Gelungener Neustart
Merz‘ China-Besuch leitet neues Verständnis ein Exklusiv
Von Oliver Eschke
Nach fast einem Jahr im Amt kam Bundeskanzler Merz diese Woche nach China, um mit der Staatsführung die zukünftige Zusammenarbeit zu besprechen. Die beiden Tage in Beijing und Hangzhou stimmen optimistisch. Offenkundig besteht die Erkenntnis, dass Deutschland China braucht, um eine erfolgreiche Zukunft für sich selbst, für China und für die gesamte Welt zu gestalten.

Bundeskanzler Friedrich Merz trifft in der chinesischen Hauptstadt Beijing ein. (Foto vom 25. Februar 2026, Xinhua/Dai Tianfang)
Friedrich Merz (CDU) ist seit Mai 2025 deutscher Bundeskanzler. Aufgrund der aktuell chaotischen geopolitischen Lage, in der sich Krise an Krise reiht, hat sein Antrittsbesuch beim größten Handelspartner der Bundesrepublik auf sich warten lassen.
In dieser Woche aber, just als sich in China die Ferien zum Beginn des neuen Jahres des Pferdes dem Ende zuneigten, traf Merz in Beijing ein, um mit dem neuen Tierkreiszeichen auch eine neue Phase der deutsch-chinesischen Zusammenarbeit einzuläuten. Besonders auffallend war, dass sich der Kanzler mit keiner Silbe die unter der Ampel-Regierung geprägte Betitelung der „Rivalität“ zu eigen machte. Stattdessen verwies er an den beiden Tagen auf die strategische Partnerschaft und die Notwendigkeit, dass China und Deutschland zusammenarbeiten.
Der Kanzler reiste nicht alleine an, „im Gepäck“ hatte er eine 30-köpfige Wirtschaftsdelegation, unter anderem die Führung von BMW, VW oder Siemens. Angesprochen auf die Beziehungen zu China versicherte er: „Ich lege großen Wert darauf, diese zu erhalten und auch zu vertiefen.“ Damit erkennt er die bestehenden Realitäten an. Mit einer kurzen Pause ist China mittlerweile seit fast einer Dekade Deutschlands größter Handelspartner. Konzerne wie VW verfolgen unlängst eine Strategie „In China, für die Welt“, um nicht nur vom riesigen Konsumentenmarkt, sondern auch von dem mittlerweile weltweit führenden Innovationspotenzial in China zu profitieren. Trotz erstarkter Konkurrenz wird der Großteil der Profite von VW, BMW und Co. in China erwirtschaftet. Der ehemalige Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) war in seiner Bewertung der Kanzlervisite daher auch eindeutig: „Der Kanzler erkennt damit Chinas essentielle Rolle für Deutschlands Wohlstand und Arbeitsmarkt an, aber er bestätigt auch Chinas großes Interesse an guten und stabilen Wirtschaftsbeziehungen mit Deutschland und Europa.“
Der Besuch von Merz und seine dabei getätigten Aussagen deuten darauf hin, dass die Große Koalition das Kapitel der „wertegeleiteten“ Außenpolitik zuschlägt. Der Bundeskanzler kehrt zu einem realpolitischen Kurs zurück, bei dem Differenzen in den wirtschaftspolitischen, politischen oder gesellschaftlichen Systemen nicht als Hürde für die Kooperation betrachtet werden. Stattdessen heißt es bei ihm: „Wir sind zwei der drei größten Industrienationen der Welt. Das ist eine große Verantwortung, aber es ist auch eine große Chance.“
Das, was hier so selbstverständlich klingt, war es lange Zeit offenbar nicht. In den Gesprächen mit Staatspräsident Xi Jinping und Ministerpräsident Li Qiang kam Merz wiederholt auf die „große Chance“ der deutsch-chinesischen Zusammenarbeit zu sprechen. Im Vorfeld seiner Reise hatte er sich umfassenden und vielseitigen Briefings unterzogen – diese scheinen gefruchtet zu haben. Nicht nur die politischen Gespräche, sondern auch die Unternehmensbesuche haben ihm vor Augen geführt, wie wichtig China als Partner ist, um die entscheidenden Technologien zu beherrschen und damit die nahende Zukunft erfolgreich zu gestalten.
Am Ende des Besuchs sind es auch die humanoiden Roboter in Hangzhou, die ihm vor Augen geführt haben könnten, wie wichtig es ist, die menschlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern aufrechtzuerhalten. Nach ihrem triumphalen Auftritt bei der Frühlingsfestgala durften die Unitree-Roboter auch den Bundeskanzler mit ihren „Kampfkünsten“ ins Staunen versetzen. Vielleicht war die Vorahnung dieses zukunftstechnologischen Schauspiels Grund dafür, dass Merz einen Tag zuvor in der Verbotenen Stadt in Beijing mit Schillers Worten geschrieben hatte: „Zögernd kommt die Zukunft hergezogen.“
Seine Reise in China und die Gespräche mit der chinesischen Führung lassen darauf hoffen, dass an diesen Worten etwas dran sein könnte. Dem Kanzler, und damit hoffentlich der gesamten Bundesregierung, scheint klar geworden zu sein, dass wir im Jahr des Pferdes gemeinsam in dieselbe Richtung reiten sollten. Es ist nur dieser eine Weg, der zum Erfolg führt!
Der Autor ist langjähriger Ostasienexperte, war lange Jahre für internationale und chinesische Organisationen tätig und arbeitet nun als freier Journalist in China.
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