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Das Ende der Einbahnstraße

Warum China und Europa voneinander lernen müssen

german.china.org.cn  |  
23.03.2026

Der tiefgreifende Wandel in der Automobilindustrie erfordert ein Umdenken: Weg vom einseitigen Technologietransfer, hin zum echten Austausch auf Augenhöhe, der beiden Seiten nutzt. Dies gilt besonders für Akteure aus der EU und China.

In einem am Sonntag veröffentlichten Interview sagte Volkswagen-Chef Oliver Blume, die deutsche Automobilindustrie könne von der disziplinierten Industrieplanung Chinas lernen. Angesichts der schweren Krise und der notwendigen harten Einsparungen bei VW lobte er die Klarheit und Konsequenz, mit der China im E-Auto-Sektor Ziele setzt, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Seine Stellungnahme wird durch Zahlen untermauert: Bis Februar 2026 ist das Netz der chinesischen Ladestationen auf über 21 Millionen Einheiten angewachsen – ein Anstieg von fast 48 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Parallel dazu vollzieht sich im Automobilhandel zwischen China und der EU eine historische Zäsur. Exporte von Fahrzeugen und Teilen aus der EU nach China sind im vergangenen Jahr um 34 Prozent auf 16 Milliarden Euro eingebrochen, während die Importe aus China um acht Prozent auf 22 Milliarden Euro stiegen.

Diese beispiellose Umkehrung der Handelsbilanz ist mehr als nur eine konjunkturelle Schwankung: Sie markiert den Eintritt in eine neue Phase der chinesisch-europäischen Beziehungen, die stärker vom gegenseitigen Lernen geprägt ist. Eine Zeit lang schwankte die EU in ihrer Haltung gegenüber China und versuchte mühsam, den Spagat zwischen den Etiketten „Partner, wirtschaftlicher Wettbewerber und systemischer Rivale“ zu meistern. Inmitten zunehmender Handelskonflikte bietet das Konzept des Voneinanderlernens nun jedoch einen pragmatischen Rahmen, der hilft, Debatten von reflexhafter Konfrontation und emotionaler Aufladung zu lösen.

Die europäische Autoindustrie galt einst als unangreifbare Bastion technischer Vorherrschaft. Doch inzwischen müssen Autohersteller zur Kenntnis nehmen, dass chinesische Anbieter sie mit ihrer smarten Technologie überholt haben. Damit ist die Zeit des alleinigen Technologietransfers von Europa an die Volksrepublik endgültig vorbei.

Der heutige Erfolg Chinas fußt dabei auf einem vier Jahrzehnte andauernden Prozess des Lernens von Industriestaaten. Auch heute betonen Wirtschaftsakteure wie der Huawei-Gründer Ren Zhengfei die Notwendigkeit, weiterhin von der Wissenschaft und dem Management westlicher Länder zu lernen. Dieser offene und neugierige Ansatz hat China nicht nur zu einem riesigen Markt gemacht, sondern dem Land auch eine führende Rolle unter anderem auch auf den Gebieten Energie, E-Mobilität und Infrastruktur verschafft.

Der Wettbewerb zwischen beiden Seiten ist real. Dass sich China von einem Nachahmer mit billigen Produkten zu einem ernsthaften Herausforderer in wichtigen Industriesektoren entwickelt hat, kollidiert zwangsläufig mit den wirtschaftlichen Interessen des Westens. Dennoch sollte dieser Wettbewerb dazu führen, dass beide Seiten sich weiterentwickeln. Das Abdrängen des Gegners in eine Sackgasse ist nicht die Lösung. Nachhaltiger wirtschaftlicher Fortschritt entsteht dort, wo gleichzeitig konkurriert, beobachtet und voneinander gelernt wird. Für Europa erfordert diese konstruktive Dynamik jedoch ein tiefgreifendes Umdenken. Fast ein Jahrhundert lang besetzte Europa die Rolle des Lehrmeisters in der globalen Industrie und diktierte einseitig die Standards. Doch wahres Selbstvertrauen zeigt sich nicht im Beharren auf einer ewigen Vormachtstellung, sondern in der Fähigkeit, fortschrittliche Kräfte anzuerkennen, wo immer sie entstehen.

Auch China steht vor neuen Herausforderungen. Dazu gehört der Umgang mit geopolitischen Spannungen, die Einhaltung komplexer internationaler Regelsysteme, die tiefere Integration in ausländische Märkte und die Übernahme breiterer gesellschaftlicher Verantwortung. In diesen Bereichen können die chinesischen Hersteller noch viel von ihren europäischen Konkurrenten lernen.

Die alten Gleichgewichte sind zerbrochen und eine neue Balance muss rasch gefunden werden. In einer Zeit des globalen industriellen Umbruchs sollten die Beziehungen zwischen China und Europa nicht durch Konflikte, sondern durch einen gleichberechtigten Dialog und das Streben nach gemeinsamem Nutzen definiert werden. Ein kooperativer Ansatz wäre für beide Seiten von Vorteil.

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Quelle: german.china.org.cn

Schlagworte: China,Europa,lernen,Oliver Blume,Volkswagen