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Historisches Weltwirtschaftsforum in Davos

China steht für den „Geist des Dialogs“ Exklusiv

german.china.org.cn  |  
23.01.2026

Von Oliver Eschke

Das Weltwirtschaftsforum (WEF) findet schon seit den 1970er Jahren jeden Jahres im Januar im Schweizerischen Davos statt. Angesichts der jüngsten Aktionen der US-Regierung war es jedoch noch nie mit solcher Spannung erwartet worden. Es ist inzwischen klar geworden: die Welt braucht Chinas Rolle als Stabilitätsanker mehr denn je!


Am Abend des 19. Januar nahmen Menschen in Davos, Schweiz, am Empfang des Jahrestreffens des Weltwirtschaftsforums 2026 teil. (Foto von Lian Yin/Xinhua)

„Die alte Ordnung kommt nicht zurück“: Es waren dramatische Worte, die Kanadas Premierminister Mark Carney am Dienstag in einer Rede beim diesjährigen Davos-Forum wählte, an dem vom 19. bis 23. Januar unter dem Motto „A Spirit of Dialogue“ fast 3.000 Personen aus über 130 Ländern und Regionen teilnehmen. 

Doch angesichts der letzten Monate erscheint seine Sicht der Dinge gar nicht mal so übertrieben. In seiner zweiten Amtszeit hat US-Präsident Donald Trump scheinbar Respekt vor der internationalen Ordnung verloren. Los ging es vergleichsweise „harmlos“ mit der Umbenennung internationaler Gewässer („Gulf of America“), dann verhängte er wahllos Strafzölle und formulierte einen Anspruch auf Kanada. Dieses erratische Verhalten mündete schließlich in der völkerrechtswidrigen Geiselnahme des Präsidenten eines souveränen Landes, Nicolas Maduro, zu Jahresbeginn. Nächste Invasionen scheinen nicht ausgeschlossen – Kuba, Kolumbien, Mexiko? 

Und natürlich Grönland, Trumps neue Obsession. Ein Eingreifen in Grönland, ob militärisch oder nicht, würde die NATO in Luft auflösen sowie die Nachkriegsordnung schwer beeinträchtigen. Das Bild einer „Auflösung der alten Ordnung“, das Carney in seiner Rede zeichnete, wäre also gar nicht mehr so weit enfernt. 

Das schlimmste allerdings ist, dass Trump nur die Steigerung des hegemonialen, imperalistischen und egoistischen Verhaltens ist, das die USA spätestens ab dem 20. Jahrhundert immer wieder an den Tag gelegt haben. Die Einmischungen in Guatemala in den 1950ern, in Nicaragua in den 1970ern oder die Entführung von Panamas Präsident 1989, hinzu kommt im neuen Jahrtausend die Invasion Iraks auf Basis falscher Behauptungen. Trumps Haltung gegenüber geltenden Normen und Gesetzen ist keine Neuheit, sondern ein Kennzeichen der US-Außenpolitik. Zwar versprach er unzählige Male eine Abkehr von der Rolle des „Weltpolizisten“, doch ein Jahr nach Amtsantritt wird klar, dass Trump noch mehr als viele seiner Vorgänger alles als Eigentum der USA betrachtet, was ihm nutzen könnte. Diese Politik ist nicht nur zweifelsfrei völkerrechtswidrig, sondern wird auch auf lange Sicht ein solches Chaos entstehen lassen, dass die ganze Welt darunter leiden wird. In einer Welt, in der keine Regeln mehr gelten und jeder nur noch für seinen eigenen Vorteil kämpft, wird es keinen Sieger geben können – nur Verlierer. 

Es war daher beruhigend zu sehen, dass Länder wie Kanada oder Frankreich nun endlich verstanden haben, dass ein „Weiter so“ keine Option ist. In ihren Reden machten deren Regierungschefs deutlich, dass man sich wehren werde, um die Werte und Regeln, die diese Welt zusammenhalten, zu verteidigen.

Eine ganz besondere Rolle nimmt dafür China ein, wie unter anderem der China-Experte Tom Harper von der University of East London betont, wenn er China eine „Schlüsselrolle als stabilisierende Kraft“ bescheinigt. In seiner Rede am Dienstag rief Vizepremierminister He Lifeng in Davos dann auch alle dazu auf, Multilateralismus sowie Freihandel zu fördern, um Win-win-Kooperationen zu schaffen. Die Kontinuität dieser chinesischen Position wurde allein dadurch klar, dass He nochmal an die Davos-Rede von Präsident Xi Jinping im Jahr 2017 erinnerte, in der er die globale Gemeinschaft ebenfalls dazu aufgerufen hatte. Anstatt für Spaltung zu sorgen, versucht China seit Jahren, mit Vorschlägen wie der Globalen Zivilisationsinitiative oder der Schicksalsgemeinschaft der Menschheit das Bewusstsein dafür zu stärken, dass die Welt nur in Harmonie und Gemeinschaft Großes bewirken kann.

„Jeder sollte vor den Regeln gleich sein. Nur eine sehr kleine Anzahl von Ländern sollte nicht das ‚Privileg‘ aufgrund ihrer Stärke genießen. Die Welt darf nicht zum Gesetz des Dschungels zurückkehren, in dem die Starken die Schwachen ausbeuten“, mahnte He nun in Davos.

China ist in dem zurückliegenden Fünfjahresplan noch einmal deutlich stärker geworden, die Wirtschaft wuchs im Schnitt um etwa 5,4 Prozent pro Jahr. Das Land hat in diesem Zeitraum rund 30 Prozent zum globalen Wirtschaftswachstum beigetragen. In zahlreichen Zukunftsbranchen wie der E-Mobilität oder den erneuerbaren Energien nimmt das Land mittlerweile eine führende Rolle ein. Es ist daher von immenser Bedeutung, wenn sich dieses große Land so eindeutig zu Konzepten wie Multilateralismus, Win-win-Zusammenarbeit und Freihandel bekennt. Es bleibt zu hoffen, dass China mit immer größeren Einflüssen seine Rolle als Stabilitätsanker der Weltordnung entfaltet und die Weltgemeinschaft der aktuellen hegemonialen US-Politik entschieden entgegentritt. 

Der Autor ist langjähriger Ostasienexperte, war lange Jahre für internationale und chinesische Organisationen tätig und arbeitet nun als freier Journalist in China. Die Meinung des Autors spiegelt die Position unserer Webseite nicht notwendigerweise wider.

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Quelle: german.china.org.cn

Schlagworte: China,Dialog,Davos