Mit aufstrebenden Branchen und Chancen
Rekordzahl an hochqualifizierten Rückkehrern stürmt den chinesischen Arbeitsmarkt
Innovative Sektoren wie Künstliche Intelligenz und Robotik sowie attraktive Förderprogramme machen das chinesische Festland für Absolventen westlicher Hochschulen so attraktiv wie nie. Der Trend zur Heimkehr erreicht einen neuen Höhepunkt: Im Jahr 2025 verzeichnete das chinesische Festland eine Rekordzahl an Rückkehrern, die nach ihrem Studium oder einer Tätigkeit im Ausland in die Heimat zurückkamen.

Getrieben durch vielversprechende wirtschaftliche Aussichten und den rasanten Ausbau zukunftsweisender Technologien bevorzugen immer mehr junge chinesische Talente den heimischen Arbeitsmarkt gegenüber den sich wandelnden globalen Beschäftigungsbedingungen.
Dieser Zustrom hat insbesondere die Entwicklung sogenannter „Produktivkräfte neuer Qualität“ beflügelt. Vor allem in den Bereichen Softwareentwicklung, künstliche Intelligenz und Pharmazie bringen die Rückkehrer frische Impulse und internationales Know-how ein.
Ein aktueller Bericht der führenden chinesischen Online-Jobbörse Zhaopin verdeutlicht diese Entwicklung: Die Zahl der Rückkehrer, die auf dem Festland einen Arbeitsplatz suchten, stieg im Jahr 2025 im Vergleich zum vorangegangenen Jahr um fünf Prozent. Seit 2018 ist die Anzahl sogar um fast 50 Prozent gestiegen. Besonders auffällig ist die Gruppe der Hochschulabsolventen: Hier gab es ein Plus von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Vergleich zu 2018 entspricht dies einem 2,25-fachen Anstieg.
KI-Boom und globale Expansion als Jobmotor
Die geografische Herkunft der Talente ist dabei klar verteilt: Etwa ein Drittel der Rückkehrer kommt aus Großbritannien, rund ein Fünftel aus Australien und knapp 8 Prozent aus den USA. Laut Li Qiang, Vizepräsident von Zhaopin, sind es vor allem der industrielle Strukturwandel und die Entstehung neuer Industriezweige, die diese enorme Nachfrage generieren.
Insbesondere Unternehmen in den Bereichen KI, neue Energien und High-End-Fertigung haben ihre Investitionen massiv erhöht. Dies spiegelt sich unmittelbar in den Stellenangeboten wider: In der KI-Branche wuchs die Zahl der offenen Stellen, etwa für Produktmanager im Bereich KI, in den ersten drei Quartalen des Jahres 2025 auf der Plattform Zhaopin um beeindruckende 178 Prozent – flankiert von äußerst wettbewerbsfähigen Gehältern. Li erläutert dazu: „Zudem haben chinesische Unternehmen einen wachsenden Bedarf an Talenten mit Auslandserfahrung und Sprachkenntnissen, da sie ihre globale Präsenz massiv ausbauen wollen.“
Fokus auf Hightech und Forschung
Während Firmen aus traditionellen Sektoren wie Bildung, Beratung und Handel nach wie vor die größten Arbeitgeber für Rückkehrer sind, gewinnen technisch anspruchsvolle Bereiche immer mehr an Bedeutung. Branchen, die den „Produktivkräften neuer Qualität“ zugerechnet werden, etwa die Metallverarbeitung oder die pharmazeutische Industrie, suchen verstärkt nach international erfahrenen Fachkräften, um ihre intelligente und grüne Transformation voranzutreiben.
Die Rückkehrer selbst zeigen ein großes Interesse an aufstrebenden Industrien mit hoher Forschungs- und Entwicklungsintensität. So stieg beispielsweise die Zahl der Bewerbungen im Sektor für neue Materialien im Jahr 2025 um fast 90 Prozent. Die Robotik verzeichnete ein Plus von 75 Prozent und der KI-Sektor erhielt rund 35 Prozent mehr Bewerbungen.
Stabilität überwiegt Visums-Hürden
Neben der Attraktivität der neuen Branchen spielen auch die veränderten Rahmenbedingungen im Ausland eine Schlüsselrolle. Verschärfte Visabestimmungen und ein härterer Wettbewerb auf den Arbeitsmärkten des Westens bewegen viele Studierende zur Rückkehr. China punktet im Gegensatz dazu mit einem stabilen Lebensumfeld und gezielten Fördermaßnahmen, etwa bei der Wohnsitzregistrierung oder durch Unterstützung für junge Unternehmer.
Die 27-jährige Wang Siqi kehrte nach ihrem Masterstudium in Großbritannien nach Shenzhen zurück und arbeitet nun in einer Beratungsfirma. Sie bestätigt diesen Trend: „Ich schätze das Klima und die Bequemlichkeit des Alltags hier sehr.“ Viele ihrer Kommilitonen seien ebenfalls zurückgekehrt und hätten sich in Metropolen wie Shanghai oder Beijing niedergelassen.
Trotz der Euphorie mahnen Experten zum Realismus: Li Chang'an, Professor an der University of International Business and Economics, betont zwar die Vorteile der internationalen Perspektive. Er gibt jedoch zu bedenken, dass Rückkehrer den Wettbewerb auf dem heimischen Markt oft unterschätzen. Absolventen chinesischer Eliteuniversitäten seien heute fachlich ebenso versiert und besäßen Qualitäten, die den Vergleich mit internationalen Abschlüssen nicht scheuen müssten.












