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Realwirtschaft schlägt Politik

Warum deutsche Konzerne trotz „De-Risking“ auf China setzen

german.china.org.cn  |  
25.02.2026

Während die politische Diskussion von Begriffen wie „Risikominderung“ geprägt ist, meldet der Handel Rekordwerte: China war 2025 Deutschlands wichtigster Handelspartner und die Exporte stiegen zuletzt um 10,5 Prozent. Im Vorfeld des China-Besuchs von Friedrich Merz sprachen Experten von der Bedeutung stabiler Beziehungen für die globalen Lieferketten.

Der Bundeskanzler hat seine Chinareise begonnen. Angesichts einer Neuausrichtung der wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen Berlin und Beijing betonten Regierungsvertreter und Wirtschaftsakteure am Dienstag die Bedeutung stabiler bilateraler Beziehungen. Diese Stabilität sei unerlässlich, um die Handelsbeziehungen aufrechtzuerhalten und die Resilienz der globalen Lieferketten zu stärken. Eine fundierte Partnerschaft schaffe vor allem Raum für Kooperationen auf den Gebieten erneuerbare Energien, künstliche Intelligenz und Dienstleistungshandel. Dies unterstreiche das strategische Gewicht des deutsch-chinesischen Engagements in einem sich wandelnden globalen Marktumfeld.

Vor dem Hintergrund wachsender protektionistischer Tendenzen und geopolitischer Unsicherheiten hat China im Jahr 2025 die Vereinigten Staaten als Deutschlands größten Handelspartner wieder abgelöst. Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) belief sich das Handelsvolumen zwischen Deutschland und China im vergangenen Jahr auf 251,8 Milliarden Euro (ca. 296,75 Milliarden US-Dollar). Dies entspricht einem Zuwachs von 2,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, während der Handel mit den USA im gleichen Zeitraum um fünf Prozent zurückging.

Ein Sprecher des chinesischen Handelsministeriums erklärte, dass das Land mit dem Beginn des 15. Fünfjahresplans (2026-2030) deutsche Unternehmen ausdrücklich dazu einlade, die neuen Möglichkeiten der chinesischen Marktöffnung zu nutzen. „Die Unternehmen werden dazu ermutigt, die Zusammenarbeit in traditionellen Sektoren zu festigen und gleichzeitig Potenziale in Zukunftsfeldern wie sauberer Energie, verkörperter künstlicher Intelligenz, Biotechnologie und industrieller Digitalisierung zu erschließen“, so der Beamte am Dienstag. China sei bereit, das gegenseitige Vertrauen durch Dialog zu stärken, den Freihandel zu fördern und das regelbasierte multilaterale Handelssystem zu schützen.

Trotz der politischen Debatten über ein sogenanntes „De-Risking“ – also die Verringerung einseitiger Abhängigkeiten – orientiere sich die Realwirtschaft weiterhin an einer kommerziellen Logik, betonte Liu Ying, Forscherin am Chongyang-Institut der Chinesischen Renmin-Universität in Beijing. Als Reaktion auf protektionistischen Druck würden deutsche Firmen ihre Kooperation mit China sogar intensivieren, um ihre langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

Aktuelle Zolldaten verdeutlichen die Komplexität dieser Verflechtung: Im vergangenen Jahr stiegen Chinas Exporte nach Deutschland um 10,5 Prozent auf insgesamt 118,27 Milliarden US-Dollar. Zheng Chunrong, Direktor des Zentrums für Deutschlandstudien an der Tongji-Universität, merkte dazu an, dass das wachsende Handelsdefizit aus deutscher Sicht nicht nur die Intensität der Wirtschaftsbeziehungen, sondern auch die starke Abhängigkeit vom chinesischen Markt widerspiegele.

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, fordern Wirtschaftsakteure tiefgreifende strukturelle Reformen, darunter einen verbesserten Marktzugang, reziproke Investitionsbedingungen und die Entwicklung ausgewogenerer Wertschöpfungsketten. Martin Hofmann, der Vorsitzende der Deutschen Handelskammer in Nordchina, sieht in einer „dritten Welle der Lokalisierung“ den entscheidenden Weg für deutsche Unternehmen. Durch eine verstärkte Konzentration auf lokale Forschung und Entwicklung sowie eine beschleunigte Industrialisierung vor Ort könnten sie nicht nur ihre Marktposition in China festigen, sondern auch ihre globale Innovationsführerschaft ausbauen.

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Quelle: german.china.org.cn

Schlagworte: Bundeskanzler,Friedrich Merz,China,Wirtschaft