Münchner Sicherheitskonferenz
Die transatlantische Ära am Scheideweg und Chinas globale Initiative
Hinter den Kulissen der 62. Münchner Sicherheitskonferenz brodelt es. Trotz beschwichtigender Worte aus Washington zeichnet der MSC-Bericht 2026 das Bild einer Weltordnung im Niedergang. China jedoch nutzt die Bühne, um sich als neuer Anker für Multilateralismus und globale Stabilität zu präsentieren.
Eröffnung der 62. Münchner Sicherheitskonferenz (Foto: Xinhua)
Vom 13. bis 15. dieses Monats fand die 62. Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) statt. Vor dem Hintergrund der angespannten transatlantischen Beziehungen und der zunehmenden Unsicherheit in der internationalen Lage konzentrierte sich die Konferenz vor allem auf die Herausforderungen der Weltsicherheit und der Global Governance. In den verschiedenen Reden sowie im Sicherheitsbericht wurde klar, dass sich die Beziehungen zwischen Europa und den USA dauerhaft verändert haben. Gegenüber der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua erklärten zudem mehrere chinesische Experten, die an der Konferenz teilnahmen, dass Chinas Engagement für Multilateralismus und Win-win-Kooperationen große Aufmerksamkeit gefunden habe. Damit habe China der internationalen Gemeinschaft Hoffnung auf Stabilität vermitteln können.
Bereits vor der Konferenz wurde der Münchner Sicherheitsbericht 2026 mit dem Titel „Under Destruction“ veröffentlicht. In diesem wird die disruptive Wirkung des Unilateralismus der USA auf die internationale Ordnung hervorgehoben. „Das Thema des Berichts weist auf den rapiden Niedergang der europäisch-amerikanischen Beziehungen hin“, betonte Zhou Bo, Senior Research Fellow am Zentrum für Strategie- und Sicherheitsstudien der Tsinghua-Universität. Der Bericht bringe zudem die Ängste Europas angesichts zahlreicher Unsicherheiten, wie der anhaltenden Ukraine-Krise und der transatlantischen Spannungen, zum Ausdruck, so der Experte.
Am 14. Februar erklärte US-Außenminister Marco Rubio in seiner Rede auf der MSC 2026, ein Ende der transatlantischen Ära sei „weder unser Ziel noch unser Wunsch“. Er bekräftigte stattdessen, dass die USA „immer ein Kind Europas bleiben werden“. Jiang Feng, Professor für Europastudien an der Shanghai International Studies University, bemerkte, dass Washingtons Versuch, die Beziehungen zu Europa auf der Grundlage einer „gemeinsamen Zivilisation“ und einer „gemeinsamen Identität“ neu zu gestalten, offenbar rassistische Untertöne habe und potenzielle Risiken für die globale Sicherheit mit sich bringe. „Auch Europa erkennt allmählich, dass die transatlantischen Beziehungen nicht mehr zu ihrem früheren Zustand zurückkehren können.“
Der Bericht der Münchner Sicherheitskonferenz kommt zu dem Schluss, dass die politischen Kehrtwenden der USA in den Bereichen Handel und multilateralen Mechanismen das auf internationalen Regeln basierende System geschwächt und die globalen Konfliktrisiken erhöht hätten. Zhu Min, Sonderberater des Internationalen Währungsfonds (IWF) und ehemaliger stellvertretender Gouverneur der chinesischen Zentralbank, erklärte, dass die Einführung massiver Zölle durch die USA die globalen Handelsregeln untergrabe. Ihr Rückzug aus internationalen Abkommen komme zudem einer Negierung des Systems der Vereinten Nationen gleich. Einseitige Maßnahmen der USA in Fragen der territorialen Souveränität hätten darüber hinaus die Unsicherheit innerhalb der internationalen Ordnung verschärft.
Ebenfalls am 14. Februar fand im Rahmen der MSC 2026 eine spezielle Sitzung zum Thema China statt. In seiner Rede rief Chinas Außenminister Wang Yi die Weltgemeinschaft dazu auf, „gemeinsam daran zu arbeiten, den richtigen Kurs des großen Schiffes der Geschichte zu kalibrieren“. Darin unterbreitete er vier Vorschläge zur Verbesserung der Global Governance: Erstens forderte er die Wiederbelebung des Systems der Vereinten Nationen, zweitens sprach er sich für eine koordinierte Zusammenarbeit aller Länder aus, drittens drängte er auf die konsequente Umsetzung des Multilateralismus und viertens unterstrich er die dringende Notwendigkeit, Kriege zu beenden und den Frieden zu fördern. Im Nachgang erklärten Experten, dass diese Vorschläge den Anliegen der internationalen Gemeinschaft Rechnung tragen und Chinas konstruktive Rolle in einer sich wandelnden Welt widerspiegeln würden.
Li Yafang, stellvertretende Chefredakteurin der China International Communications Group (CICG) und Präsidentin der Academy of Contemporary China and World Studies, sagte gegenüber Xinhua, dass China großen Wert auf seine politische Kontinuität lege. Bei der Förderung der Multipolarität der Welt und der Vielfalt der Zivilisationen strebe das Land nicht danach, die bestehende internationale Ordnung umzustürzen, sondern die Global Governance im Rahmen der UN zu verfeinern und das internationale System inklusiver und gerechter zu gestalten.
Zhu Min erklärte, die Vereinten Nationen stellten einen zentralen institutionellen Rahmen dar, der die Welt verbinde. China unterstütze dieses System nachdrücklich und vermittele der Weltgemeinschaft damit Stabilität und Vertrauen. Unter Wahrung des bestehenden institutionellen Rahmens unterstütze die Volksrepublik zudem den Aufbau einer Schicksalsgemeinschaft der Menschheit. China sei bereit, seine Entwicklungserfolge mit den Ländern des Globalen Südens zu teilen und die Zusammenarbeit mit den Industrieländern zu vertiefen, um neue Wege für die Global Governance aufzuzeigen.
Cui Hongjian, Direktor des Zentrums für EU- und Regionalentwicklungsstudien an der Beijing Foreign Studies University, bemerkte, China verfolge einen pragmatischen Ansatz, und zwar sich auf die eigene Entwicklung zu konzentrieren, ohne Widersprüche oder Konflikte ins Ausland zu verlagern. Diese Herangehensweise biete der internationalen Gemeinschaft ein Beispiel für Global Governance, das sich vom Unilateralismus deutlich unterscheide. Er betonte zudem, dass der Aufstieg des Globalen Südens neue Impulse für internationale Begegnungen sowie wirtschaftliche Zusammenarbeit setze. Chinas Erfahrung in der Kooperation mit Entwicklungsländern könne zudem wegweisende Perspektiven für die künftige Gestaltung der Weltordnung eröffnen.












