Filmemacher Pat Wind: „Viele Menschen unterschätzen das Potenzial Asiens“
Pat Wind hat eine spannende Biographie. Auf der einen Seite arbeitet er erfolgreich als deutscher Filmproduzent, auf der anderen Seite setzt er sich für die mentale Gesundheit, aber auch für Völkerverständigung und Wirtschaftsdiplomatie ein. Das Verhältnis von Deutschland und China liegt ihm dabei besonders am Herzen. Das Potenzial hier sei enorm.
Sie bewegen sich sowohl im Entertainment- als auch im Wirtschafts- und Politikbereich. Wie bringen Sie diese Welten zusammen?
Ich bin überzeugt, dass nachhaltige Lösungen nur entstehen, wenn man miteinander spricht und gemeinsame Perspektiven entwickelt. Ob Europa, Amerika oder Asien – wir können voneinander profitieren. Völkerverständigung ist für mich ein zentrales Anliegen, ebenso wie die Aufgabe, europäische Unternehmen und europäische Werte global sichtbar zu machen. Deutschland genießt weltweit einen hervorragenden Ruf als Wirtschafts- und Innovationsstandort. Gleichzeitig zeigen Städte wie Shenzhen, mit welcher Dynamik sich wirtschaftliche Zentren entwickeln können. Auch daraus kann Europa wertvolle Impulse ziehen.
Seit 2015 bin ich über das von meiner Tante und mir gegründete Burnout-Netzwerk auch im Europäischen Wirtschaftssenat. Dieses Gremium versteht sich als Stimme der Wirtschaft auf europäischer und internationaler Ebene. Parallel dazu war ich schon immer ausgesprochen netzwerkorientiert. Der Austausch mit Menschen unterschiedlicher Kulturen und Hintergründe ist für mich essenziell.
Sie haben China bereits angesprochen. Wie beurteilen Sie das aktuelle Verhältnis zwischen Deutschland und China?
Ich habe den Eindruck, dass vielen Menschen das wirtschaftliche und kulturelle Potenzial Asiens noch nicht in vollem Umfang bewusst ist. Gerade China ist heute ein zentraler Partner für Europa. Auf beiden Seiten gibt es starke Wertefundamente und enorme Innovationskraft. Wenn Europa langfristig wirtschaftlich handlungsfähig bleiben möchte, müssen wir globale Partnerschaften strategisch weiterentwickeln und auch als Chance begreifen – anstatt nur als Konkurrenzverhältnis.
Was bedeutet das konkret?
Vor allem mehr Dialog und Offenheit. Wir sollten uns intensiver austauschen und den asiatischen Märkten größere Aufmerksamkeit und mehr Interesse schenken. Wenn wir uns ausschließlich auf unsere bisherigen Erfolge verlassen, riskieren wir, an Dynamik zu verlieren. Strategische Allianzen, kulturelles Interesse und wirtschaftliche Kooperation sind entscheidend. Wer nicht international denkt, verzichtet bereits heute auf Wachstumspotenzial.
Wo sehen Sie die besonderen Stärken Europas im Verhältnis zu China?
Europa verfügt über außergewöhnliche Industriekompetenz, Innovationskraft und kulturelle Tiefe. Deutsche und europäische Konzerne prägen zweifellos globale Märkte. Gleichzeitig beeindruckt mich in China die Geschwindigkeit, mit der Entwicklungen umgesetzt werden, ebenso wie der Respekt vor Traditionen. Städte wie Shenzhen zeigen, was möglich ist, wenn politische und wirtschaftliche Prozesse effizient ineinandergreifen. In Europa haben wir uns in den vergangenen Jahren häufig durch Bürokratie selbst gebremst. Hier braucht es mutige Reformen, um internationale Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
Viele sagen, China sei in puncto Geschwindigkeit kaum noch einzuholen. Teilen Sie diese Einschätzung?
Europa verfügt über ein außerordentlich solides Fundament. Wissenschaftliche Leistungsfähigkeit, wirtschaftliche Stabilität und hohe Innovationskraft zählen zu den zentralen Stärken des Kontinents. Vor diesem Hintergrund kommt es nun darauf an, Entscheidungsprozesse effizienter zu gestalten und verlässliche, zukunftsorientierte Rahmenbedingungen zu schaffen, die den Bedürfnissen von Wirtschaft und Gesellschaft entsprechen. Werden diese Voraussetzungen erfüllt, kann Europa seine strategische Handlungsfähigkeit nachhaltig stärken und seine internationale Wettbewerbsposition weiter ausbauen.
Welche persönlichen Erfahrungen verbinden Sie mit China?
Ich durfte auf Einladung des Honorarkonsuls von Panama, Herrn Michael Häckel, eine Delegationsreise von politischen und wirtschaftlichen Vertretern der Stadt Shenzhen in München begleiten und habe dort äußerst inspirierende Menschen kennengelernt. Die Intensität im Beziehungsaufbau, der gegenseitige Respekt und das Werteverständnis in geschäftlichen Partnerschaften haben mich sehr beeindruckt. Ich kenne zahlreiche Unternehmer, die in China tätig sind, ebenso wie einen Klinikbetreiber, der in Deutschland Einrichtungen für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) führt. Gerade im Gesundheitssektor sehe ich enormes Potenzial für Kooperationen.
Kommen wir zu Ihrem persönlichen Werdegang. Sie sind Filmproduzent, engagieren sich aber auch stark im Burnout-Netzwerk. Wie ordnen Sie das ein?
In meinen Filmen beschäftige ich mich häufig mit Sinnsuche, kultureller Identität und klassischen europäischen Heldenreisen. Im Burnout-Netzwerk verfolgen wir ein ähnliches Ziel: Menschen dabei zu unterstützen, erfüllende berufliche Wege zu finden, ohne gesundheitlich auszubrennen. Seit unserer Gründung im Jahr 2015, zusammen mit meiner Tante Ulrike Ditz, vermitteln wir Ansprechpartner im Bereich mentale Gesundheit – darunter Ärzte, Psychologen, Kliniken, Heilpraktiker sowie spezialisierte Hotels und Kurorte. Im Kern basiert all diese Arbeit auf einem Prinzip: dem Aufbau belastbarer Netzwerke. Filme entstehen durch vertrauensvolle wirtschaftliche Partnerschaften. Das Burnout-Netzwerk lebt von Kooperationen zwischen Gesundheitsdienstleistern, Politik und Wirtschaft. Unser Engagement im Europäischen Wirtschaftssenat und meine Nominierung als Special Advisor für europäische und internationale Wirtschaftsbeziehungen bei der Interconsular Council for Diplomatic Affairs (ICCDA) folgen genau dieser Logik: Werte bewahren, Dialog fördern und Brücken bauen.
Aktuell produzieren Sie ein großes internationales Filmprojekt. Erzählen Sie uns mehr darüber.
Derzeit arbeite ich an dem Film Parsifal, inspiriert von Richard Wagners Oper, mit Franco Nero in einer der Hauptrollen. Das Projekt versteht sich als europäische Kulturproduktion mit internationaler Ausstrahlung. Unser Ziel ist es, das europäische Erbe der Kunst, Musik und Kultur sichtbar zu machen und zugleich Generationen miteinander ins Gespräch zu bringen. Gerade junge Menschen konsumieren Filme in einer Intensität wie nie zuvor, unterschätzen aber manchmal, wie wichtig es ist, kulturelle Werte aktiv zu bewahren. Hierauf fokussiert sich unser Film. Wenn wir auf die Generation unserer Großeltern blicken, sehen wir, mit welchem Einsatz sie nach schweren Zeiten wieder Wohlstand aufgebaut haben – das ist ein Vermächtnis, bezüglich dessen gerade die junge Generation künftig die Verantwortung trägt, Werte für nachfolgende Generationen zu erhalten.
Könnten Sie sich vorstellen, eines Tages ein gemeinsames Filmprojekt mit China zu realisieren?
Absolut! Das wäre ein großer Wunsch von mir. Filme sind so viel mehr als Unterhaltung. Im besten Fall bewahren sie Werte und verbinden Menschen über kulturelle Grenzen hinweg. Wenn es gelänge, in einem gemeinsamen Projekt europäische und chinesische Perspektiven zusammenzuführen und gegenseitigen Respekt sichtbar zu machen, wäre das eine wunderbare Form von kultureller Diplomatie. Gut erzählte Geschichten erreichen Millionen – und genau darin liegt ihre Kraft.











