Qualität statt übermäßigem Preiswettbewerb
Chinas Solarindustrie setzt auf langfristige Entwicklung
Chinas Photovoltaik-Industrie steht vor dem Sprung in eine neue Phase des qualitätsorientierten Wachstums. Laut Branchenexperten vollzieht der Sektor derzeit einen strategischen Wandel: weg von einem rein preisbasierten Wettbewerb, hin zu einem Modell, bei dem führende Unternehmen ihre globale Spitzenposition durch Kernvorteile, etwa in Technologie, festigen.

Angesichts des bevorstehenden Wegfalls der Exportsteuererstattungen werden die chinesischen Solarunternehmen ihre Transformation noch einmal beschleunigen. Fachleute erwarten, dass dieser Schritt die Widerstandsfähigkeit der gesamten Branche stärken werde.
Lin Boqiang, Direktor des China Center for Energy Economics Research an der Universität Xiamen, erklärte, dass nach Jahren der rasanten Expansion der chinesischen Photovoltaikindustrie, die auch durch staatliche Förderung vorangetrieben wurde, nun ein strategischer Schritt folge. Dieser soll den ineffizienten Wettbewerb eindämmen, Handelskonflikte reduzieren und die Industrie in Richtung einer hochwertigen Entwicklung lenken.
Konkret sieht die Neuausrichtung vor, dass die Behörden die Mehrwertsteuererstattung für Exporte von Photovoltaikprodukten zum 1. April 2026 vollständig streichen werden. Dieser Wegfall wird zwar kurzfristig die Exportkosten erhöhen und die Gewinnmargen unter Druck setzen, doch betrachten Brancheninsider die Maßnahme langfristig gesehen als notwendige Intervention, um die aktuelle Sackgasse des intensiven internen Verdrängungswettbewerbs zu durchbrechen.
Laut Liu Yiyang, dem geschäftsführenden Generalsekretär des chinesischen Photovoltaik-Branchenverbandes, markiert das Ende der kontinuierlichen Steuerprivilegien den Zeitpunkt, ab dem sich die Industrie im Feuer des reinen Marktwettbewerbs bewähren muss. China dominiert derzeit den Weltmarkt und verfügt über ein komplettes Fertigungssystem, dessen Kapazitäten in den wichtigsten Gliedern der Wertschöpfungskette mehr als 90 Prozent der weltweiten Gesamtsumme ausmachen. Diese Dominanz brachte jedoch auch Herausforderungen mit sich: Seit 2024 leidet die Branche unter einem Dilemma aus steigendem Absatz und gleichzeitig fallenden Preisen. Erbitterte Preiskämpfe auf dem Inlandsmarkt drückten die Exportpreise, was die Gewinne schmelzen ließ und im Ausland zu Antisubventionsuntersuchungen führte.
Liu Yiyang geht davon aus, dass die Anpassung der Steuerrabatte dazu beitragen wird, die Exportpreise zu stabilisieren. Zudem entlaste dieser Schritt den Staatshaushalt und ermögliche eine effizientere Ressourcenallokation. Wang Shijiang, Vize-Abteilungsleiter für elektronische Informationen im Ministerium für Industrie und Informationstechnologie, hält diese Anpassung für die oberste Priorität der Branche im Jahr 2026, in dem die grundlegenden Ungleichgewichte zwischen Angebot und Nachfrage gelöst werden müssen.
Marktanalysten prognostizieren für die kommenden Monate eine volatile, aber konstruktive Übergangszeit. Für das erste Quartal 2026 wird ein sprunghafter Anstieg der Exporte erwartet, da ausländische Käufer vor Inkrafttreten der neuen Regelung ihre Lagerbestände aufstocken dürften. Im zweiten Quartal ist hingegen mit einem deutlichen Nachfragerückgang zu rechnen. Langfristig werden sich jedoch Unternehmen mit technologischen Vorteilen, etablierten Vertriebskanälen und starkem Markeneinfluss behaupten. Dies wird zu einer höheren Marktkonzentration führen. Der Fokus verschiebt sich damit endgültig vom „Preiskrieg“ zum „Wertewettbewerb“. Die Kernwettbewerbsfähigkeit wird künftig anhand der Produktqualität, des technologischen Fortschritts und integrierter Solar-Speicher-Lösungen gemessen.
Trotz kurzfristiger Schwankungen bleibt die Aussicht für den Sektor positiv. Der Verband prognostiziert für 2026 einen vorübergehenden Rückgang der jährlich neu installierten Kapazität in China auf 180 bis 240 Gigawatt (GW), erwartet jedoch eine baldige Erholung. Bis zum Jahr 2035 soll die jährliche Neuinstallation in China anschließend sogar auf 280 bis 350 GW steigen. Parallel dazu rücken neue technologische Horizonte, wie die weltraumgestützte Solarenergie, in den Fokus. Neue Durchbrüche in der kommerziellen Raumfahrt und sinkende Transportkosten ins All werden der chinesischen Photovoltaik-Wertschöpfungskette in Zukunft immense neue Möglichkeiten eröffnen.












