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Künstlerin Ulrike Bolenz: Inspiriert von chinesischer Leichtigkeit und Kalligrafie

China Heute  |  
11.03.2026

Ulrike Bolenz ist eine international anerkannte Künstlerin, ihr Atelier liegt in Vilvoorde bei Brüssel. In ihrer Arbeit verschmilzt sie klassische Malerei mit Foto- und Videografie, mit Installationen auf unterschiedlichen, zumeist transparenten Materialien. Seit einiger Zeit kommt in ihrem Schaffensprozess auch vermehrt künstliche Intelligenz (KI) zum Einsatz. In ihrem neuen Werkzyklus setzt sich die deutsch-belgische Künstlerin intensiv mit der chinesischen Philosophie auseinander.

Was verbindet Sie mit China?

Wir leben in einer Zeit, in der unsere Welt immer kleiner wird. Und auch die kulturellen Grenzen werden zum Glück teils sehr viel durchlässiger. Aus China heraus kommen sehr große Einflüsse, besonders aus der Philosophie, die mich sehr beeindruckt. Wenn man etwa an den Taoismus denkt, bei dem es um Leben in Harmonie und um innerlichen Frieden geht, sehen wir ganz andere Definitionen als bei uns. In unserem Kulturkreis versteht man unter Glück, himmelhoch zu jauchzen, sich auf einer rosa Wolke zu sehen. Ganz anders im Taoismus. Da geht es um Gesamtheit und Harmonie. In meiner Arbeit „Floating“ geht es genau um diese Schwerelosigkeit, wie im Traum. Ich träume manchmal vom Fliegen – etwas ganz Tolles. Wenn bei mir überhaupt nichts mehr geht, wenn ich in Schwierigkeiten bin, dann fange ich auf einmal im Schlaf an, zu fliegen, so richtig mit Körperanstrengung. Das bringt ein unglaublich tiefes Glücksgefühl. In meiner Arbeit habe ich versucht, dieses Gefühl, also dieses Fliegen, diese Leichtigkeit zu erfassen. Diese Leichtigkeit sehe ich sehr häufig auch in der chinesischen Kultur, besonders im Tanz, aber auch in den Bildern. In China herrscht eine andere Harmonieauffassung und die finde ich besonders schön. Von daher stelle ich eine Frau im Tanz dar. Auch die tänzerischen Bewegungen sind in chinesischen Kunstdarstellungen entsprechend anders - sehr harmonisch und immer aus der Mitte kommend.

Für die Frau in Ihrem Kunstwerk stand ja auch eine Chinesin Modell, richtig?

Genau. Das gleiche Modell, das ich auch schon für „Fünf Kontinente, fünf Lachende“ verwendet habe. Darin lacht auch eine ostasiatische Frau. Jetzt arbeite ich schon seit ungefähr zwei Jahren auch mit KI. Ich habe mit dem Modell weitergearbeitet, mit den alten Videoaufzeichnungen, von denen ich Ausschnitte nehme, die ich dann mit der KI weiterentwickele. Es handelt sich also um ein mit moderner Technik angepasstes Modell, das mit der realen Person nichts mehr zu tun hat. Ich habe Material im Archiv, das etwa 30 Jahre umfasst, mit Modellen, immer wieder in bestimmten archetypischen Haltungen. Durch die KI kann ich das jetzt weiterlaufen lassen und weiterentwickeln. Es ist ganz nah an der Person dran, aber dennoch künstlich – und eben künstlerisch.

Das heißt, die Grenzen werden fließend?

Ja, auf jeden Fall. Genau wie in dem Bild werden die Grenzen überall fließend. Wenn man nach China geht und die Robotik sieht – dagegen sind wir noch echte Waisenknaben.

Haben Sie denn auch persönliche Erfahrungen mit China?

Nein, die habe ich eigentlich nicht. Außer, dass ich ein paar chinesische Freunde und Bekannte habe, Künstler eben. Durch sie habe ich deren Lebenshaltung und Lebensenergie kennengelernt. Und Kalligrafie kenne ich aus meinem Kunststudium in Kassel, wo ich freie Malerei studiert habe. Da haben mich bereits dieser besonders hohe Anspruch an die Ästhetik und die Leichtigkeit fasziniert. Deshalb habe ich meine Arbeit auch „Floating“ genannt und betone darin die Leichtigkeit durch dieses schwebende rote Gewand, aber auch durch die Bänder, die im Raum schweben. Das hat für mich etwas sehr Kalligrafisches. Ich habe an dem Thema länger gearbeitet, bevor ich letztlich diese großen Installationen anging.

Ihre Arbeiten sind unverwechselbar. Was ist Ihr künstlerischer Ansatz, was treibt Sie als Künstlerin an?

Ich denke, das ist wie bei jedem anderen Künstler auch – die Themen bleiben immer dieselben. Es geht um Liebe, Tod, den ewigen Menschen, Kriege, das Schöne, tiefe Freude. Es geht um alles, was uns philosophisch und psychologisch interessiert. Die Themen der Kunst sind letztlich immer dieselben geblieben über die Jahrhunderte, nur, dass man sie in jeder Zeit anders anpackt. Heute haben wir ganz andere technologische Möglichkeiten. Seit ich mit KI arbeite, komme ich automatisch zu ganz anderen Ergebnissen. Alles fließt in die Kunst ein. Das ist es, was Gegenwartskunst letztlich ausmacht.

Sie arbeiten sehr viel mit Malerei, aber auch Fotografie und Acrylmalerei, schaffen auf diesem Wege sehr übergreifende Installationen und Bildeindrücke. Wie gelingt Ihnen das?

Ich habe mich seit dem Jahr 2000, oder sogar schon etwas davor, sehr bemüht, einen Bild- oder Raumeindruck zu schaffen, der unserer neuen Sichtweise entspricht. Wir gucken fast den ganzen Tag auf Computerbildschirme. Da entstehen Bilder, keine dreidimensionalen Skulpturen, sondern nur simulierte Skulpturen. Ab 2000 hatten viele Künstler den Traum, den Raum zu biegen, eine Holografie zu schaffen oder etwas mit Liquid Crystals in den Raum zu malen. Ich habe versucht, das aufzugreifen, was der Computer mit uns macht. Wir schaffen keine echte Räumlichkeit, sondern simulieren sie. Wir setzen Layer übereinander und schaffen so einen Raum, der nur vor unseren Augen entsteht. Letztlich sind alle Bilder nur in unserem Kopf. Wir haben es fast überall nur noch mit Simulationen zu tun. Und das ist, was mich besonders interessiert.

Sie sind mit Ihrer Arbeit sehr erfolgreich. Was waren bisher die Highlights, wo sind Sie überall zu sehen?

Meine letzte Ausstellung war hier in Brüssel, wo ich eine sehr große Arbeit hatte. Es handelte sich um eine drei mal drei Meter große, sehr expressive Malerei, „Göttin Europa“. Eine weitere, sehr große Ausstellung war im letzten Winter im Münchner Flughafen zu sehen. Meine Friedenssäule, mit lachenden Menschen, die in Frieden leben können, steht fast auf der ganzen Welt. In Museen, in Ländern wie Usbekistan, in Russland im MMOMA, im Sheba Medical Center in Israel oder auch im Foyer des Europaparlaments. Meine Friedenstaube, eine ganz kleine Arbeit, habe ich unter anderem persönlich Papst Franziskus und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron überreicht.

Welche neuen Projekte gibt es, auf die Sie sich besonders freuen?

Als nächstes bin ich auf der Art Karlsruhe 26, in knapp einer Woche. Da sind ebenfalls meine Floating-Arbeiten zu sehen. Wenn ich dann einen Tag zu Hause bin, fahre ich auf die Art & Paper in Amsterdam, wo ich einen Skulpturenplatz habe. Auch dort stelle ich „Floating“ als große Papierinstallation aus.

Die Meinung des Autors spiegelt nicht unbedingt die Postion unserer Website wider.


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Quelle: China Heute

Schlagworte: Künstlerin,Kalligrafie,China