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Exklusivinterview mit Feng Fei, Sekretär des KP-Provinzkomitees von Hainan

Eine Insel schaltet in den Zollfreimodus

cdd-online.com.cn  |  
25.03.2026

Der 18. Dezember 2025 war für den Freihandelshafen Hainan ein historisches Datum. Denn an diesem Tag trat in Hainan inselweit die unabhängige Zollabfertigung in Kraft. Unsere Reporterin hat vor Ort mit dem hochrangigen Parteifunktionär Feng Fei gesprochen. Feng fungiert als Sekretär des Provinzkomitees der Kommunistischen Partei Chinas von Hainan sowie Vorsitzender des Ständigen Ausschusses des Volkskongresses der Provinz. Im Gespräch erläutert der Funktionär die zentralen Stärken der Inselprovinz, ihre Entwicklungspotenziale und Chancen für die Welt und geht außerdem auf erste Erfolge und die langfristig erwarteten politischen Dividenden der bisher eingeführten Neuerungen ein.

Die Einführung der neuen Zollmaßnahmen gilt als Schlüsselmoment für Hainan. Damit wird die gesamte Insel zu einem eigenständigen zollrechtlichen Verwaltungsgebiet. Inwiefern tragen die Neuregelungen Ihrer Meinung nach dazu bei, für eine stärkere Interaktion zwischen chinesischer und globaler Wirtschaft zu sorgen? Und wird durch die Neuerung die Rolle Hainans im globalen Handelsnetzwerk neu definiert?

Staatspräsident Xi Jinping hat den offiziellen Start des inselweiten unabhängigen Zollbetriebs für den Freihandelshafen Hainan als eine wegweisende Maßnahme bezeichnet. Sie diene dazu, Chinas hochgradige Außenöffnung entschlossen weiterzuverfolgen und den Aufbau einer offenen Weltwirtschaft voranzutreiben, so Xi. Dies werde tiefgreifende Auswirkungen haben – national wie international.

Bei der Einführung des unabhängigen Zollbetriebs setzt Hainan auf das Prinzip eines freieren Zugangs an der ersten Zollgrenze, eines regulierten Zugangs an der zweiten und eines relativ freien Verkehrs von Wirtschaftsfaktoren innerhalb der Insel. Als erste Zollgrenze wird die Grenze zwischen dem Freihandelshafen und anderen Ländern und Regionen außerhalb des chinesischen Zollgebiets bezeichnet. Mit der zweiten Zollgrenze ist die Grenze zum chinesischen Festland gemeint. An Zollgrenze eins setzen wir eine Reihe von Maßnahmen zur Liberalisierung und Erleichterung der Ein- und Ausfuhren bzw. Ein- und Ausreisen um, während die Gegenstände der Liberalisierung dann an Zollgrenze zwei noch einmal einer präzisen Kontrolle unterzogen werden. Innerhalb der Insel können alle Wirtschaftsfaktoren so relativ frei zirkulieren.

Die Entscheidung, eine Zollschließung für die gesamte Inselprovinz zu realisieren, bedeutet keineswegs eine Abschottung. Im Gegenteil! Die Neuregelung steht für ein noch höheres Maß an Öffnung. Strategisches Ziel unseres Freihandelshafens ist es schließlich, in der neuen Ära ein wichtiges Tor mit Leitfunktion für Chinas Öffnung zu schaffen. Wir wollen in erster Linie die Herausbildung eines neuen Entwicklungsgefüges für ganz China unterstützen, damit sich inländischer und internationaler Wirtschaftskreislauf gegenseitig fördern und beide effizient funktionieren. Unser Ziel sind pulsierende Handelsströme, in China und weltweit, Handelsströme, die in Zukunft noch reibungsloser und kräftiger fließen. Die Neuerungen werden dem globalen Handelsnetzwerk also sicherlich zusätzliche Chancen bescheren, für Verbesserung und Entwicklung sorgen.

Mit dem Start des unabhängigen Zollbetriebs übernimmt der Freihandelshafen Hainan nun eine führende Rolle bei der weiteren Förderung von Chinas hochgradiger Außenöffnung. Bei den politischen und institutionellen Rahmenbedingungen setzen wir auf Nullzölle, niedrige Steuersätze und ein vereinfachtes Steuersystem. Die entscheidenden Schlagworte lauten Freiheit und Erleichterungen – bei Handel, Investitionen, grenzüberschreitenden Kapitalflüssen, Personal- und Warenströmen. Dazu zählen auch geordnete und sichere Datenflüsse. Die Umsetzung dieser Rahmenbedingungen verbinden wir einerseits mit Chinas riesigem einheitlichen Binnenmarkt, andererseits mit dem internationalen Markt. Hainan wird somit zu einer Vorreiterzone, über die sich China noch tiefer in die Weltwirtschaft integriert. Der Freihandelshafen wird nicht nur die Öffnung für den freien Fluss von Waren und Wirtschaftsfaktoren vorantreiben, sondern auch dazu beitragen, Chinas institutionelle Öffnung schrittweise zu erweitern. Wir haben vor, die Verbindung und Kompatibilität von internationalen Regeln und Vorschriften, Management und Standards gezielt zu fördern. Der Freihandelshafen soll so zu einem strategischen Schnittpunkt für den genannten dualen Wirtschaftskreislauf reifen.

Zu diesem Zweck arbeiten wir mit Hochdruck daran, Hainan zu einem Doppelstandort  aufzubauen – einerseits für chinesische Unternehmen, die auf die internationalen Märkte drängen, andererseits für ausländische Firmen, die den chinesischen Markt betreten wollen. Darüber hinaus soll Hainan auch zu einem doppelten Knotenpunkt reifen. Zum einen wollen wir als internationaler Schifffahrtsknotenpunkt fungieren im Rahmen des neuen westlichen Land-See-Korridors, zum anderen als regionaler Luftverkehrsknotenpunkt mit Ausrichtung auf den Pazifik und den Indischen Ozean. Und nicht zuletzt planen wir, in Hainan ein doppeltes Netz zu spannen – einerseits ein internationales Netzwerk für Wirtschafts- und Handelszusammenarbeit, andererseits ein länderübergreifendes Netzwerk für den Austausch und die Zusammenarbeit im Kulturbereich. Dies wird Hainan von einem regionalen Handelsknotenpunkt zu einem umfassenden Handelsdrehkreuz aufwerten, das inländische und internationale Märkte effizient verbindet und Strahlkraft nach ganz Südostasien und darüber hinaus besitzt.

Schwerpunktmäßig konzentrieren wir uns aktuell auf die Verknüpfung dreier Hauptbereiche: Erstens setzen wir auf die Verknüpfung von Produktionsketten. Hier werden wir die günstigen politischen Rahmenbedingungen unseres Freihandelshafens dafür nutzen, die grenzüberschreitende Bewegung von Produktionsfaktoren zu erleichtern sowie als Bindeglied zwischen in- und ausländischen Produktions- und Lieferketten zu fungieren. Investoren sollen so, mit Hilfe unseres Freihandelshafens als hochrangiger Plattform, noch wettbewerbsfähiger werden, etwa mit Blick auf das Anziehen globaler Wirtschaftsfaktoren oder die Allokation globaler Ressourcen.

Zweitens geht es um regionale Verknüpfung. Wir werden uns aktiv in den Aufbau des nationalen einheitlichen Marktes integrieren und diesen unterstützen. Dazu zählt auch, für eine synergetische Entwicklung mit der Provinz Guangdong zu sorgen, unsere Entwicklung noch enger mit der Greater Bay Area, also der Region Guangdong-Hongkong-Macao zu verbinden, sowie die regionale Zusammenarbeit mit der Region Beijing-Tianjin-Hebei, dem Jangtse-Delta und dem Jangtse-Wirtschaftsgürtel zu intensivieren.

Drittens zielen wir auf internationale Verknüpfung. Wir wollen intensiv zur Umsetzung der Seidenstraßeninitiative beitragen, die Zusammenarbeit nicht nur mit Blick auf Handel, Investitionen, Industrie und Finanzen, sondern auch Bildung und Kulturaustausch verstärken. Insbesondere mit den Ländern Südostasiens wollen wir tiefgreifende Kooperationen entfalten, etwa in Sachen Tropenlandwirtschaft, grüne Energie und digitaler Handel.

Ein starker Schutz geistigen Eigentums ist ein zentrales Anliegen ausländischer Investoren. Welche konkreten Maßnahmen ergreift Hainan, um sich an internationale Wirtschafts- und Handelsregeln anzupassen und Urheberrechte wirksam zu schützen?

Ein günstiges Umfeld für geistiges Eigentum ist tatsächlich ein entscheidender Faktor für die Anziehung ausländischer Investitionen. In den letzten Jahren hat Hainan sich als starke Provinz im Bereich des Schutzes geistigen Eigentums positioniert und kann hier stabile Fortschritte für sich verbuchen. Dabei behandeln und schützen wir alle Marktakteure gleichberechtigt. Urheberrechtsverstöße werden bei uns rigoros geahndet. Kurzum: Wir haben alle Hebel in Bewegung gesetzt, um zu einer Hochburg für den Rechtsschutz in diesem Bereich aufzusteigen. 2025 verzeichnete unsere Provinz die höchste Wachstumsrate im Index für die Entwicklung des geistigen Eigentums.

Was die rechtlichen Garantien betrifft, so hat China eigens ein Gesetz für den Freihandelshafen Hainan erlassen, das in Artikel 23 spezifische Bestimmungen zum Urheberrechtsschutz vorsieht. Die Provinz Hainan hat dies auch durch die Ausarbeitung und Umsetzung eigener Vorschriften ergänzt und im Freihandelshafen ein eigenes Gericht für Urheberrechtsfragen eingerichtet. Auf diese Weise haben wir auf rechtlicher Ebene starke Garantien geschaffen.

Im Hinblick auf die Plattformentwicklung hat sich unsere Provinz auf einzigartige Schlüsselindustrien konzentriert, etwa die Saatgutindustrie in Südchina, Tiefseetechnologie, kommerzielle Luft- und Raumfahrt, aber auch Biomedizin und Maschinenbau. In Sanya und Haikou wurden jeweils Sonderzonen für geistiges Eigentum und Zweigstellen für die Beratung bei Urheberrechtstreitigkeiten mit Auslandsbezug eingerichtet. Zusätzlich gibt es noch eine Demonstrationszone für allgemeine Dienstleistungen im Bereich Urheberrecht, nämlich in der Wissenschafts- und Technologiestadt Yazhou Bay.

Was die internationale Zusammenarbeit zu diesem Thema angeht, so beteiligt sich Hainan über Plattformen wie die genannte Sonderzone in Yazhou Bay oder das Boao-Asienforum am internationalen Austausch. Wir haben zudem die Kooperation mit der Weltorganisation für geistiges Eigentum in Bereichen wie Eigentumsrechteschutz, Talentförderung und grüne, kohlenstoffarme Entwicklung verstärkt und uns proaktiv an hohe Handelsstandards angepasst. Nacheinander hat Hainan die „20 Aktionspläne zur Umsetzung des RCEP“ und die „16 Maßnahmen zur Vertiefung der Zusammenarbeit mit den RCEP-Mitgliedstaaten“ eingeführt. Es gibt außerdem Pilotversuche, die sich an Handelsbestimmungen wie dem CPTPP orientieren. Mit raschem Tempo hat unsere Provinz also international kompatible Regulierungssysteme in Bereichen wie geistiger Eigentumsschutz und Wettbewerbsfairness eingeführt. Der strenge gesetzesgemäße Schutz von geistigem Eigentum ist für den Freihandelshafen Hainan also ganz klar ein Kernanliegen und auch ein ernsthaftes Versprechen. Wir werden unsere Anstrengungen weiter fortsetzen und für noch bessere Ergebnisse kämpfen.

Was ist Ihre Kernbotschaft an internationale Investoren und Unternehmer, die Hainan aktuell noch beobachten und bewerten?

Hainan zu wählen heißt, Chancen zu wählen; in Hainan zu investieren heißt, in die Zukunft zu investieren. Es gibt gute Gründe, die für Hainan sprechen: Erstens ist das Ausmaß der Öffnung hier beispiellos. Der Freihandelshafen orientiert sich an der weltweit höchsten Stufe der Öffnung, setzt handels- und investitionsliberalisierende und -erleichternde Maßnahmen nach internationalen Standards um und hat in großem Umfang eine Nullzoll-Politik eingeführt. Die Zahl der zollfreien Warenpositionen wurde auf mehr als 6600 angehoben, was rund 74 Prozent aller Warenpositionen entspricht. Unser Freihandelshafen verfügt über die kürzeste Negativliste für den Marktzugang ausländischer Investitionen in China und hat landesweit die erste Negativliste für grenzüberschreitenden Dienstleistungshandel eingeführt. Es wurden 22 Sondermaßnahmen zur Lockerung des Marktzugangs umgesetzt und in Bereichen wie Mehrwerttelekommunikation, Bildung, medizinische Versorgung und Rechtsangelegenheiten hat sich unser Hafen ausländischen Unternehmen und auswärtigem Kapital als erster geöffnet.

Zweitens gestaltet sich unsere industrielle Entwicklungsbasis sehr solide. Ausgehend von Hainans Öffnungspolitik, Ressourcenausstattung und den Trends der neuen technologischen Revolution sowie der industriellen Transformation treiben wir die Ergänzung, Ausweitung und Aufwertung der vier Hauptindustrien Tourismus, moderne Dienstleistungen, Hightech-Industrie und effiziente Tropenlandwirtschaft voran. Gezielt entwickeln wir strategische neue Industrien wie Saatgut, Tiefseebewirtschaftung, kommerzielle Raumfahrt, grüne, kohlenstoffarme Wirtschaft und Digitalwirtschaft. Wir fördern Zukunftsindustrien wie Bioproduktion, Wasserstoffenergie, Gehirn-Computer-Schnittstelle und verkörperte Intelligenz, ja wir bauen ein modernes Industriesystem auf mit fortschrittlichen Geschäftsformen, klaren Besonderheiten, deutlicher Gliederung und rationaler Ebenenstruktur. Hierin liegen viele Investitionschancen.

Drittens wird das Geschäftsumfeld immer besser. Hainan beschleunigt die Schaffung eines marktorientierten, rechtsstaatlichen und internationalisierten Geschäftsumfelds erster Güte. Wir haben eine spezielle Regierungsstelle für die tägliche Weiterentwicklung eingerichtet, behandeln in- und ausländische Investoren gleichberechtigt und gewährleisten einen fairen Wettbewerb. Auch wurde ein One-Stop-Mechanismus für die internationale geschäftliche Streitbeilegung etabliert, der Mediation, Schiedsverfahren und Klagen organisch miteinander verbindet. Kurzum: Wir vertiefen die Schaffung einer sicheren Region.

Abschließend möchte ich betonen, dass Investoren aus aller Welt herzlich willkommen sind, in Hainan zu investieren und Unternehmen zu gründen. Wir werden alles tun, um die nötigen Dienstleistungen und die größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten, damit alle bei uns erfolgreich Geschäfte tätigen können, qualifiziertes Personal finden und sich gut entwickeln. Mein großer Wunsch ist es, dass wir alle gemeinsam von den epochalen Dividenden profitieren, die der Aufbau einer offenen Weltwirtschaft mit sich bringt.


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Quelle: cdd-online.com.cn

Schlagworte: Insel,Zollfreimodus,Hainan