Vom Größenvorsprung zur Innovationskraft – Wie sich Chinas Batterieindustrie neu aufstellt— Beobachtungen der NVK-Abgeordneten Wang Hongmei zum Wandel der Fertigungsindustrie

Als eine Produktionslinie mit der Leistung von „einer Batteriezelle pro Sekunde“ einen neuen Weltrekord aufstellte und sich zugleich die Energiedichte chinesischer Batterien für Fahrzeuge mit neuen Energien (NEV) nahezu verdoppelte, spürte Wang Hongmei, Abgeordnete des Nationalen Volkskongresses (NVK) und Facharbeiterin bei Contemporary Amperex Technology Co., Limited (CATL), neben der Begeisterung auch den wachsenden Druck zur Veränderung. Hinter dem beeindruckenden Produktionsvolumen zeichnet sich bereits die nächste Herausforderung ab: der Übergang von schnellem Wachstum zu mehr Qualität und Nachhaltigkeit.
Technologischer Fortschritt: Vom Aufholen zum internationalen Wettbewerb
Wang Hongmei hat die Entwicklung der chinesischen Batterieindustrie vom technologischen Aufholen bis zum heutigen Wettbewerb auf Augenhöhe mit internationalen Unternehmen aus nächster Nähe miterlebt. In den Anfangsjahren war die technologische Basis schwach und der Abstand zu führenden internationalen Herstellern deutlich.
Shenxing PLUS-Batterie am Stand von CATL auf der zweiten China International Supply Chain Expo in Beijing. (28. November 2024, Xinhua)
Durch kontinuierliche Forschungs- und Entwicklungsarbeit konnten jedoch entscheidende Fortschritte erzielt werden. Die Energiedichte von Batteriezellen hat sich nahezu verdoppelt. In China wurden erstmals Integrationslösungen wie „CTP“ und „CTC“ entwickelt, die Elektrofahrzeugen Reichweiten von über 1.000 Kilometern ermöglichen. Gleichzeitig ist die Produktionskapazität einzelner Fertigungslinien auf mehr als zehn Gigawattstunden pro Jahr gestiegen. Die Fehlerquote sank von einem Defekt pro einer Million Zellen auf einen pro einer Milliarde.
Wang sagt: „Qualitatives Wachstum zeigt sich in der Präzision jedes einzelnen Produktionsschritts.“
Diese technologischen Fortschritte haben dazu beigetragen, dass China heute über eines der weltweit vollständigsten und dynamischsten Produktionssysteme für Batterien der neuen Generation verfügt. Mit dem erreichten Größenvorsprung stellen sich jedoch neue Fragen für die weitere Entwicklung der Branche.
Wachstumsschmerzen: Wenn Größe auf intensiven Wettbewerb trifft
„Die Branche ist weltweit führend in ihrer Größe, doch Risiken, wie Preiskämpfe und zunehmende Produktähnlichkeit, werden immer deutlicher“, stellt Wang Hongmei nach umfangreichen Recherchen fest.
Ein unzureichender Schutz geistigen Eigentums kann dabei einen intensiven Nachahmungswettbewerb begünstigen. Imitationen und Produktkopien senken die Markteintrittsbarrieren, während gleichzeitig neue Kapazitäten vor allem im Niedrigpreissegment aufgebaut werden. Dadurch geraten Investitionen in Innovation unter Druck und die Anreize für langfristige Forschung können sinken.
Hinzu kommt ein weiteres Risiko: Ein Wettbewerb, der sich stark über niedrige Preise definiert, kann international Handelskonflikte verschärfen. Unternehmen ohne eigene Patentportfolios sehen sich im Ausland zudem häufiger mit rechtlichen Auseinandersetzungen konfrontiert.
Für Wang ist daher klar: Mit der Reife einer Branche muss sich auch ihr Wettbewerbsmodell verändern. Die Fertigungsindustrie für neue Energietechnologien befinde sich derzeit in einer entscheidenden Phase – in der sich der Fokus von reinen Größenvorteilen hin zu technologischer Stärke und Innovationskraft verschiebt.
Wege nach vorn: Von Größenwettbewerb zu technologischer Stärke
Während der diesjährigen NVK-Sitzung konzentrierte Wang Hongmei ihre Vorschläge auf drei zentrale Themen:
Erstens: ein stärkeres Innovationsökosystem.
Unternehmen sollten ermutigt werden, ihre technologischen Stärken auszubauen und differenzierte Innovationen zu entwickeln, statt sich primär über Preise zu konkurrieren.
Zweitens: eine stabilere Erschließung internationaler Märkte.
Exportstrategien sollten besser koordiniert werden, damit weltweit nicht nur Produkte, sondern auch Qualität und Marken sichtbar werden. Die Batterieindustrie könne so einen Beitrag zur globalen Energiewende leisten und gleichzeitig internationale Kooperationen fördern.
Drittens: ein robuster Schutz geistigen Eigentums.
Ein effektiverer Schutz, strengere Sanktionen bei Verstößen und effizientere Verfahren zur Rechtsdurchsetzung sollen Unternehmen stärker dazu ermutigen, in Innovationen zu investieren.
Wang Hongmei betont: „Der Schutz geistigen Eigentums bedeutet letztlich den Schutz von Innovation.“
CATL verfügt inzwischen über mehr als 50.000 angemeldete oder beantragte Patente und gehört zu den chinesischen Unternehmen mit den meisten internationalen Patentanmeldungen. Die Erfahrungen des Unternehmens zeigen, dass eine klare Innovationsstrategie in Verbindung mit konsequentem Patentschutz die internationale Wettbewerbsfähigkeit entscheidend stärken kann.
Wang Hongmei möchte künftig verschiedene Akteure zusammenbringen, um ein innovationsfreundliches Umfeld zu fördern, die internationale Position der Branche weiter auszubauen und den Schutz geistigen Eigentums zu stärken. Ziel ist eine stabile Entwicklung der Industrie – sowie ein Beitrag zu den Klimazielen Chinas und zur langfristigen Stärkung der industriellen Wettbewerbsfähigkeit.
Fazit: Vom Tempo zur Qualität
Der Weg von Wang Hongmei als Abgeordnete ist eng mit der Transformation einer ganzen Branche verbunden. Die chinesische Batterieindustrie bewegt sich derzeit von einer Phase des raschen Wachstums hin zu einer Phase stärkerer Innovations- und Qualitätsorientierung.
Die Erfahrungen eines führenden Unternehmens spiegeln dabei zugleich die Reifung einer gesamten Industrie wider. Die Perspektive aus der Produktion, so Wang, finde zunehmend Eingang in politische Entscheidungsprozesse – und könne damit eine wichtige Grundlage für die nächste Entwicklungsphase der Branche schaffen.












