Korrespondentenbericht
Ein Tag zwischen Homeoffice und Luftalarm in Dubai
Während Israel Ziele im Iran angreift, geraten auch die Vereinigten Arabischen Emirate unter Beschuss. Ein chinesischer Auslandskorrespondent berichtet von einem Samstag, der als Routine begann und in einer dramatischen Nacht endete.

Für Cui Haipei, den Leiter des Dubai-Büros der China Daily, sollte es eigentlich ein ganz gewöhnlicher Samstag in der Golfmetropole werden. Wie üblich brachte er seine Tochter zur Wochenendschule, der „Chinese School Dubai“. Während das Kind im Unterricht saß, klappten die Eltern in einem Café ihre Laptops auf – ein über Jahre antrainierter Reflex der ständigen Einsatzbereitschaft. Doch der Schein der Normalität hielt an diesem Morgen nur wenige Augenblicke an.
Gegen Mittag vibrierten die Smartphones des Ehepaars gleichzeitig: Israel verkündete den Beginn sogenannter „Präventivschläge“ gegen den Iran. Sofort schaltete der Journalist in den Krisenmodus, alarmierte die Büros in Beijing und Hongkong und verfasste die ersten Eilmeldungen. „Schlagzeilen warten auf niemanden“, notierte er später in seinem Bericht. Es war ein vertrauter, wenn auch beklemmender Arbeitsablauf. Bereits im vergangenen Juni hatte das Paar eine zwölftägige Eskalation nach US-israelischen Angriffen auf iranische Atomanlagen miterlebt.
Doch dieses Mal rückte der Konflikt näher an die eigene Haustür. Während die ersten Berichte über Explosionen in der Nähe des Büros des iranischen Revolutionsführers Ajatollah Ali Chamenei in Teheran eingingen, galt die Sorge des Korrespondenten auch Yoyo, der Tochter eines Freundes. Sie sollte genau an diesem Vormittag von Dubai zurück nach China fliegen. „Solange der Luftraum nicht gesperrt ist und sie die Arabischen Emirate verlassen haben, sollte sie sicher sein“, versuchte Herr Cui seinen Freund am Telefon zu beruhigen – wohlwissend, wie fragil die Lage war.
Die Situation eskalierte weiter, als die Ehefrau des Journalisten, die ebenfalls Journalistin war, die Nachrichtenlage für ihren Mann verfolgte. Plötzlich schrie sie auf: „Eine Explosion in Abu Dhabi!“ Ein Bekannter hatte ihr diese Nachricht gerade geschickt. Kurz darauf kursierten in der chinesischen Community Berichte über Raketenspuren am Himmel über Dubai sowie über zwei massive Detonationen nahe dem Hafen von Jebel Ali. Die Angst wuchs, als bekannt wurde, dass ein asiatischer Migrant in Abu Dhabi durch herabstürzende Raketentrümmer getötet worden war.
Die Familie entschied sich zur sofortigen Flucht nach Hause. Auf dem Weg erfuhren sie von der teilweisen Schließung des Luftraums. Die Flughäfen Dubai International und Al Maktoum stellten den Betrieb ein. Sogar der Burj Khalifa, das höchste Gebäude der Welt, wurde vorsichtshalber evakuiert. Inmitten dieses Chaos erreichte sie die erlösende Nachricht des Freundes: „Yoyos Flugzeug ist in der Luft! Sie haben bereits den pakistanischen Luftraum erreicht. Sie sind in Sicherheit.“
In Dubai selbst spitzte sich die Lage bis zum Abend zu. Schwarzer Rauch stieg von einem bekannten Hotel auf, das nur fünf Kilometer von der Wohnung des Korrespondenten entfernt liegt – offenbar wurde es von Trümmern einer abgefangenen Rakete oder Drohne getroffen. Lokale Medien sprachen von Verletzten, im Netz kursierten Videos, die Flammen am Hoteleingang zeigten.
Die Anspannung übertrug sich auch auf die siebenjährige Tochter. Den ganzen Tag über hatte sie sich still verhalten, dann lief sie jedoch weinend zu ihren Eltern. „Mama und Papa haben so etwas wie Krieg noch nie zuvor erlebt“, tröstete der Vater das Kind. „Du bist erst sieben und musst dich dem bereits stellen. Du bist tapferer als wir.“
Während die Stadt von Sirenen und fernen Explosionen erschüttert wurde, sicherte die Familie ihr Überleben. Der chinesische Online-Supermarkt Wemart war völlig überlastet, doch spät in der Nacht wurden schließlich sieben Taschen mit Grundnahrungsmitteln geliefert – genug, um eine Woche lang autark zu sein. Das Paar packte zudem Notfallkoffer mit Pässen, Powerbanks und warmer Kleidung für eine mögliche Evakuierung.
Die Bilanz der Nacht war verheerend: Bis 2:30 Uhr morgens meldeten die Behörden der VAE die Abwehr von 132 iranischen Raketen und 195 Drohnen. Um 3 Uhr morgens schrillten die Handys erneut mit einer offiziellen Notfallwarnung: „Alle Bewohner sollen sofort Schutz suchen und sich von Fenstern und Türen fernhalten.“ Während die Warnungen ertönten, waren von draußen weitere Explosionen zu hören.
Daraufhin kündigte das Bildungsministerium der Vereinigten Arabischen Emirate an, dass alle Schulen in der folgenden Woche auf Fernunterricht umstellen würden, um das Risiko zu minimieren.
Während Dubai den Atem anhielt, drangen von der anderen Seite des Golfs noch tragischere Nachrichten herüber. Im Süden des Irans soll ein Raketeneinschlag in einer Schule über 100 Menschen das Leben gekostet haben. „Angesichts dieser Verwüstung im Iran (...) empfinde ich die relative Sicherheit unserer Familie in Dubai als großes Glück“, schrieb der chinesische Journalist. „Ich hoffe aufrichtig, dass dieser Konflikt bald beendet wird und der längst überfällige Frieden im Nahen Osten wiederhergestellt wird.“












