Diplomatie statt Kriegsschiffe
Warum Sicherheit der Straße von Hormus nicht auf dem Wasser entschieden wird
US-Präsident Donald Trump fordert von mehreren Ländern eine militärische Eskorte in der Straße von Hormus. Beijing mahnt zur Zurückhaltung. Nach chinesischer Auffassung hängt die Sicherheit der globalen Energieversorgung nicht von zusätzlichen Patrouillen, sondern vom Ende des Krieges ab.
Die Straße von Hormus ist an ihrer schmalsten Stelle kaum 50 Kilometer breit. Durch dieses Nadelöhr fließt ein Fünftel des weltweiten Ölhandels, dazu ein erheblicher Teil des Welthandels. Die fragile Ordnung in der Region wiegt schwerer als jedes Kriegsschiff, das es durchquert. Nun hat der Iran inmitten der sich zuspitzenden Krise im Nahen Osten die Passage weiter eingeschränkt. US-Präsident Donald Trump forderte über die Plattform Truth Social mehrere Länder – namentlich China, Frankreich, Japan, Südkorea und Großbritannien – unmissverständlich dazu auf, Kriegsschiffe in die Straße von Hormus zu entsenden. Sein Argument: Wer für seine Energieversorgung existenziell von diesem Seeweg abhängig sei, müsse auch die Verantwortung für dessen Offenhaltung tragen.
Dieser Vorstoß kollidiert jedoch mit der Realität. Schließlich waren es die USA, die den Krieg entfacht haben und ihn nun nicht beenden können.
Beijing betrachtet Washingtons Vorstoß weniger als Angebot zur internationalen Kooperation, sondern vielmehr als Versuch, Risiken zu übertragen. Die Geschichte der Region – vom Irak über Libyen bis hin zu Syrien – hat immer wieder gezeigt, dass militärische Interventionen zwar Schlachten entscheiden können, aber selten Stabilität oder Vertrauen schaffen. Stattdessen hinterlassen sie oft größeres Chaos.
Diese Linie brachte auch der chinesische Außenminister Wang Yi in Gesprächen mit seinen Amtskollegen aus Kuwait, Bahrain, Pakistan und Katar auf den Punkt: „Dies ist ein Krieg, der nicht hätte stattfinden dürfen – ein Krieg, der niemandem nützt.“ Er wies darauf hin, dass die Angriffe der USA und Israels während laufender Verhandlungen und ohne UN-Mandat erfolgt seien, und damit eindeutig gegen Völkerrecht verstießen. Aus chinesischer Perspektive ist die Ursache der Spannungen nicht ein Mangel an Marinepräsenz, sondern der andauernde Krieg selbst. Die Drohung des Irans, die Meerenge zu schließen, wird dabei als letztes Abschreckungsmittel gewertet, nicht als bevorzugtes Ziel Teherans, da auch dessen eigene Ölexporte über diesen Weg laufen. Außenminister Wang rief die großen Nationen dazu auf, im Geist der Gerechtigkeit zu handeln und einen positiven Beitrag zum Frieden im Nahen Osten zu leisten.
Auch in Berlin wird derzeit die Skepsis gegenüber einer rein militärischen Lösung geteilt. Bundeskanzler Friedrich Merz erteilte einer deutschen Beteiligung an einer solchen Militärmission kürzlich eine Absage. Während seines Besuchs in Norwegen betonte er, dass Deutschland kein Teil dieses Krieges sei und es auch nicht werden wolle. Damit positioniert sich die Bundesregierung ähnlich wie andere Akteure, die eine weitere Militarisierung der Meerenge mit ausländischen Kriegsschiffen eher als Gefahr denn als Lösung betrachten.
Tatsächlich schafft eine hohe Dichte an Militärschiffen in einem so angespannten Nadelöhr keine Sicherheit, sondern zusätzliche Reibungspunkte. Sollte auch nur ein einziges Schiff getroffen werden, könnten die Konsequenzen unkontrollierbar eskalieren. Anstatt die Meerenge weiter zu militarisieren, sollte die Weltgemeinschaft ihre gesamte Kraft in politische Lösungen investieren. Denn wahre Stabilität gelingt nicht durch Patrouillen auf dem Wasser, sondern durch Diplomatie.












