Chinas „Zwei Tagungen“
Experten: Chinas Weichenstellung kommt auch der Weltwirtschaft zugute
Die bevorstehenden „Zwei Tagungen“ Chinas – die jährlichen Sitzungen des Nationalen Volkskongresses (NVK) und der Politischen Konsultativkonferenz des Chinesischen Volkes (PKKCV) – werden in diesem Jahr, also dem ersten Jahr der Periode des 15. Fünfjahresplans, mit besonderer Spannung erwartet. Beobachter gehen davon aus, dass politische Leitlinien formuliert werden, die Chinas hochwertige Entwicklung vorantreiben. Experten sehen darin auch bedeutende Chancen für eine Weltwirtschaft, die derzeit mit Fragmentierung und Unsicherheit kämpft.
Der Zeitplan für die politischen Großereignisse steht fest: Die 4. Sitzung des 14. NVK wird voraussichtlich am 5. März eröffnet, während das Landeskomitee der PKKCV bereits am 4. März seine Arbeit aufnimmt. Im Zentrum der Agenda steht die Beratung über den Entwurf des 15. Fünfjahresplans (2026–2030). Experten zufolge werden die „Zwei Tagungen“ den Ton für ein stabiles Wirtschaftswachstum und die Fortsetzung der wirtschaftlichen Transformation setzen.
Tom Harper, China-Spezialist an der University of East London, betont, dass die Tagungen zu einem Zeitpunkt stattfinden, an dem sich die chinesische Wirtschaft zunehmend stabilisiert. Dies sei das Ergebnis eines seit den 2010er Jahren laufenden Strukturwandels. Die Agenda ziele nun darauf ab, die Grundlagen für eine breitere wirtschaftliche Erholung zu festigen.
Parallel dazu signalisiert Beijing eine verstärkte wirtschaftliche Expansion. Neben dem Bekenntnis zu hohen Standards bei der Marktöffnung wird erwartet, dass China seine langfristigen Ziele in den Bereichen Künstliche Intelligenz (KI) und intelligente Fertigung formuliert. Dies unterstreiche, so Harper, den Ehrgeiz des Landes, sich zu einer global wettbewerbsfähigen und technologisch fortschrittlichen Industrienation weiterzuentwickeln.
Lee Jung-nam, Professor und Direktor des Zentrums für Chinastudien am Asiatischen Forschungsinstitut der Korea-Universität in Seoul, sieht in dem neuen Plan die Entschlossenheit Chinas, auch traditionelle und weniger technologieintensive Industrien durch Modernisierung wettbewerbsfähiger zu machen. Die internationale Gemeinschaft richte ihr Augenmerk insbesondere darauf, ob der Plan mutige Maßnahmen zur Bewältigung innenpolitischer Herausforderungen sowie Strategien für ein konsumgetriebenes Wachstum enthalte.
Dennis Munene, geschäftsführender Direktor des China-Afrika-Zentrums am Africa Policy Institute in Nairobi, sagte, dass die wichtigen Treffen der chinesischen Entwicklungsagenda neuen Schwung verleihen und das Land zu seinen mittel- und langfristigen Entwicklungszielen führen sollen. „Es wird erwartet, dass die ‚Zwei Tagungen‘ Chinas 15. Fünfjahresplan billigen werden, der hochwertiges Wachstum, technologische Unabhängigkeit und wirtschaftliche Sicherheit in den Vordergrund stellt. Das Ziel ist es, das Land von einer raschen Expansion zu einer nachhaltigeren, hochwertigeren Entwicklung zu führen“, sagte er.
Diese Neuausrichtung eröffnet laut Lawrence Loh, Professor an der Business School der National University of Singapore, auch neue Möglichkeiten für internationale Investoren. Insbesondere die Stärkung des heimischen Marktes wird als einflussreich für die Weltwirtschaft eingestuft. Ein wachsender chinesischer Binnenmarkt könnte zu einem Motor für die Weltnachfrage werden. Peter T. C. Chang, ehemaliger stellvertretender Direktor des Instituts für Chinastudien der Universität Malaya, hebt hervor, dass der Plan nicht nur eine Stärkung des Konsums vorsieht, sondern auch eine weitere Öffnung von Schlüsselbranchen für ausländische Beteiligungen.
Für Exporteure aus Südostasien und dem globalen Süden könnte eine stabilere, konsumorientierte chinesische Wirtschaft stärkere Handelsmöglichkeiten und ein resilienteres globales Wachstum bedeuten. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen in den ASEAN-Staaten könnten seiner Meinung nach durch eine vertiefte Zusammenarbeit in den Bereichen grenzüberschreitender E-Commerce, KI-Anwendungen und Dateninfrastruktur effektiver in regionale digitale Ökosysteme integriert werden.
Karori Singh, ehemaliger Direktor des South Asia Studies Centre an der Universität von Rajasthan in Indien, sagte, die beiden Sitzungen könnten angesichts der Position des Landes als wichtiger Akteur in der globalen Entwicklung und Governance Signale für eine Stärkung der Rolle Chinas bei der Stabilisierung und Neugestaltung einer fragmentierten Welt senden.












