Zusammenarbeit
China als idealer Partner für Deutschland betrachtet
Der Antrittsbesuch von Bundeskanzler Friedrich Merz mit einer mehr als 30-köpfigen Delegation in der letzten Woche hat in wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Kreisen viele Diskussionen ausgelöst.
Der Umfang der großen Delegation hätte deutlich gezeigt, „dass die deutsche Wirtschaft große Erwartungen an die Zusammenarbeit mit China hat“, sagte Michael Borchmann, ehemaliger Leiter der Abteilung für internationale Angelegenheiten des Hessischen Ministeriums der Bundes- und Europaangelegenheiten. „In der heutigen unruhigen Welt ist China ein idealer Partner für Deutschland. Die Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern wird sich wahrscheinlich noch weiter vertiefen, denn wir brauchen einander.“
Die Vereinbarungen, die beide Seiten erzielt haben, wie etwa die gemeinsame Erklärung zur Fortsetzung eines bilateralen Dialogs über grüne Transformation und Klimawandel, haben große Aufmerksamkeit erregt.
„In einer Zeit zunehmender Handelsspannungen bleiben Klimawandel und Energiewende zentrale Säulen der deutsch-chinesischen Beziehungen, wie Merz‘ erster offizieller Besuch in Beijing zeigte“, sagte Belinda Schape, eine in Deutschland geborene China-Analystin bei der im finnischen Helsinki ansässigen Denkfabrik Centre for Research on Energy and Clean Air.
„China und Deutschland haben ihr Engagement für eine dauerhafte Klimazusammenarbeit bekräftigt, indem sie sich darauf geeinigt haben, den bilateralen ‚Dialog über Klimawandel und grüne Transformation‘ fortzusetzen“, so Schape weiter. „Beide Führungsspitzen waren sich einig, dass Wettbewerb und Kooperation konstruktiv gestaltet werden müssen, um die widerstandsfähige Lieferketten und ein kontinuierliches Engagement in Zukunftstechnologien zu unterstützen. Es ist nicht leicht, aber dieser hochrangige Austausch kann den Weg für die Suche nach konstruktiven Lösungen in der Zukunft ebnen.“
Volker Friedrich, Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzender der Unternehmensberatung GBP International in Berlin, sagte: „Merz' Besuch in China hat gezeigt, dass China für die deutsche Industrie systemisch relevant bleibt – als Markt, als Produktionsstandort und als Innovationspartner. Eine vollständige Entkopplung ist weder wirtschaftlich realistisch noch strategisch klug.
„Jahrzehntelang hat Deutschland enorm von den umfangreichen Exporten nach China profitiert. Es gab wenige Beschwerden, als die Handelsbilanz zu unseren Gunsten ausfiel. Jetzt, da chinesische Unternehmen global und in Europa wettbewerbsfähig werden, hat sich der Ton geändert. Wettbewerb ist nicht allein deshalb unfair, weil er stärker geworden ist“, fügte er hinzu. Gleichzeitig müsse sich dem GBP-Leiter zufolge die Zusammenarbeit weiterentwickeln. „Was Unternehmen heute brauchen, sind fairer Marktzugang, regulatorische Transparenz und gleiche Wettbewerbsbedingungen.“ Insbesondere für die deutschen kleinen und mittleren Unternehmen „ist der Weg nach vorne klar: Wo nötig diversifizieren, Resilienz aufbauen, aber engagiert bleiben“, sagte er.
Am 25. Februar haben Ministerpräsident Li Qiang und Bundeskanzler Merz das Symposium des deutsch-chinesischen beratenden Wirtschaftsausschusses in Beijing geleitet, an dem mehr als 60 Geschäftsführer der beiden Länder teilnahmen. Unter den vertretenen Unternehmen war auch der Hersteller intelligenter Elektrofahrzeuge, NIO. Zhang Hui, stellvertretender Leiter der europäischen Niederlassung, sagte: „Als bilaterales Instrument im Rahmen des Konsultationsmechanismus bietet der Wirtschaftsberatungsausschuss China-Deutschland eine wichtige Plattform für den strukturierten Dialog zwischen politischen Entscheidungsträgern und der Wirtschaft.“ Er äußerte zudem die Hoffnung, dass Unternehmen beider Länder weiterhin bestrebt sein werden, einen konstruktiven Beitrag zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen China und Deutschland zu leisten und durch Offenheit und Innovation eine nachhaltige, qualitativ hochwertige Entwicklung zu ermöglichen.
Simone Harre, eine deutsche Schriftstellerin, die China oft besucht, sagte: „China und Deutschland haben mehr gemeinsam, als die meisten glauben. Und in Zeiten wie diesen muss der gute Wille an erster Stelle stehen. Auf dieser Grundlage können Konflikte entschärft werden.“










