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Siemens und Yangpu: Drei Jahrzehnte Partnerschaft bei Modernisierung und Öffnung

cdd-online.com.cn  |  
25.03.2026

Von Wei Hongchen

Der 18. Dezember 2025 war nicht nur für den Freihandelshafen Hainan ein besonderes Datum, sondern auch für Siemens Energy, einen der weltweit führenden Energietechnologiekonzerne mit deutschen Wurzeln. Als erstes ausländisches Energieunternehmen richtete Siemens Energy eine Niederlassung in der neuen Yangpu-Entwicklungszone in Danzhou ein, ganz im Nordwesten der Insel. Dort begann das Unternehmen mit dem Bau einer Gasturbinenmontagebasis sowie eines eigenen Servicecenters. Dieses historische Ereignis fiel mit dem ersten Tag des inselweiten unabhängigen Zollbetriebs im Freihandelshafen zusammen.

Etwa acht Kilometer voneinander entfernt gingen derweil einen Monat früher einen Monat früher als geplant, zwei Siemens-Gasturbinen vom Typ V94.2 vom Netz, die Hainan zuvor 30 Jahre lang mit Strom versorgt hatten. Hinter der Geschichte dieser Turbinen verbirgt sich eine drei Jahrzehnte lange Reise der industriellen Modernisierung und Öffnung, in der der deutsche Energieriese schrittweise die Entwicklung von einem Betriebs- und Wartungsdienstleistungsanbieter hin zu einem lokalen intelligenten Hersteller vollzogen hat. Gleichzeitig hat auch Yangpu eine große Entwicklung erfahren: Aus einem Testgelände, das auf groß angelegte Entwicklung angewiesen war, wurde eine Plattform für die hochkarätige Öffnung der Freihandelszone Hainan. Die Transformation beider Seiten verlief also quasi Hand in Hand.

Yangpus einstiges „Energieherz“ geht vom Netz

1992 wurde die Entwicklungszone Yangpu offiziell gegründet – als Chinas erste Wirtschaftszone nationaler Ebene, die von ausländischen Investoren auf großen Flächen entwickelt wurde und die Vorteile der Zollverschlusszonenpolitik genoss.

Ein Jahr später, 1993, wurde das Kraftwerk Yangpu als Unternehmen mit Kapital aus Hongkong registriert. Angesichts der schwachen Strominfrastruktur und des dringenden Energiebedarfs der Inselprovinz zu jener Zeit beschlossen die Betreiber, zwei V94.2-Gasturbinen-Kombikraftwerke von Siemens zu importieren, um die Stromknappheit zu beheben, die die lokale Entwicklung bremste.

„Es waren damals die fortschrittlichsten Importgasturbinen ganz Chinas sowie die Gasturbinenanlagen mit der größten installierten Leistung“, erinnert sich Hu Cheng, der Chefingenieur des Kraftwerks, zurück.

Hu arbeitete damals, also 1994, noch in der 3000 Kilometer entfernten Provinz Liaoning in Nordostchina. Kurz nachdem er vom Import der Turbinen erfahren hatte, machte er sich auf den Weg nach Südchina, um die Geräte persönlich in Augenschein zu nehmen. Yangpu war zum damaligen Zeitpunkt noch ein kleines Fischerdorf. „Ich war damals einfach wissbegierig“, erzählt der Ingenieur.

Als technischer Spezialist und Übersetzer war Hu in den folgenden Jahrzehnten am gesamten Installations-, Betriebs- und Wartungsprozess der Anlagen beteiligt. „Das Wartungsteam von Siemens Energy leistete damals professionelle und zuverlässige Unterstützung, mit sorgfältiger Planung und präziser Terminkontrolle für jede Überholung der Anlagen“, sagt er rückblickend. Ob bei der Installation und Inbetriebnahme oder bei späteren Generalüberholungen – das deutsche Technikerteam sei stets pünktlich im Kraftwerk zur Stelle gewesen, um vor Ort Unterstützungsarbeit zu leisten.

Teils mit deutscher Hilfe, teils in Eigenregie führte der Chefingenieur sein Team durch anspruchsvolle Aufgaben wie umfangreiche Überholungen bei fast 50 Grad Hitze in den Maschinenräumen oder die Notstromversorgung während der Taifun-Saison. Außerdem vollzog er mit seinen Kollegen eine Reihe wichtiger technischer Modernisierungen, darunter die Umstellung von Öl auf Gas sowie Modifikationen am stickstoffarmen Verbrennungssystem.

2016 unterzeichneten beide Parteien einen flexibleren, selektiveren Zehnjahres-Servicevertrag, der das bisherige Pauschalmodell ersetzte. Dadurch wurde nicht nur die Ersatzteilversorgung gezielter, auch Wartungsdienst-Reaktion und -Ausführung wurden effizienter.

Über drei Jahrzehnte hinweg erzeugten die beiden genannten Anlagen mit ihrer installierten Gesamtleistung von 440 Megawatt insgesamt über 28,4 Milliarden Kilowattstunden Strom. Sie wurden siebenmal umfassend generalüberholt und zweimal erheblich modernisiert, blieben dabei jedoch stets stabil in Betrieb. In Kernzeiten trugen sie so etwa 40 Prozent der Spitzenlast des Hainaner Stromnetzes und wurden zum zentralen Bestandteil einer sicheren und stabilen Energieversorgung der Inselprovinz.

Mit der Ansiedlung weiterer Energieunternehmen im Gebiet Yangpu und dem verstärkten Ausbau erneuerbarer Energien wie Wind- und Solarkraft nahm die Bedeutung der beiden Turbinen, die einst das „Energieherz“ Yangpus ausgemacht hatten, jedoch allmählich ab. Im Oktober 2025 wurden sie nach Erreichen ihrer vorgesehenen Betriebsdauer planmäßig vom Netz genommen.

„Es ist, als würde man einen alten Freund verabschieden, der seine Mission erfüllt hat“, sagt Hu mit etwas Wehmut in der Stimme. „Es gibt zwar Widerwillen, aber mehr noch Stolz – in 30 Jahren haben uns die beiden Turbinen nie im Stich gelassen oder Probleme für das Stromnetz verursacht.“ Die Jahre, die er mit den Anlagen verbracht hat, spiegeln nicht nur seine persönliche Erfahrung, wie Yangpu den Sprung von einstiger Stromknappheit hin zu einer optimierten Energieinfrastruktur realisierte, sondern die Verwandlung einer ganzen Region – von einer kargen Landfläche zu einem modernen Industriegebiet.

Vom Lieferanten zum Mitgestalter

2020 veröffentlichte die chinesische Regierung ihren Masterplan zum Aufbau des Freihandelshafens Hainan, in dem Yangpu als entwicklungsmäßige Pilot- und Demonstrationszone ausgewiesen wurde. Yangpu übernahm damit die Führung bei der institutionellen Öffnung der Insel.

Unter dem Motto „In China, für China und die Welt“ richtete Siemens Energy seine globale Strategie zunehmend auf Lokalisierung aus. Diese Ausrichtung deckte sich einerseits mit dem Ziel Hainans, zu einer „Insel der sauberen Energie“ zu reifen, und andererseits auch mit Chinas „doppelten CO₂-Zielen“. Die Pläne Yangpus im Bereich intelligente Gerätefertigung weckten das Interesse der Führungskräfte des deutschen Weltkonzerns, was zu erneuten Gesprächen führte. Zunächst beschränkte sich die Zusammenarbeit jedoch auf einen „Abwarten und Tee trinken“-Ansatz.

Hierzu erklärt Li Rui, stellvertretende Generaldirektorin der Abteilung für Energieentwicklung bei Yangpu International: „Eine Hochleistungsgasturbine besteht aus zehntausenden Komponenten. Zum damaligen Zeitpunkt konnte allerdings keine einzige dieser Komponenten vor Ort in Hainan hergestellt werden. Die ersten Fragen, die sich daher stellten, waren also: Wie lassen sich die Lieferketten sicherstellen und wie die Gesamtkosten drosseln?“

Die damals schwache industrielle Basis Hainans in Sachen High-End-Fertigung war ursprünglich das größte Hindernis für die Umsetzung des Projekts. Was die Bedenken von Siemens Energy letztendlich zerstreute, waren das sich kontinuierlich verbessernde Geschäftsumfeld Hainans und die greifbaren politischen Vorteile, die die inselweiten speziellen Zollmaßnahmen mit sich brachten.

Dazu gehörten beispielsweise die kürzeste Negativliste für den Zugang ausländischer Investitionen in China, Chinas erste Negativliste für den grenzüberschreitenden Handel mit Dienstleistungen, ein deutlich gelockerter Marktzugang, eine vergünstigte Körperschaftssteuer und die Einrichtung des Heimathafens Yangpu. Mit der Umsetzung der Erleichterungsmaßnahmen für Zollabfertigung und Handel sowie der Liberalisierung und Vereinfachung von Investitionen gelang es Hainan schließlich, ein effizientes, stabiles und transparentes Entwicklungsumfeld für die globale High-End-Fertigung zu schaffen.

Am ersten Tag des neuen inselweiten Sonderzollbetriebs erlebte Lars Völker, General Manager von Siemens Energy (Hainan), persönlich, wie reibungslos sich der Ablauf gestaltet. Im Dienstleistungszentrum der Regierung von Yangpu erhielt er erfolgreich die Geschäftslizenz für sein Unternehmen – der Prozess von der Antragstellung bis zur Aushändigung dauerte nur einen Werktag.

Die Gasturbinenmontage- und Servicezentrale von Siemens Energy ist damit das erste ausländisch finanzierte Fertigungsprojekt in der Freihandelszone seit dem Start des unabhängigen Zollbetriebs. Die Zentrale wird sich über eine Fläche von fast 2,7 Hektar erstrecken, während das Projekt eine Baufläche von über 13.000 Quadratmetern abdecken soll. Die Fertigstellung und Inbetriebnahme ist für 2027 geplant. Bis dahin soll eine lokale Produktion von Gasturbinen in Hainan aufgebaut werden.

Es handelt sich hierbei nicht nur um eine Produktionsstätte, sondern um eine umfassende Plattform, die hochwertige Fertigung, technologische Forschung, Entwicklung und Innovation sowie Offshore-Dienstleistungen vereint. Die Anlage wird in erster Linie die Märkte in Hainan und Südostasien bedienen und sich mit gasbefeuerter Stromerzeugung, Offshore-Windenergie und grüner Wasserstoffenergie befassen. „Dies ist ein ganz neues Kapitel in unserer Zusammenarbeit“, sagt Jörn Schmücker, Senior Vice President von Siemens Energy. Das Projekt stimme mit dem Ziel der Freihandelszone Hainan überein, einen neuen Knotenpunkt für eine offene Wirtschaft hohen Standards zu schaffen. Sein Unternehmen wolle damit zum Aufbau eines hochwertigen industriellen Ökosystems beitragen und die Energiewende in China und weltweit vorantreiben.

Siemens Energy habe sich von einem Wartungsanbieter zu einem aktiven Mitgestalter gewandelt, sagt Ingenieur Hu Cheng. Der Prozess reiche von der Inbetriebnahme der ersten Anlage über die Vertiefung der Zusammenarbeit im Servicebereich bis hin zur Ansiedlung der Gasturbinenmontagebasis und des Servicezentrums. „Die Firma war Zeuge von Yangpus Sprung zum Industriecluster“, sagt Hu. Das neue Projekt trage nun nicht nur zur Förderung eines fortschrittlichen industriellen Ökosystems in Yangpu bei, sondern werde auch den technologischen Austausch und die Industriemodernisierung im Energiesektor in Hainan beschleunigen.

Mehr Branchen, mehr Talente

Die Einführung eines Projekts kann allerdings nur der Anfang sein. Die Grundlage für dauerhaften Fortschritt liegt im Anziehen von Talenten und der Förderung einer vollständigen, starken Industriekette.

Chen Qi, stellvertretender Direktor des Büros für Investitionsförderung in Yangpu, erklärt: „Durch die Bereitstellung exzellenter Dienstleistungen für Siemens möchten wir mehr ausländischen Investoren das hervorragende Geschäftsumfeld Hainans schmackhaft machen. Ein führendes Unternehmen effektiv zu unterstützen, bedeutet, seine gesamte Produtionskette zu fördern und dadurch weitere ausländische Investitionen nach Hainan zu holen.“

Die Strategie zahlt sich schon heute aus: Mehrere vorgelagerte Zulieferunternehmen haben sich bereits angesiedelt – darunter Kocel, die Anhui Yingliu Group und Shenyang Instrument Transformer. Ein Präzisionsfertigungs-Ökosystem rund um High-End-Gasturbinen nimmt also bereits Gestalt an.

Als erste ausländische Hochschule, die offiziell für den unabhängigen Betrieb in China zugelassen wurde, hat sich zudem die Hochschule Bielefeld in Yangpu niedergelassen. Sie wird im nächsten Jahr ihren ersten Absolventenjahrgang auf den Arbeitsmarkt entlassen. Ihr praxisorientiertes Bildungsmodell ist eng auf die industriellen Bedürfnisse Hainans abgestimmt und zielt darauf ab, anwendungsorientiertes Fachwissen zu vermitteln.

Inmitten dieses drei Jahrzehnte andauernden industriellen Wandels hat auch Hu seine eigene berufliche Entwicklung durchlaufen. Er begann als Ingenieur an vorderster Front, entwickelte sich zu einem technischen Experten und nationalen Vorzeigearbeiter und hat nun seinen Schwerpunkt auf die Talentförderung verlagert. In der Ausbildungsstätte, die im umgebauten Kraftwerk Yangpu eingerichtet wurde, leitet Hu eine Innovationswerkstatt, in der er Mitarbeiter dabei unterstützt, technische Engpässe zu überwinden, Kompetenzen im Bereich neue Energien und Anlagenanpassung aufzubauen und Fachkräfte für die Zukunft des Energiesektors vorzubereiten.

„Wir wollen unsere technische Kompetenz zur treibenden Kraft für die Entwicklung sauberer Energien machen“, sagt Hu. „Genau wie diese beiden erfahrenen Kraftwerke: zuverlässig, verantwortungsbewusst und tief in diesem Land verwurzelt.“

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Quelle: cdd-online.com.cn

Schlagworte: Siemens,Hainan,Freihandelshafen