Chinas Naturschutzteams rüsten Zugvögel mit Kameramarkierungen aus, um ihre Routen zu verfolgen
In der zentralchinesischen Provinz Hunan sind Wildtier-Patrouillenteams rund um die Uhr im Einsatz, um Zugvögel mit speziellen Markierungen zu versehen, die mit Miniaturkameras ausgestattet sind. Die Maßnahme ist Teil laufender Schutzbemühungen, die darauf abzielen, die Zugrouten und Rastplätze der Vögel präzise zu erfassen und besser zu verstehen.
Die Teams sind rund um den Dongting-See aktiv, dem zweitgrößten Süßwassersee des Landes und einem wichtigen Überwinterungsgebiet. Jedes Jahr wird er von über 50 Millionen Zugvögeln besucht. Viele legen Tausende von Kilometern zurück, einige kommen sogar aus dem fernen Sibirien, um dort von November bis Ende März zu überwintern.
An der Außenstation Duoganzhou, die zum Naturschutzgebiet des südlichen Dongting-Sees gehört, sind Wissenschaftler während der Saison täglich im Feuchtgebiet unterwegs. Zu ihren Aufgaben zählt es, Zugvögel aufzuspüren und sie in den Abendstunden mit kamerabestückten Markierungen zu versehen.
Kürzlich ortete ein Team mit Hilfe von Drohnen, die mit Infrarotdetektion ausgestattet sind, ein Schwanenpaar und warf aus der Luft ein Fangnetz ab. Bei dieser international etablierten Methode werden die Tiere so wenig wie möglich belastet – ein wichtiger Grundsatz des modernen Artenschutzes.
Sobald die Schwäne im Netz waren, eilte das Team herbei, um sie innerhalb von zehn bis 20 Minuten zu erreichen. Würden die Vögel länger im Netz verbleiben, drohe ihnen eine Unterkühlung, erklärte Tang Ning, ein Experte der Firma Hunan Global Messenger Technology Company, die die Patrouillenteams mit Ausrüstung versorgt.
Nach Lokalisierung der Vögel, brachte das Team Kameramarkierungen an den Hälsen der Schwäne an, nachdem Flügellänge, Körpergewicht und andere Informationen aufgezeichnet worden waren. Anschließend wurden diese wieder in die Freiheit entlassen.
Bereits am darauffolgenden Tag trafen die ersten Aufnahmen ein: Sie zeigten, wie die Schwäne durchs Wasser gelitten, miteinander interagierten und auf Nahrungssuche gingen.
„Warum bringen wir Trackern an größeren Vogelarten an? Weil ihre Überlebenschancen so höher sind,“ so Niu Yandong, Experte an der Hunan Akademie für Forstwirtschaft. „Nach zwei oder drei Jahren können die von uns gesammelten Daten, Zugrouten und Rastplätze, wichtige Erkenntnisse liefern. Wenn wir diese Daten teilen, können sie dazu beitragen, künftige Schutzbemühungen zu unterstützen“
Die Bemühungen der Patrouillenteams sind Teil einer umfassenden nationalen Initiative. Als der Verlust von Feuchtgebieten in verschiedenen Ländern zunehmend die Zugrouten bedrohte, verabschiedete China 2022 sein erstes Feuchtgebietsschutzgesetz. Seither konnten rund 290.000 Hektar Feuchtgebiete wiederhergestellt und mehr als 1.000 wichtige Lebensräume unter Schutz gestellt werden.
China hat den Schutz seiner großen Flüsse und Seen kontinuierlich verstärkt, wodurch der Anteil des Oberflächenwassers mit guter Qualität auf 91,4 Prozent gestiegen ist. Infolgedessen kehren immer mehr Zugvögel in ihre angestammten Rastgebiete zurück.
„Wir haben das Feuchtgebiet behutsam in kleinen Schritten umgestaltet, um es für die Vögel noch attraktiver zu machen – etwa durch die Anlage von Sandbänken“, erklärt Long Xianjie, Leiter der Schutzstation Duoganzhou im Naturschutzgebiet des südlichen Dongting-Sees. „Da es viele verschiedene Vogelarten gibt, einige mit langen Beinen, andere mit kurzen, möchten wir, dass alle hier gemeinsam leben können. Nur so bleibt die gesamte Nahrungskette intakt und jeder findet, was er zum Fressen braucht.“
In diesem Winter wurde in Hunan ein beispielloser Vogelreichtum verzeichnet: Über 480.000 Zugvögel verbringen hier die kalte Jahreszeit, so viele wie nie zuvor. Davon entfielen mehr als 470.000 auf das Gebiet des Dongting-Sees.
Seit 1981 beteiligt sich China an den globalen Bemühungen zum Schutz von Zugvögeln, von bilateralen Abkommen bis hin zur Ostasiatisch-Austroasiatischen Partnerschaft für Zugvögel sowie der Ramsar-Konvention.
Heute beherbergt das Land über 1.500 Vogelarten, was etwa 13 Prozent der weltweiten Gesamtzahl entspricht.











