welt nicht aufhalten. Nur durch entschlossene Wahrung des UNO-zentrierten internationalen Systems und der völkerrechtsbasierten internationalen Ordnung kann die internationale Gemeinschaft der US-Hegemonie widerstehen.

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Quelle: german.china.org.cn

Schlagworte: USA,Venezuela,Hegemonie