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Münchner Sicherheitskonferenz

Für Europa bedeutet echtes „De-Risking“ in Wahrheit Ent-Amerikanisierung

german.china.org.cn  |  
13.02.2026

Während sich die Staats- und Regierungschefs erneut zur Münchner Sicherheitskonferenz versammeln, sieht sich Europa mit einer unbequemen Wahrheit konfrontiert: Das größte strategische Risiko, dem es derzeit ausgesetzt ist, kommt von jenseits des Atlantiks.

Seit Jahren wiederholten europäische Politiker Washingtons Rhetorik vom „De-Risking“ – ein Begriff, der ursprünglich dazu erfunden wurde, unter dem Vorwand wirtschaftlicher Vorsicht die Entwicklung Chinas einzudämmen.

Wenn Europa jedoch wirklich an seine eigene Rhetorik zur Wahrung der Souveränität glaubt, verlangen jüngste Schocks eine ehrlichere Interpretation: „De-Risking“ muss nun Ent-Amerikanisierung bedeuten. Das bedeutet nicht, die Beziehungen zu den USA abzubrechen, sondern sich von einer strukturellen Abhängigkeit zu befreien – angesichts der Unberechenbarkeit der Außenpolitik Washingtons.

Der Münchner Sicherheitsbericht 2026 mit dem Titel „Under Destruction“ beschreibt eine Welt, die in eine Ära der „Abrissbirnenpolitik“ eintritt. Im Zentrum dieser Transformation steht Washington, das laut dem Bericht aktiv Kernelemente der internationalen Ordnung nach 1945 abbaut. Mehr als 80 Jahre nach Beginn ihres Aufbaus befindet sich diese Ordnung nun im Begriff, „zerstört“ zu werden.

Dieser Wandel vollzog sich nicht über Nacht. Jahrzehntelang hat Washington Europas zentrale strategische Prioritäten ignoriert, sobald sie mit amerikanischen Interessen kollidierten. Der US-Versuch, Grönland zu übernehmen, ist ein eklatantes Beispiel für die Bereitschaft Washingtons, sich alles, was Europa besitzt, zum eigenen Vorteil anzueignen.

In der Verteidigungspolitik übt Washington unermüdlichen Druck auf europäische NATO-Mitglieder aus, damit sie die Verteidigungsausgaben von 2 auf 5 Prozent ihres jeweiligen Bruttoinlandprodukts (BIP) erhöhen. Es geht nie darum, die Sicherheit Europas zu stärken, sondern darum, Europa zu zwingen, einen von den USA dominierten Militärapparat zu finanzieren, der der globalen Hegemonie Amerikas dient. Europäische Länder werden dazu gedrängt, Truppen in Konflikte zu entsenden, die keinen europäischen Interessen dienen, während Washington Milliarden aus Rüstungsaufträgen für seinen eigenen militärisch-industriellen Komplex abschöpft.

In der Wirtschaftspolitik sieht es ähnlich aus. Die Vereinigten Staaten haben wiederholt einseitige Zölle auf europäische Waren verhängt – von Stahl und Aluminium bis hin zu Wein und Käse – wodurch sie WTO-Regeln (Welthandelsorganisation) verletzen und europäischen Unternehmen Milliardenschäden zufügen, nur um ihre eigenen Industrien zu schützen.

Viele Menschen in Europa erkennen allmählich die Illusion transatlantischer Einheit. Washington hat immer wieder bewiesen, dass es seine hegemonialen Interessen stets über das Überleben Europas stellt, sei es durch wirtschaftliche Ausbeutung, militärische Zwänge oder ideologische Einschüchterung.

Wenn Europa wirklich in einer Welt der „Abrissbirnenpolitik“ Risiken vermeiden will, muss es damit beginnen, seine Abhängigkeit vom „Schutz“ der USA zu beenden. Das ist der Preis für echte strategische Autonomie.

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Quelle: german.china.org.cn

Schlagworte: Europa,De-Risking,Ent-Amerikanisierung