Elite-Universitäten und globale Finanzverbindungen
Hongkong soll zum Anker für Chinas technologischen Aufbruch werden
Im Rahmen des 15. Fünfjahresplans soll Hongkong eine große Rolle bei Chinas technologischer Autarkie spielen. Mit der Unterstützung aus Beijing und eigenen Anstrengungen soll die Metropole ein Magnet für internationale Talente werden.

Während der diesjährigen „Zwei Tagungen“ in Beijing zeichnet sich eine neue strategische Rolle für Hongkong ab. Hochrangige Beamte und Delegierte fordern, die Metropole als zentrale Speerspitze für Chinas Streben nach technologischer Selbstständigkeit zu positionieren. Im Rahmen des kommenden 15. Fünfjahresplans (2026–2030) soll die Stadt ihre akademische Exzellenz und ihre Funktion als globaler Finanzknotenpunkt nutzen, um die nationalen Innovationsziele zu erreichen.
Lou Qinjian, Sprecher der vierten Tagung des 14. Nationalen Volkskongresses (NVK), betonte am Mittwoch auf einer Pressekonferenz die explizite Unterstützung der Zentralregierung für dieses Vorhaben. Ziel sei es, Hongkong und Macao in „globale Hotspots für Spitzenkräfte“ zu verwandeln. Lou zeigte sich zuversichtlich, dass die Sonderverwaltungszone durch die Verknüpfung ihrer „besonderen Vorteile“ – insbesondere der Verbindung zu den internationalen Märkten bei gleichzeitiger Rückendeckung durch das Festland – neue Höhen erreichen werde.
Akademische Brücken und Unternehmertum
Die politische Flankierung erfolgt während eines entscheidenden Zeitraums: Am Mittwoch begann die Jahrestagung des Landeskomitees der Politischen Konsultativkonferenz des Chinesischen Volkes (PKKCV), gefolgt von der Eröffnung des NVK am Donnerstag.
Andrew Yao Cho-fai, NVK-Abgeordneter und Ratsvorsitzender der in Hongkong ansässigen Lingnan University, schlug vor, den exzellenten akademischen Ruf Hongkongs gezielt zu nutzen, um die wissenschaftlich-technologische Agenda des 15. Fünfjahresplans voranzutreiben. Die Stadt beherbergt derzeit über fünf der weltweit 100 besten Universitäten und hat bereits verschiedene Programme zur Anwerbung globaler Talente etabliert. Yao regte an, dass führende Universitäten und Forschungsinstitute des Festlands Zweigstellen in Hongkong eröffnen sollten, um die internationale Zusammenarbeit zu intensivieren. Zudem müssten Universitäten verstärkt Risikokapitalfonds bereitstellen und Partnerschaften mit Unternehmen schließen, um Studierenden den Übergang von der Forschung zur Arbeit zu erleichtern. „Dies hilft dabei, Forschung in industrielles Wachstum, Arbeitsplätze und Bruttoinlandsprodukt zu verwandeln“, so Yao.
KI-Entwicklung und private Raumfahrt
Ein weiterer Fokus liegt auf der technologischen Infrastruktur. Johnny Ng Kit-chong, Mitglied des Landeskomitees der PKKCV und Tech-Unternehmer, hob hervor, dass das Prinzip „Ein Land, zwei Systeme“ einen nahtlosen Fluss von Kapital und Informationen ermögliche. Diese Faktoren seien essenziell für die Entwicklung Künstlicher Intelligenz (KI), die eine Priorität im neuen Fünfjahresplan darstellt. Hongkong genieße durch den Zugang zu globalen Daten und internationalem Kapital einen deutlichen Vorteil gegenüber Anwendungen aus dem Festland, insbesondere in Feldern wie der Quantentechnologie.
Darüber hinaus schlug Ng vor, Hongkong als Pilotzone für private Raumfahrtinitiativen zu etablieren. Während staatseigene Unternehmen den Sektor auf dem Festland dominieren, könnten Hongkongs internationale Netzwerke die Koordination mit globalen Partnern erheblich erleichtern.
Synergien in der Greater Bay Area
William Wong Kam-fai, ebenfalls PKKCV-Mitglied und Professor an der Chinese University of Hong Kong, setzt auf einen sogenannten „Vollketten-Mechanismus“ innerhalb der Guangdong-Hongkong-Macao Greater Bay Area. Das Konzept sieht vor, Hongkongs Stärken in der Grundlagenforschung und seine globalen Netzwerke mit den industriellen Fertigungskapazitäten von Shenzhen zu kombinieren. Auf diese Weise soll die Entwicklung in zukunftsträchtigen Sektoren wie der Meeresforschung und -technik massiv beschleunigt werden.












