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Mit dem Pferd ins Neue Jahr

Wie der „China-Chic“ die Tierkreiszeichen-Kultur neu definiert Exklusiv

german.china.org.cn  |  
04.02.2026

Von Wang Xuemei

Mit dem nahenden chinesischen Jahr des Pferdes 2026 baut sich eine nachhaltige Welle kultureller Praxis auf. Das Pferdmotiv durchdringt heute verschiedenste Ebenen – von internationalen Luxusmarken bis zur lokalen Alltagskultur. Es ist kein bloßes Tierkreissymbol mehr, sondern verkörpert eine vielschichtige kulturelle Neupositionierung, in der überlieferte Symbolik, zeitgenössisches Design und globale Narrative miteinander verschmelzen. Diese Entwicklung steht für mehr als nur eine ästhetische Erneuerung; sie spiegelt das gewachsene kreative Selbstverständnis Chinas wider.

Vom Ornament zum System: Die strukturelle Evolution des „China-Chic“

Lange Zeit war das Tierkreiszeichen primär auf dekorative Funktionen beschränkt, etwa in traditionellen Neujahrsdarstellungen wie Neujahrsbildern oder roten Umschlägen. Gegenwärtig lässt sich jedoch ein grundlegender Paradigmenwechsel beobachten. Das neue Maskottchen „Ma Dundun“ ist hierfür ein Beispiel. Inspiriert von historischen Kunstschätzen wie den „Sechs Steingravuren der Kampfpferde am Zhaoling-Mausoleum der Tang-Dynastie“ zeigt es ein Pferd in dynamischer Bewegung. Auf diese Weise verbindet es den traditionellen Segensspruch „Ma dao cheng gong“ („Mit dem Pferd kommt der Erfolg“) mit dem olympischen Ethos „schneller, höher, stärker“. Aus einem einfachen Zeichen wird somit ein Symbol mit vielseitigen Bedeutungsebenen.

Diese Entwicklung steht für die Reifung der „China-Chic“-Bewegung (chinesisch „Guochao“). Während anfangs oft visuelle Traditionselemente zitiert wurden, steht heute die systematische Übersetzung kultureller Tiefenstrukturen in zeitgemäße Ausdrucksformen im Mittelpunkt. Die differenzierten Versionen vom „Palastmuseum-Kalender“ veranschaulicht diesen Ansatz: Die eine widmet sich Kulturschätzen und ihrer Symbolik, während die andere die Geschichte der chinesischen Pferdekultur erzählt. Geschichte wird dadurch zu einem aktivierbaren emotionalen Code.

Diese Entwicklung manifestiert sich auch in der materiellen Kultur. So brachte die Kooperation zwischen dem staatlichen Hersteller von Gebrauchsporzellan Huaguang Porzellan mit CCTV Creative, einer originären Kultur- und Kreativmarke unter dem Dach der China Media Group, den thematischen Frühlingsteller „Dem Pferd voraus“ hervor. Die Verbindung traditioneller Techniken wie Keramik oder Scherenschnitt mit modernem Design sowie ihre Integration in Alltagsgegenstände – von Kühlschrankmagneten bis zu Auto-Duftspendern – vollendet den Transformationsprozess: Das museale Objekt wird zum lebendigen Alltagsbegleiter.

Die Trendmarke Pop Mart transformiert Tierkreiszeichen darüber hinaus in soziale Codes, indem sie Figuren wie LABUBU mit einem spezifischen „Pferdejahr-Design“ ausstattet. „Für junge Konsumenten erfüllen Tierkreis-Produkte emotionale Bedürfnisse – sowohl nach Ritual als auch nach individuellem Ausdruck“, betont Professorin Wu Liyun von der Universität für Internationale Beziehungen Beijing. Der Kauf werde so zur Geste der Zugehörigkeit und Teil eines gemeinsam geteilten Rituals.

Globale Resonanz: Ästhetischer Dialog und symbolische Brücken

Die Strahlkraft dieses Phänomens bleibt nicht national begrenzt. Internationale Marken mit eigener kultureller Verbindung zum Pferd, wie Hermès, treten zunehmend in einen ästhetischen Dialog mit chinesischen Symbolsystemen. Unter dem Jahresthema „Venture Beyond“ interpretiert Hermès klassische Reitmotive neu. AMI Paris vermittelt mit subtileren Collage- und Sticktechniken eine warme, mitfühlende emotionale Kraft. Diese Strategien sind weniger als oberflächliche Marktanpassung zu verstehen, sondern vielmehr als resonanzfähige Neuinterpretation des eigenen kulturellen Erbes im Lichte chinesischer Symbolik. Sie signalisieren, dass chinesische Kulturmotive im globalen kreativen Kanon als gleichwertige Inspirationsquelle anerkannt werden.

Der symbolische Gehalt des Pferdes – Kraft, Geschwindigkeit und Freiheit – besitzt dabei eine kulturübergreifende Verständlichkeit, entfaltet jedoch unterschiedliche semantische Nuancen. Während die englische Redewendung „work like a horse“ Fleiß betont, würdigt das chinesische Sprichwort „Ein altes Pferd kennt den Weg“ Erfahrung. Begriffe wie „dark horse“ verweisen auf unerwartete Sieger, während „Das Pferd stolpert wegen seines instabilen Standes der Vorderbeine plötzlich“ vor Selbstüberschätzung warnt. Diese Unterschiede sind Ausdruck kultureller Vielfalt, nicht kultureller Barrieren.

Vor diesem Hintergrund erhält auch der von den Vereinten Nationen für 2026 ausgerufene Fokus auf Weidekulturen (Internationales Jahr der Weiden und Pastoralisten) zusätzliche Relevanz. Er schafft einen ökologischen und kulturpolitischen Rahmen, in den sich die chinesische Pferdesymbolik mit ihrer östlichen Perspektive organisch einfügt.

Kulturelle Selbstvergewisserung: Tradition als aktive Ressource

Die erfolgreiche Transformation verweist auf ein verändertes kulturelles Selbstverständnis. „Diese kulturelle Neukodierung gründet auf einem gewachsenen Selbstvertrauen“, analysiert Lu Jianfei, Vorsitzender des Shanghaier Zweigs der Chinese Association for Intercultural Communication. Der schöpferische Umgang mit Tradition zeige, dass kulturelles Erbe heute nicht mehr primär bewahrt, sondern aktiv als gestalterische Ressource genutzt werde.

Lu identifiziert dabei zwei zentrale Tendenzen: Erstens die emotionale Aufladung kultureller Symbole, die individuelle und kollektive Bedeutungsebenen miteinander verbindet. Zweitens eine qualitative und gestalterische Aufwertung, die im Einklang mit dem wirtschaftspolitischen Leitbild der „hochwertigen Entwicklung“ steht – dem Übergang zu innovationsgetriebener Wertschöpfung.

Darüber hinaus zeichnet sich ein neues Vermittlungsmodell ab: „Kultureller Kern + Kreativdesign + emotionale Bindung + Lebenskontext“. Dieser Ansatz ersetzt die einseitige Kulturvermittlung durch eine partizipative Praxis und verleiht der tief in kulturellen Strukturen verwurzelten Innovation eine Nachhaltigkeit, die weit über kurzlebige Modetrends hinausreicht.

Das Frühlingsfest im Jahr des Pferdes markiert somit weit mehr als einen kalendarischen Übergang. Es steht für eine Phase, in der kulturelles Selbstvertrauen konkret Gestalt annimmt. Der Aufschwung der Tierkreiszeichen-IPs ist ein deutliches Zeichen des Zeitgeistes und eröffnet neue Räume für internationalen kulturellen Austausch.

Deutlich wird dabei: Echtes kulturelles Selbstvertrauen manifestiert sich nicht im Festhalten an starren Formen. Vielmehr zeigt es sich in der fortwährenden Fähigkeit, den Geist der Tradition in zeitgenössische Ausdrucksformen zu übersetzen. Auf diese Weise setzt die chinesische Kultur eigenständige und nachhaltige Akzente innerhalb der globalen Kulturlandschaft – getragen von kultureller Tiefe, gestalterischer Qualität und emotionaler Resonanz.


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Quelle: german.china.org.cn

Schlagworte: China-Chic,Pferd,Jahr,Tierkreiszeichen