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Dank unabhängiger Zollabfertigung: Hainans Privatunternehmen beschleunigen ihre internationale Expansion

cdd-online.com.cn  |  
25.03.2026

Seit Beginn der unabhängigen Zollabfertigung im Freihandelshafen Hainan Mitte Dezember 2025 spüren private Firmen in der Region Yangpu zunehmend Rückenwind. Das Erfolgsrezept: eine Kombination aus politischer Unterstützung und der Schaffung neuer Entwicklungsdynamik. Motor hierfür bildet die konsequente institutionelle Öffnung. Lokale Verwurzelung gepaart mit globaler Öffnung – dieser Mix sorgt für eine gemeinsame Wachstumsdynamik zwischen Unternehmen und dem Freihandelshafen, eine echte Entwicklungssymbiose.

Förderpolitik als Beschleuniger

Die Zhongao Tangye (Hainan) Technology Co., Ltd. ist ein High-Tech-Unternehmen, das sich auf die Entwicklung und Produktion von Brühkonzentraten spezialisiert hat, samt zugehöriger Serviceleistungen. Am 28. November des vergangenen Jahres nahm es seine erste Ausbaustufe in der Zollverschlusshafenzone Yangpu offiziell in Betrieb.

In der Werkstatt blickt man durch eine Glaswand auf die hochautomatisierte Produktionslinie für Suppenkonzentrat. Die Edelstahltanks sind präzise in einer Reihe angeordnet und ein Netz aus Rohrleitungen durchzieht den Raum – alle Abläufe sind effizient aufeinander abgestimmt.

„Hier im Freihandelshafen Hainan, insbesondere in Yangpu, genießen ansässige Unternehmen eine proaktive, hocheffiziente und umfassende Unterstützung seitens der Behörden“, berichtet Yu Lianfu, Vorstandsvorsitzender des Lebensmittelherstellers. Seit der Standortentscheidung für Yangpu im Jahr 2022 hat der Unternehmer die engagierte Servicekultur des Freihandelshafens zu schätzen gelernt. „Die Regierung hat hier eine Sonderarbeitsgruppe eingerichtet, die uns Unternehmen und die zuständigen Stellen direkt in einer WeChat-Gruppe vernetzt. Anfragen können dort unmittelbar vorgebracht werden, ein Koordinator vermittelt und bei Bedarf greift der zuständige Parteisekretär persönlich ein. Eine solche Praxis ist für mich ein Novum in meiner langjährigen Laufbahn.“

Yu hat ein gutes Gespür für Entscheidungen und den nötigen Weitblick. Bereits bei der Veröffentlichung des „Masterplans für den Freihandelshafen Hainan“ am 1. Juni 2020 erkannte er dank seiner über zwanzigjährigen Branchenerfahrung das transformative Potenzial des Projekts für sein Unternehmen.

„Damals gab es hier noch nicht einmal McDonald’s oder Starbucks, auch Taxis waren quasi Fehlanzeige“, erinnert sich Yu an seine erste Stippvisite aus der nordostchinesischen Provinz Liaoning. Seither hat sich viel verändert. Heute präsentiert sich Yangpu mit breiten, blitzblanken Straßen, modernen Hotels und Einkaufszentren sowie einer vollständigen Alltagsinfrastruktur – kaum eine Spur von der einstigen Ödnis. Dabei ist das Ganze gerade einmal fünf Jahre her.

Eine vergleichbare Standortentscheidung traf auch die Hainan Ausca International Oils and Grains Co., Ltd. (Ausca). Zhang Hui, die Vorstandsvorsitzende des privaten Unternehmens aus der Speiseöl- und Getreideverarbeitung, war sehr früh vom Konzept des Freihandelshafens begeistert. Schon in der Frühphase des Großvorhabens war ein Team der Wirtschaftsförderung aus Yangpu bei einer Reise in das Autonome Gebiet Guangxi auf das Unternehmen aufmerksam geworden und nahm unverzüglich den Kontakt auf.

„Es war eine glückliche Fügung“, erinnert sich Zhang und lacht. Im August 2020 ließ sich Ausca offiziell in Yangpu nieder. Das Projekt mit zwei Produktionslinien für Raps und Sojabohnen, in das insgesamt 3,5 Milliarden Yuan, also rund 500 Millionen US-Dollar, investiert wurden, konnte in nur sechseinhalb Monaten realisiert werden – vom Baubeginn bis zur Inbetriebnahme. Das sei die legendäre „Yangpu-Geschwindigkeit“, lobt die Unternehmerin.

„Wir haben mittlerweile einen Branchenrekord aufgestellt. Möglich gemacht hat das die Ansiedelung hier in Yangpu“, betont Zhang und verweist auf den außergewöhnlichen behördlichen Service. „Die verschiedenen Stellen haben uns bei Genehmigungsverfahren, Registrierung und der infrastrukturellen Anbindung, etwa mit Blick auf Wasser und Strom, aktiv durch einen lückenlosen und effizienten Service unterstützt“, sagt sie.

Am Anfang muss nicht alles perfekt sein

Der Aufbau des Freihandelshafens Hainan gilt als bedeutender Schritt im Zuge der hochwertigen Öffnung Chinas. Am Anfang, als die ersten Firmen einzogen, war längst nicht alles bis ins Detail ausgeklügelt. Feinschliff und Nachjustierung erfolgten in den ersten Phasen des Betriebs. Unternehmen und Freihandelshafen haben so eine Phase des Erkundens durchlaufen, wachsen bis heute gemeinsam im wechselseitigen Austausch.

„Wir gehörten zu den Pilotunternehmen, die bereits vor der offiziellen Einführung der unabhängigen Zollabfertigung an Belastungstests teilnahmen“, erzählt Zhang. „Diese Stresstests bedeuteten für uns einen frühen Zugang zu politischen Vergünstigungen, verpflichteten uns aber auch zur aktiven Mitgestaltung durch Feedback aus der Praxis.“ Mit anderen Worten: Die Unternehmen sind sowohl Nutznießer der Politik als auch Mitwirkende bei der Optimierung aller Strukturen und Abläufe. „Wir setzten gleich mehrere Pilotprojekte um, für die es praktisch keine Referenzbeispiele gab“, führt die Unternehmerin aus.

Anfangs waren die Zollsysteme nur unzureichend auf komplexe Geschäftsmodelle zugeschnitten, weshalb Ausca wiederholt an strukturelle Grenzen stieß. „Gemeinsam mit den Behörden suchten wir nach Lösungen und trieben so die Optimierung der Abläufe voran“, sagt Zhang.

Eine Erfahrung, die Yu Lianfu teilt. Basierend auf den Besonderheiten der Knochenverarbeitung und Extraktionsindustrie reichte sein Unternehmen bei den Behörden in Yangpu früh gezielte Empfehlungen ein. „Politikgestaltung ist hier im Freihandelshafen ein laufender Prozess, der Unternehmensfeedback stets aktiv einbezieht“, lobt er.

Der gegenseitige Austausch zwischen Unternehmen und Freihandelshafen zeigt schon heute konkrete Ergebnisse. „Pro Tonne importierten Knochenrohstoffs sparen wir heute zwölf Prozent Zoll und neun Prozent Mehrwertsteuer“, veranschaulicht Yu die praktische Bedeutung der Politik des Freihandelshafens für die Kostensenkung seines Unternehmens. „Bei einem jährlichen Importvolumen von über einer Milliarde Yuan summiert sich das schnell auf Kosteneinsparungen von mehr als 100 Millionen Yuan“, erläutert er.

Eine weitere Fördermaßnahme für die ansässigen Firmen ist die Möglichkeit zur zollfreien Inlandsvermarktung bei einer lokalen Wertschöpfung von 30 Prozent. Dadurch wird der Zugang zum Binnenmarkt maßgeblich erleichtert. Für Ausca bedeutet dies kumulierte Zolleinsparungen von rund 300 Millionen Yuan. Beide Unternehmen profitieren zudem von den sogenannten „doppelten 15 Prozent“, einer Regelung, die zusätzliche Steuervergünstigungen schafft. Es handelt sich dabei um einen ermäßigten Satz von 15 Prozent für Körperschafts- und Einkommensteuer. Diese Regelung senkt die Gesamtbetriebskosten und schafft attraktive Bedingungen, um hochqualifizierte Talente aus dem In- und Ausland zu gewinnen.

Von Yangpu in die Welt

2025 sah sich Ausca angesichts veränderter internationaler Handelsbedingungen mit dem Risiko hoher Garantiezahlungen für importierte Rohstoffe konfrontiert. Dank zügiger Lagebewertung und Unterstützung durch die Regierung von Yangpu konnte das Unternehmen jedoch seine Aktivitäten umgehend auf internationale Märkte verlagern, das heißt, sowohl Rohstoffbeschaffung als auch Produktabsatz werden im Ausland betrieben. „Das Verantwortungsbewusstsein und die Entschlusskraft der Hainaner Behörden haben uns tief beeindruckt“, sagt Zhang.

Bereits am 7. August 2025 wurden die ersten 5000 Tonnen Sojaöl der Firma vom Hafen Yangpu aus gen Indien verschifft. „Den Vertrag hierfür unterzeichneten wir am 31. Juli, nur sieben Tage später war die Ware verladen. Das hätte unser Unternehmen allein so nie geschafft. Es gelang nur durch das koordinierte Zusammenwirken von Regierung, Zoll und China Cosco Shipping“, betont die Geschäftsfrau.

Während sich Ausca in der Vergangenheit hauptsächlich auf den Binnenmarkt konzentriert hat, eröffnet die strategische Neuausrichtung nun ungeahnte Perspektiven: Das Unternehmen hat die starke Nachfrage in benachbarten Ländern und Regionen erkannt, beliefert mittlerweile ein Dutzend weitere Märkte, darunter Japan, Südkorea und Singapur. 2025 erzielte Ausca so ein Exportvolumen von rund 98.000 Tonnen im Wert von 825 Millionen US-Dollar.

Die jüngste Erweiterung des visumfreien Zugangs für Hainan auf 86 Länder intensiviert diese globale Vernetzung noch weiter. „Heute können viele ausländische Mitbewerber, aber auch unsere Lieferanten und Kooperationspartner einfach ganz spontan nach Hainan einreisen“, erklärt Zhang.

Auch für Zhongao Tangye eröffnen sich durch diesen Wandel neue Chancen. „Wir werden immer häufiger von ausländischen Kunden besucht. Australische Partner bereiten derzeit die Zulassung unserer Produkte vor und nordamerikanische Kunden schätzen unsere Kompetenz für internationale Geschäftsmodelle“, sagt Yu. Zudem plane sein Unternehmen, die geografische Nähe zur strategisch wichtigen Großregion Südostasien zu nutzen und gezielt auf die dortigen Märkte vorzustoßen.

Nicht einmal zwei Monate nach Inbetriebnahme der ersten Ausbaustufe plant der Lebensmittelhersteller bereits eine zweite Werkhalle mit zugehörigen Kühllagern. In Zukunft will Yu zudem relevante Unternehmen stärker vor Ort zusammenbringen. Langfristig strebt er die Bildung eines beispielhaften Clusters für die intensive Verarbeitung von Knochen- und Fleischwaren an.

„Der Freihandelshafen ist der Dreh- und Angelpunkt der dualen Zirkulation – einer ‚8‘ aus Binnenmarkt und internationalem Austausch. Egal, ob Richtung Inland oder Ausland – Unternehmen finden hier gleichermaßen breite Entwicklungsmöglichkeiten“, erklärt derweil Unternehmerin Zhang. Für den Zeitraum des 15. Fünfjahresplans (2026–2030) strebe Ausca an, seinen Produktionswert von derzeit zehn auf 20 bis 25 Milliarden Yuan zu steigern.

Die Unternehmerin, die 1980 ins Berufsleben startete, hatte eigentlich geplant, sich allmählich aus dem Arbeitsleben zurückzuziehen. Doch heute sagt sie: „Ich möchte hier noch 20 Jahre wirken und gemeinsam mit dem Freihandelshafen wachsen.“


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Quelle: cdd-online.com.cn

Schlagworte: Hainan,Privatunternehmen,Zollabfertigung