Chinas Weg der Öffnung
Zwischen institutionellen Reformen und globaler Verantwortung
In dieser Woche richtet sich der Blick der Welt auf Beijing, wenn die „Zwei Tagungen“ Chinas eröffnet werden. Experten und Geschäftsleute verweisen im Vorfeld des politischen Ereignisses auf die Öffnung des Landes, deren Bedeutung immer mehr zunimmt.

Im Jahr 2013 verlagerte der senegalesische Geschäftsmann Mouhamadou Bassirou Pouye seine Karriere nach China. Motiviert durch die wirtschaftliche Dynamik und die kulturelle Vielfalt des Landes, wollte er die rasante Entwicklung Chinas nicht nur aus der Ferne beobachten, sondern vor Ort mitgestalten. Heute, zwölf Jahre später, ist Pouye Generalsekretär des „Yiwu China and Africa Business Council“ in der Provinz Zhejiang und fördert in dieser Funktion den Handel und das Unternehmertum zwischen China und Afrika. Für ihn ist die chinesische Öffnungspolitik keine leere Floskel, sondern gelebte Realität, die internationalen Talenten neue Wege geebnet hat.
Mit Blick auf die bevorstehenden „Zwei Tagungen“ in Beijing, die in dieser Woche eröffnet werden, erwartet Pouye, dass wirtschaftliche Stabilität und Wachstum ganz oben auf der Agenda stehen werden. Er hofft auf Maßnahmen zur Stärkung des Binnenkonsums und zur Unterstützung privater Unternehmen. Zudem rechnet er damit, dass China sein Bekenntnis zur globalen Zusammenarbeit erneut bekräftigt.
Die jährlichen „Zwei Tagungen“, bei denen sich der Nationale Volkskongress (NVK), Chinas oberste Legislative, und das Landeskomitee der Politischen Konsultativkonferenz des Chinesischen Volkes (PKKCV), das wichtigste politische Beratungsgremium des Landes, versammeln, gelten als Fenster zu Chinas politischen Prioritäten. Während dieser Tagungen werden wichtige wirtschaftliche Ziele, Reformmaßnahmen und Sozialpolitiken verkündet, diskutiert und beschlossen. Das macht sie zu einem entscheidenden Barometer für den Entwicklungsweg des Landes. In einer Zeit, in der der Welthandel von Fragmentierung, zunehmendem Protektionismus und geopolitischen Spannungen geprägt ist, besitzen die politischen Signale aus Beijing ein besonderes Gewicht.
Über die Jahre hinweg hat Chinas Staatspräsident Xi Jinping die jährlichen Zusammenkünfte genutzt, um die Richtung von Chinas Agenda für Reformen und Öffnung vorzugeben – von der Ausweitung des Marktzugangs bis hin zur Stärkung institutioneller Reformen und innovationsgetriebenem Wachstum. 2015 forderte er bei Beratungen mit Abgeordneten eine proaktivere Öffnungsstrategie sowie den Aufbau eines dynamischen, offenen Wirtschaftssystems. 2017 bezeichnete der Staatspräsident die Entwicklung von Pilot-Freihandelszonen als strategischen Schritt und bekräftigte, Chinas Tür werde niemals geschlossen. Zwei Jahre später betonte er die Notwendigkeit, Impulse aus Reform und Öffnung zu ziehen, um angesichts „tiefgreifender Veränderungen, wie man sie seit einem Jahrhundert nicht gesehen hat“, die innovative Kraft der Gesellschaft zu entfalten. Im Jahr 2024 sicherte der Staatschef zu, ein erstklassiges, marktorientiertes und rechtsbasiertes Geschäftsumfeld zu fördern.
Institutionelle Reformen im Fokus
Analysten stellen fest, dass sich die „Öffnung“ im chinesischen Kontext im Laufe der Zeit gewandelt hat. Heute geht es nicht mehr nur um Zollsenkungen, sondern vielmehr um institutionelle Reformen, die regulatorische Transparenz und langfristige Planbarkeit schaffen sollen.
Zhou Mi, leitender Forscher an der Chinesischen Akademie für internationalen Handel und wirtschaftliche Zusammenarbeit, erklärte, dass China von einer passiven Anpassung zu einer proaktiven Planung übergegangen sei. Er erwartet, dass China auch zukünftig einen resilienten Rahmen für technologische Veränderungen, insbesondere im Bereich der künstlichen Intelligenz, schaffen wird, um eine hochwertige Entwicklung zu unterstützen.
Dun Zhigang, Wissenschaftler am Chongyang-Institut der Renmin-Universität, wies darauf hin, dass China in diesem Jahr zum dritten Mal Gastgeber des Wirtschaftsgipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (APEC) ist. Dies sei ein weiterer Beweis für das anhaltende Engagement des Landes für die regionale wirtschaftliche Integration. Zudem habe der Veranstaltungsort Shenzhen, die „Vorreiterstadt der Reform und Öffnung“, eine besondere symbolische Bedeutung.
Jack Perry, der Vorsitzende der in London ansässigen Wirtschaftsvereinigung 48 Group, sieht in den verschiedenen Regionen Chinas unterschiedliche Stadien der Reform und Öffnung.
„Shanghai steht für Reform, Offenheit und die Verbindung zur Welt. Es ist ein natürlicher Treffpunkt zwischen China und internationalen Ideen, Unternehmen sowie Kapital.“ Die Provinz Guangdong sei ein Schauplatz, an dem Chinas moderne Transformation im Jahr 1978 begann. Heute ist die Provinz weiterhin führend in den Bereichen Fertigung und Innovation. Perry zufolge hat sich Shenzhen unter anderem zu einem eigenständigen globalen Technologiezentrum entwickelt.
„Es gab eine Zeit, in der Chinas Wachstum in erster Linie für China selbst von Bedeutung war. Das ist heute nicht mehr der Fall. Wenn China heute stark ist, ist auch die Weltwirtschaft stärker“, sagte Perry.










