Entwicklung neuer Produktivkräfte
China will Wachstum durch Stärkung der Binnennachfrage neu ausrichten
China will in den kommenden fünf Jahren die Binnennachfrage priorisieren, um wirtschaftliche Ungleichgewichte zu korrigieren und widerstandsfähiges Wachstum trotz externer Unsicherheiten zu gewährleisten. Dies erklärten Vertreter aus Politik und Wirtschaft im Vorfeld der Jahrestagungen des Nationalen Volkskongresses (NVK) und der Politischen Konsultativkonferenz des chinesischen Volkes (PKKCV), die auch „Zwei Tagungen“ genannt werden.
Da der Nationale Volkskongress über den Entwicklungsrahmen für den 15. Fünfjahresplan (2026–2030) beraten wird, dürften laut Experten verstärkte makroökonomische Impulse zur Stützung der Binnennachfrage sowie mutige Schritte zur Stärkung der sozialen Sicherung und zur Erhöhung der Einkommen ländlicher Bevölkerung hoch auf der Agenda stehen.
Sun Xuegong von der Chinesischen Akademie für Makroökonomieforschung erklärte, China durchlaufe eine Phase der Modernisierung seiner industriellen Basis und seiner Nachfragemuster. Dieser Wandel bringe zwangsläufig Herausforderungen mit sich, etwa eine im Verhältnis zum Angebot schwache Nachfrage bei reifenden Industriekapazitäten.
„Genau diese strukturellen Probleme muss der 15. Fünfjahresplan entschiedener angehen. Insgesamt bewegt sich China auf ein Entwicklungsmodell zu, in dem Binnennachfrage und Binnenkreislauf zunehmend selbsttragend und robust werden“, fügte er hinzu.
Wang Changlin, stellvertretender Leiter der Staatlichen Kommission für Entwicklung und Reform (NDRC), forderte kürzlich die Förderung eines „Entwicklungsmodells, das stärker von der Binnennachfrage bestimmt, vom Konsum angeregt und durch endogenes Wachstum gekennzeichnet ist.“ Der Fokus der makroökonomischen Politik liege auf der „umfassenden Ausweitung der Binnennachfrage“, bei gleichzeitiger Förderung von Innovation und Unternehmertum zur Entwicklung neuer Produktivkräfte.
Seit Ende 2024 hat China verstärkt auf die Ankurbelung der Binnennachfrage gesetzt, was die Erwartungen an den Aktien- und Devisenmärkten beflügelte. Die realwirtschaftlichen Indikatoren wie Inflation, Einzelhandelsumsätze und Anlageinvestitionen blieben jedoch verhalten.
Mit Blick auf die nächsten fünf Jahre empfiehlt Marshall Mills vom Internationalen Währungsfonds (IWF) in China ambitioniertere Reformen zur entschiedenen Ankurbelung des Konsums, etwa die Verdopplung der Renten im ländlichen Raum und die Gewährung voller städtischer Aufenthaltsrechte für mehr als 200 Millionen Wanderarbeiter.
Laut IWF-Bericht zur jährlichen Bewertung der chinesischen Wirtschaft erreichte der Anteil des privaten Konsums am Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vergangenen Jahr schätzungsweise 40,1 Prozent. In den OECD-Volkswirtschaften liegt der Median dagegen weit über 50 Prozent, was erheblichen Spielraum für eine Steigerung signalisiert.
Sun betonte die Verbesserung des Sozialversicherungssystems als zentralen politischen Hebel zur Stärkung des privaten Konsums. „China verfügt über erhebliches Staatsvermögen. Wie sich diese bestehenden Vermögenswerte besser mit der Verbesserung der Lebensbedingungen und der sozialen Sicherung verknüpfen lassen, ist ein wichtiges Forschungsthema und eine vielversprechende Politikrichtung.“
Für die nahe Zukunft erklärte PKKCV-Mitglied Zhang Bin, dass die verstärkte antizyklische Steuerung das wirksamste Mittel gegen unzureichende Nachfrage bleibe, und schlug „mutigere“ geldpolitische Maßnahmen vor. Weitere Leitzinssenkungen würden die Finanzierungskosten des Privatsektors senken, die Kapitalrendite erhöhen, die Vermögensbewertung steigern und zur Bilanzsanierung von Unternehmen und Haushalten beitragen, so Zhang.
Yin Zheng, Executive Vice President für China und Ostasien beim französischen Industriekonzern Schneider Electric, bezeichnete China als „Hauptmotor des globalen Wachstums mit einem riesigen Markt, einem vollständigen Industriesystem und starker Innovationsdynamik.“ Diese günstigen Bedingungen schüfen branchenübergreifend breitere Entwicklungsspielräume.












