Reiseziel Hainan: Jenseits von Sandstränden und Kokosnüssen
Hainan – da denken viele in erster Linie an traumhafte Strände, saftige Kokosnüsse und das berühmte Wenchang-Hühnchen. Doch die Insel hat weitaus mehr zu bieten: eine faszinierende Tierwelt, majestätische Berge, üppige Regenwälder, vulkanische Landschaften und malerische Küstenabschnitte.
An der südlichsten Spitze lockt das Surferparadies Sanya, nur wenige Kilometer entfernt liegt die Affeninsel, die mit der längsten Seilbahn Chinas erreicht werden kann und geschützte Makaken beheimatet. Im Landesinneren bei Baoting laden Thermalquellen zur Entspannung nach einer Wanderung im Sieben-Schwestern-Bergland ein. Abenteuerlustige können anschließend das zentrale Regenwaldhochland erkunden oder die wildere Westküste entdecken. Die Naturschätze Hainans sind schier unerschöpflich.
Bis 2030 will sich die Inselprovinz zu einem international bedeutenden Tourismus- und Konsumzentrum aufschwingen. Mit dem wachsenden Erfolg des Freihandelshafens entstehen auf der Insel auch zunehmend touristische Projekte mit unverwechselbarer Identität und globaler Ausstrahlung, die neue kulturelle Impulse setzen.
„Medizintourismus“: Die heilende Kraft der TCM
„Das war weit mehr als ein Urlaub – ein echtes Kulturerlebnis.“ So schwärmte der ungarische Boxer Kovacs Istvan nach seinem zweiwöchigen Aufenthalt auf Hainan über Weihnachten 2025 in den sozialen Medien. Seine ausführliche Reisestory lobte den visumfreien Zugang, den außergewöhnlich freundlichen Service und das vielfältige Angebot Sanyas. Der Ungar steht exemplarisch für eine wachsende Zahl internationaler Gäste, die nicht nur wegen des traumhaften Wetters, sondern auch aufgrund des Rufs als Gesundheits- und Wellnessziel nach Hainan reisen – insbesondere angezogen von der Traditionellen Chinesischen Medizin.
Vorzeigeeinrichtungen wie das Sanya Hospital of TCM und das Sanya International Friendship Sanatorium of TCM verbinden alte Heilmethoden mit moderner Medizin und richten sich gezielt an ein internationales Publikum. Seit 2002 sind sie Pioniere im „Medizintourismus“, einem attraktiven Mix aus Gesundheitsvorsorge und Reisen. Die Einrichtungen bieten individuelle Therapiepläne mit Akupunktur, Kräutermedizin, Ernährungsberatung und Wellnessaktivitäten an – ein Allround-Spa für Körper und Seele.
Die beiden Kliniken betreiben auch TCM-Zentren in Kasachstan und Kanada sowie vier KI-gestützte Telemedizin-Plattformen, die Patienten in Nordamerika, Europa und Afrika versorgen. „Allein 2025 haben wir über 10.000 ausländische Gäste behandelt und einen Umsatz von 5,83 Millionen Yuan erwirtschaftet“, sagt Yuan Ailin, die Vizeleiterin des Sanya Hospital of TCM. „Durch Technologie machen wir die TCM einem globalen Publikum zugänglich.“ Sogar ein Moxibustion-Roboter kommt zum Einsatz – eine innovative Melange aus uralten Heilverfahren und neuester Hightech.
Moxibustion ist eine 2000 Jahre alte Praxis, bei der Beifuß – ein Kraut, das für seine wärmenden Eigenschaften bekannt ist – kontrolliert verbrannt wird, um sanfte Wärme auf die Akupunkturpunkte entlang der Meridiane des Körpers auszuüben. In Zukunft könnten vermehrt Moxibustion-Roboter menschliche Praktiker bei der Identifizierung von Behandlungsbereichen und der Wärmeregulierung ersetzen. Dies zeigt, wie sich traditionsreiche Methoden wirksam mit fortschrittlicher Technologie verbinden lassen.
„Mit den neuen Sonderzollregelungen dürften die Synergien verschiedener Maßnahmen noch mehr Besucher anziehen“, ist Yuan überzeugt. Ihre Ziele für 2026 sind ambitioniert: Mehr als 20.000 internationale Gäste sollen kommen und über zehn Millionen Yuan an Medizintourismusumsatz generieren.
„Raumfahrtourismus“: Ein Blick in den Himmel
Der Weltraumbahnhof Wenchang im Nordosten Hainans ist Chinas erstes Kosmodrom heimischer Bauart, umweltfreundlich und modern. Derzeit verfügt er über zwei wetterunabhängige, multidirektionale Startrampen, die für schwere Nutzlasten ausgelegt sind. Wenchang ist zudem Standort des ersten kommerziellen Weltraumstartplatzes Chinas, von dem seit dem ersten Start im November 2024 mehr als 90 Satelliten in ihre geplante Umlaufbahn gebracht wurden.

Letzte Vorbereitungen für einen Start am kommerzie len Raumfahrtstartplatz Hainan (Foto: Öffentlichkeitsabteilung des Parteikomitees Hainan)
Die regelmäßigen Raketenstarts beflügeln den Tourismus in der Region. Die Besucherplattform zieht bei jedem Launch tausende Schaulustige an – 2025 waren es über 600.000. „Früher war ein Raketenstart während einer Reise Glückssache, heute planen wir unsere Trips eigens danach“, erzählt ein begeisterter Tourist. „Wir verbringen extra mehr Zeit in Wenchang, übernachten hier und unterstützen so die lokale Wirtschaft.“
In Longlou, der „Weltraumgemeinde“ Wenchangs, ist die Zahl der Hotels und Gasthäuser seit 2016 von fünf auf über 150 gestiegen. An Starttagen liegen die Belegungsraten bei über 95 Prozent. Mehr als 5000 Einheimische arbeiten inzwischen im Raumfahrttourismus, berichtet die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua. Für internationale Besucher bietet das Spektakel nicht nur ein visuelles Erlebnis, sondern auch einen Einblick in Chinas technologischen Fortschritt.

Beliebte Adresse bei Space-Fans: ein Blick auf den kommerzie len Raumfahrtstartplatz Hainan (Foto: Öffentlichkeitsabteilung des Parteikomitees Hainan)
Reibungsloses Reiseerlebnis: Politik als Wegbereiter
Die Grundlage dieses touristischen Höhenflugs bilden die vereinfachten und auf Öffnung ausgerichteten Richtlinien des Freihandelshafens. Diese „weiche Stärke“ macht die südlichste Provinz Chinas vom einfachen Ferienziel zum erstklassigen internationalen Reiseort.
Derzeit gewährt Hainan Bürgern aus 86 Ländern visumfreien Zugang, auch aus Deutschland und der Schweiz. Diese Regelung zeigt Wirkung: Neuesten Daten des Provinzamts für Tourismus, Kultur, Radio, Fernsehen und Sport zufolge begrüßte die Insel 2025 rund 106 Millionen Besucher, 9,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Darunter waren über 1,5 Millionen ausländische Gäste, ein Plus von 35,2 Prozent, von denen 90 Prozent visumfrei einreisten.
Parallel dazu wird das Verkehrsnetz ausgebaut. Die kasachische SCAT Airlines eröffnete eine Direktverbindung von Sanya nach Prag. Und 2025 kamen 87 neue internationale Flugrouten hinzu, die 42 Städte in 21 Ländern bedienen.
Die politischen Maßnahmen kommen bei den Gästen an: Zahlungshürden und Sprachbarrieren, die zuvor ein reibungsloses Reiseerlebnis für manche Besucher behinderten, wurden beseitigt. Über 33.800 Händler in Hainan akzeptieren mittlerweile ausländische Bankkarten, fast 10.000 POS-Terminals sind installiert. Alle 85 Sehenswürdigkeiten verfügen über mehrsprachige Beschilderung, bis Ende 2026 sogar in fünf Sprachen (Chinesisch, Englisch, Russisch, Japanisch und Koreanisch). Geplant ist zudem die Ausbildung von 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für den internationalen Tourismusservice. One-Stop-Servicezentren an Flughäfen helfen bei der Ankunft mit Beratung, erleichtern Geldwechsel und Kommunikation.
All diese Maßnahmen schaffen ein Umfeld, in dem sich Gäste aus aller Welt willkommen fühlen, sicher und rundum gut betreut. Beste Voraussetzungen also für eine Wiederkehr auf das tropische Eiland, das bei näherem Hinsehen tatsächlich weit mehr zu bieten hat als nur Sandstrände und Kokosnüsse.












