Unternehmer Erhard Rau: „Hainan hat eine reiche Tradition und eine große Zukunft“
Erhard Rau war lange und erfolgreich als Unternehmer tätig, nicht nur in Lateinamerika, sondern auch in China. Jetzt widmet er sich, gemeinsam mit seiner chinesischen Ehefrau, der deutsch-chinesischen Verständigung. Zu Hainan hat er ein ganz persönliches Verhältnis, das er im Interview erläutert.
Sie sind gerade aus Hainan zurückgekommen. Wie waren Ihre Eindrücke?
Hainan ist natürlich ein ungewöhnlicher, gerade für Touristen sehr attraktiver Ort. Für mich ist es eine der schönsten Gegenden der Welt. Es ist die zweitgrößte Insel Chinas und wird, das ist jetzt besonders interessant, in Zukunft als strategisches Tor für Chinas Außenöffnung fungieren, als Wirtschaftssonderzone wertvolle Erfahrungen sammeln. Die Inselprovinz dürfte auf diesem Wege nicht nur der regionalen, sondern auch der globalen Wirtschaft neue Dynamik verleihen, insbesondere in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.
Soweit ich weiß, haben Sie sogar eine Wohnung auf der Insel?
Ja, meine Frau und ich haben dort sogar zwei Wohnungen, genauer gesagt sind es Apartments in Hotels. Wir vermieten sie nicht, sondern nutzen sie ausschließlich selbst, wenn wir dort sind. Uns gefällt es wirklich bestens vor Ort. Solche Apartments sind die verbreitetste Art, dort unterzukommen, um einen eigenen Bereich zu haben.
Was sind denn Ihre persönlichen Erfahrungen mit der Insel, was macht diesen Standort so außergewöhnlich?
Das ganz Besondere ist, dass der Freihandelshafen Hainan seit dem vergangenen Dezember spezielle Zollmaßnahmen eingeführt hat. Es gibt vor allem unglaublich viele amerikanische Firmen, die sich mittlerweile in Hainan registrieren lassen, um Zweigniederlassungen zu eröffnen. Besonders beliebt ist Hainan auch bei kanadischen Firmen. Insbesondere seit dem China-Besuch des kanadischen Premierministers Mark Carney im vergangenen Januar ist das Interesse deutlich gewachsen. Das war für meine Frau und mich an vielen Stellen unübersehbar.
Was hat Sie persönlich denn ursprünglich nach China und insbesondere nach Hainan geführt?
Nun, ich bin ja mit einer Chinesin verheiratet. Meine Frau stammt allerdings nicht aus Hainan, sondern aus der Provinz Shandong. Ich selbst komme aus Bayern. Bayern unterhält Partnerschaften mit insgesamt drei chinesischen Provinzen, und eine davon ist Shandong. Und da meine Frau früher in ihrer Heimat in der Politik tätig war, sind wir uns irgendwann begegnet, das erste Mal in Deutschland. Seither bin ich dann immer wieder gerne in China gewesen. Warum ausgerechnet Hainan? Nun, uns gefällt es dort einfach! Wir machen oft Urlaub auf der Insel, auch weil es vergleichsweise preiswert ist. Ich bin insgesamt ohnehin viel in China. Wir haben ja den unabhängigen Förderverein für Wirtschaft und Kultur, Deutschland e.V. gegründet. Unser Ziel ist es, ein positives Deutschlandbild ins Ausland zu transportieren.
Ihr Verein arbeitet aber nicht nur in China?
Richtig, wir sind auch in Brasilien und Albanien, Polen und Rumänien tätig. Wir unterhalten viele Standorte auf der Welt, an denen wir versuchen, Deutschland und unsere Kultur positiv abzubilden, als Brücke für die Wirtschaft. In China sind wir gut aufgestellt, sind in 15 Provinzen mit eigenen Niederlassungen aktiv.
Sie sind wahrscheinlich vor allem in den Wirtschaftszentren?
Nein, nicht unbedingt. Meistens sind wir dort, wo ich früher selbst, vor meinem Ruhestand, mit meinem Unternehmen vertreten war. Einige meiner Kontakte in China haben allerdings zu mir gesagt, dass sie mir gerne ein Büro zur Verfügung stellen würden und ich einen Standort einrichten dürfe.
Sie hatten aber schon sehr früh ein Interesse an China?
Ja. Ich machte mich etwa 1979 selbstständig und produzierte unter anderem Reinigungsmittel und Kosmetik. Allmählich nahm mein Geschäft internationale Dimensionen an. Die Anziehungskraft Chinas war von Anfang an groß, auch wenn mir das Land damals noch völlig fremd war. Irgendwann traf ich auf einem Kongress eine Delegation aus Shenzhen. Der Bürgermeister sagte mir: „Als Ausländer können Sie durchaus auch auf eigene Faust eine Firma betreiben!“ Einen Monat später haben wir daraufhin unsere Firma in China gegründet.
Was ist Ihre Prognose: Wie wird sich das Verhältnis zwischen Deutschland und China in Zukunft entwickeln?
Ich wünsche mir natürlich eine positive Entwicklung. Ich habe die Chinesen immer als sehr entgegenkommend empfunden. Es sind tolle Mitarbeiter, die wirklich eine hohe Leistung bringen. Zudem habe ich in China immer ohne Schwierigkeiten Zugang zu allen staatlichen Programmen bekommen. Dabei habe ich nie Vermittler eingesetzt, obwohl ich der Sprache selbst nicht mächtig war. Mit Übersetzern war das alles kein großes Problem.
Wann werden Sie das nächste Mal in China Urlaub machen? Wahrscheinlich geht es dann wieder nach Hainan?
Nein, es wird aller Voraussicht nach in die Greater Bay Area gehen, in die Nähe von Shenzhen. Dort wollen wir nämlich Ende des Monats einen Standort eröffnen. Genauer gesagt wird ein Gebäude eingeweiht, in dem wir ein Stockwerk nutzen werden. Geplant ist ein Schaufenster für deutsche Firmen, die gerne nach China kommen oder dort etwas verkaufen möchten. Unsere Unternehmen in Deutschland müssen neu denken in der heutigen Lage. Wir haben viele tolle Produkte. Zusammen mit China können wir das Ruder herumreißen und wieder Erfolg haben – wie wir es in der Vergangenheit ja immer wieder getan haben.











