Hafen Yangpu: Vom kleinen Tiefseehafen zum internationalen Drehkreuz
Im Hafen Yangpu, an der Nordwestspitze Hainans, reiht sich ein Kaikran hoch aufragend an den nächsten. Emsig be- und entladen die Kräne die Container der ein- und auslaufenden Frachtschiffe – ein stahlgewordenes Bild der erfolgreichen Land-See-Integration hier in Hainan.
Seit dem offiziellen Start des unabhängigen Zollbetriebs auf der Insel ist das Handelsvolumen des Hainaner Freihandelshafens kontinuierlich gestiegen. Lin Hongpin, Leiter der Lotsenstation Yangpu, erklärt: „Bei jedem zweiten von uns gelotsten Schiff handelt es sich mittlerweile um ein über 200 Meter langes internationales Großraumschiff.“ Seit Einführung der neuen Zollmaßnahmen habe sich die Zahl der Lotsungen für derartige Frachter im Vergleich zum Vorjahr um fast 20 Prozent erhöht, sagt er.
Hinter dieser Entwicklung steht Yangpus strategische Positionierung als Pilotzone und Vorbild für Freihandelshäfen. Dank bahnbrechender Maßnahmen wie dem Registerhafen „China Yangpu Port“ konnte der Hafen durch bessere internationale Abstimmung und Erneuerung der institutionellen Rahmenbedingungen den Ausbau globaler Schifffahrtsrouten beschleunigen. Die internationalen Geschäftskooperationen vertiefen sich seither. Im Zuge von Chinas neuer Öffnungswelle entwickelt sich der Tiefseehafen also zunehmend zu einem internationalen Drehkreuz.
Vom jahrhundertealten Traum zur Realität
Die Entwicklung des Hafens Yangpu ist untrennbar mit seiner günstigen geografischen Lage verbunden. Zudem steht das Wachstum in engem Zusammenhang mit der Anordnung wichtiger nationaler Strategien. Historisch gesehen war dieser Ort lange Zeit eine Quelle großer Hoffnungen: So regte der wichtige Reformer und Beamte Zhang Zhidong schon zu Zeiten der späten Qing-Dynastie den Bau eines Hafens an dieser Stelle vor. Und der chinesische Revolutionär und Staatsmann Sun Yat-sen sah den hiesigen Port als „künftigen Großhafen Chinas“. In den 1970er Jahren nahm der damalige Ministerpräsident Zhou Enlai den Hafen schließlich in den nationalen Plan zum Aufbau wichtiger Häfen auf.
Yangpu verfügt über Hainans wertvollste Tiefwasserküstenressourcen und liegt nur über 20 Seemeilen von den internationalen Hauptschifffahrtsrouten entfernt. Dies macht ihn zu einem zentralen Knotenpunkt zwischen den Seewegen des Pazifiks und des Indischen Ozeans. Aufgrund seiner rückstandigen Verkehrs- und Industrieinfrastruktur entwickelte sich der Hafen jedoch lange nur schleppend. Bei Gründung der Wirtschaftsentwicklungszone Yangpu 1992 verfügte das Hafengebiet lediglich über zwei Liegeplätze mit einer Kapazität von je 10.000 Tonnen und einem Umschlagvolumen von weniger als einer Million Tonnen pro Jahr.
Der eigentliche Wendepunkt kam mit den Impulsen der neuen nationalen Strategien. Nach dem offiziellen Startschuss für die Freihandelszone Hainan im Jahr 2018 erfuhr Yangpu eine deutliche Aufwertung. Im Gesamtaufbauplan des Freihandelshafens der Insel findet Yangpu ganze siebenmal Erwähnung, wird als Pilot- und Demonstrationszone positioniert, wodurch die Entwicklung des Hafens auf die Schnellspur einscherte.
„Um den gesamten Kai mit einer Drohne bildlich einzufangen, muss man sie heute rund drei Kilometer in die Höhe steigen lassen“, gibt Deng Xiaolong, Reporter bei Yangpu TV, einen Eindruck von der Dimension der Hafenanlage. Der Journalist dokumentiert die Veränderungen im Hafen seit 2016. „Früher gab es nur wenige Liegeplätze und der Hafen konnte lediglich Containerschiffe mit 40.000 bis 50.000 Tonnen aufnehmen“, erinnert er sich. Mittlerweile habe sich die Kaimauer auf fast zwei Kilometer ausgedehnt. Containerriesen mit 150.000 oder sogar 200.000 Tonnen seien heute regelmäßige Besucher des Hafens geworden, sagt Deng.
Daten bestätigen diesen enormen Wandel. Su Zhuoyi, Produktionsleiter der Firma Hainan Harbor & Shipping International Port, erinnert sich, dass es bei seiner Ankunft im Jahr 2018 nur vier Kaikräne im Hafen gegeben habe, wobei der jährliche Umschlag bei etwas über 200.000 TEU gelegen habe. „Inzwischen hat sich die Anzahl der Kaikräne deutlich erhöht. 2025 lag der Umschlag des Kais bei über drei Millionen TEU. Nun strebt der Port nach noch höheren Zielen.“
Laut offiziellen Statistiken wurden im gesamten Hafen 2025 knapp 86 Millionen Tonnen Fracht umgeschlagen, was einem Anstieg von fast 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Davon entfielen über 42 Millionen Tonnen auf den Außenhandel, ein Plus von fast 13 Prozent im Jahresvergleich. Diese rasant steigenden Zahlen spiegeln die zunehmenden Erfolge der Freihandelshafenpolitik deutlich wider.
Institutionelle Innovation als zentraler Motor
Das geschäftige Hafentreiben gibt letztlich den Blick frei auf eine noch viel größere Entwicklung. Denn die eigentliche Triebkraft hinter Yangpus Erfolgen steckt in der tiefgreifenden institutionellen Transformation, die der Hafen durchlaufen hat. Von entscheidender Bedeutung ist dabei die Maßnahme des erwähnten Registerhafens „China Yangpu Port“.
Im Juni 2020 wurde dieser offiziell als neuer Heimathafen bestimmt. Das neue Hafensystem entspricht internationalen Standards und bietet eine Reihe attraktiver Vergünstigungen. Unternehmen mit Registrierung im Freihandelshafen Hainan profitieren von Zollfreiheit für importierte Transportschiffe. Außerdem erhalten heimisch gefertigte Schiffe, die im „China Yangpu Port“ für den internationalen Transport registriert werden, Exportsteuererstattungen. Berechtigte Unternehmen und Privatpersonen können zudem eine Ermäßigung von 15 Prozent auf die Körperschafts- bzw. Einkommensteuer in Anspruch nehmen.
Diese Maßnahmen haben zur Ansiedlung zahlreicher Reedereien in Yangpu beigetragen. Ge Liqiao, Abteilungsleiterin für Schifffahrtsentwicklung der Internationalen Schiffsregistrierungsbehörde Hainan, erklärt, dass ihr Amt zur Erleichterung der Geschäftsabwicklung einen One-Stop- sowie einen Sonderbearbeitungsservice eingeführt habe. Dadurch habe sich der Aufwand für Schiffsregistrierungsanträge um 60 Prozent reduziert. Heute sei die Genehmigungseffizienz mit internationalen Schifffahrtszentren wie Singapur oder Hongkong vergleichbar. Bis Ende 2025 wurden im Hafen Yangpu 82 internationale Schiffe mit einer Gesamttransportkapazität von über 7,6 Millionen Tonnen registriert. Damit belegte Yangpu den ersten Platz unter Chinas Freihandelszonen bzw. -häfen.
Institutionelle Innovationen zeigen sich auch in anderen Bereichen des Hafenbetriebs. Dank eines neuen Modells für Chargenlieferung und zentrale Zollanmeldung, das mit der Einführung der unabhängigen Zollabfertigung in Kraft trat, konnte etwa das Unternehmen SINOPEC Hainan Petrochemical seine Zollabfertigungseffizienz und seine Kapitalumschlagshäufigkeit deutlich steigern. „Die Waren können zunächst in Chargen verschifft werden, mit einer Nachfrist von mehr als einem Monat für die Zollanmeldung. Das ist für uns natürlich sehr hilfreich“, erklärt Song Pengjun, stellvertretender Leiter der Planungs- und Betriebsabteilung des Unternehmens.
Aufbau eines globalen Schifffahrtsnetzwerks
Mit der Unterstützung von entsprechender Infrastruktur und gezielten politischen Maßnahmen beschleunigt der Hafen Yangpu den Aufbau eines globalen Schifffahrtsnetzes und mausert sich erfolgreich zu einem internationalen Schifffahrtsdrehkreuz für die gesamte Region.
Mittlerweile unterhält der Port 65 nationale und internationale Handelsrouten. Die nationalen Verbindungen umfassen dabei wichtige chinesische Küstenhäfen, sind effizient mit dem Golf von Beibu sowie der Greater Bay Area Guangdong-Hongkong-Macao verbunden. Im internationalen Handel konnte der Hafen neue Direktrouten zur West- und Ostküste der USA sowie nach Südamerika einrichten, wodurch wichtige Lücken in Hainans bisherigen interkontinentalen Seeschifffahrtsrouten geschlossen werden konnten. Zudem hat der Port eine Partnerschaft mit dem Hafen von Abu Dhabi geschlossen, was die Wirtschafts- und Handelsbeziehungen mit dem Nahen Osten generell vertieft hat. Innerhalb Asiens hat sich ein Schifffahrtsnetz entwickelt, das die gesamte RCEP-Region abdeckt.
Die rasante Entwicklung des Ports wird oft mit der des Hafens von Singapur verglichen. Dies sei jedoch eine Fehlinterpretation, erklärt Chen Qi, stellvertretender Direktor des Handelsbüros Danzhou und des Investitionsförderungsbüros Yangpu. „Tatsächlich entwickeln sich die beiden Häfen im Wesentlichen komplementär, wobei das ergänzende Element den Wettbewerb überwiegt“, sagt er. Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Seiten vertiefe sich zunehmend: Die Firma Hainan Port & Shipping International Port habe eine Absichtserklärung mit PSA International unterzeichnet, um die Kooperation in Bereichen wie Schifffahrtsroutenausbau und Betriebseffizienz zu stärken und so den Im- und Export von Waren zwischen China und den ASEAN-Staaten zunehmend zu erleichtern.
Fest steht: Die Transformation des Hafens Yangpu spiegelt ganz klar Chinas fortschreitende Öffnung im neuen Zeitalter, ist ein konkretes Beispiel für die Erfolge beim Aufbau des Freihandelshafens Hainan. Mit der vollständigen Umsetzung des inselweiten unabhängigen Zollbetriebs pulsiert der Tiefseehafen umso mehr. Er schreitet mit voller Kraft seinem Ziel entgegen, ein Hafen von Weltklasse zu werden.











