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Angeblich „zu niedriges“ BIP-Ziel?

Warum China mit seiner soliden Wirtschaftsplanung genau richtig liegt Exklusiv

german.china.org.cn  |  
10.04.2026

Von Oliver Eschke

Im neuesten Tätigkeitsbericht hat die chinesische Regierung das Wachstumsziel fürs laufende Jahr auf 4,5 bis 5,0 Prozent festgelegt. Einige westliche Journalisten sprechen vom „niedrigsten Ziel“. Doch ist diese Einschätzung überhaupt berechtigt? 

Ein Blick auf den Yangpu International Container Port in der Stadt Danzhou in der südchinesischen Provinz Hainan. (9. Januar 2025, Xinhua)

Viele westliche Beobachter haben sich scheinbar zu sehr an die imposanten, zweistelligen Wachstumszahlen gewöhnt, die China für seine Wirtschaft in den frühen 2000er Jahren regelmäßig vermelden konnte, sodass sie die normale und gesunde Entwicklung hin zu einem moderaten Wachstumstempo fälschlicherweise als „zu niedriges Wachstum“ porträtieren. Dabei ist diese Entwicklung keineswegs überraschend, sondern vielmehr die Norm, die auch bei anderen sogenannten Tigerstaaten zu beobachten war. Chinas Wirtschaft hat mittlerweile ein solches Volumen erreicht, dass jährliche Wachstumszahlen von über 10 Prozent schlichtweg kaum noch möglich sind. Das ist schlichte Volkswirtschaftslehre.

„Nur“ noch um die 5 Prozent?

Obwohl Deutschlands Wirtschaft in den letzten Jahren gar nicht wuchs und auch das aktuell angepeilte Miniwachstum von einem Prozent akut gefährdet scheint, malen einige deutsche Wirtschaftsjournalisten ein pessimistisches Bild für die Volksrepublik, nachdem diese für 2026 ein Wachstum im Bereich zwischen 4,5 und 5 Prozent anvisiert hat. Die Tagesschau schreibt zum Beispiel: „China setzt niedrigstes Wachstumsziel seit 1991.“

Klar ist das weniger als etwa die 10,3 Prozent im Jahr 2011, doch bei dieser simplen Betrachtung bleibt außen vor, dass sich Chinas Bruttoinlandsprodukt (BIP) seitdem etwa verdreifacht hat und es mit steigendem Niveau logischerweise immer schwieriger wird, ein nominell gleichbleibend hohes Wachstum zu erzielen. Während der Laufzeit des 14. Fünfjahresplans (2021-2025) überschritt Chinas Wirtschaftsleistung schrittweise die Schwellen von 110, 120, 130 und 140 Billionen Yuan. Insgesamt belief sich der wirtschaftliche Zuwachs der vergangenen fünf Jahre auf mehr als 36 Billionen Yuan. Mit einem rund 30-prozentigen Beitrag zum Wachstum der Weltwirtschaft gilt China in dieser Periode stets als eine Triebkraft und ein Wachstumspunkt der globalen Entwicklung.

Nach Jahrzehnten des rasanten quantitativen Wachstums legt Beijing nun einen größeren Wert auf eine qualitative Anpassung, weshalb im neuen 15. Fünfjahresplan (2026-2030) etwa die Produktivkräfte neuer Qualität im Vordergrund stehen. In dem Planungsdokument setzt Chinas Führung auf Zukunftstechnologien wie künstliche Intelligenz (KI), Quantentechnologie oder Computer-Gehirn-Schnittstellen, um in den nächsten Jahren ein qualitativ hochwertiges Wachstum zu realisieren. Das für das Jahr 2026 gesetzte Wachstumsziel im Korridor von 4,5 bis 5 Prozent ist einerseits immer noch deutlich höher als in den meisten westlichen Volkswirtschaften, lässt andererseits den notwendigen Spielraum für Strukturanpassungen, Risikoprävention und Reformen. Parallel dazu wächst die Wirtschaft weiterhin durchaus kräftig: In den ersten zwei Monaten stieg der Mehrwert der großen Industrieunternehmen landesweit zum Beispiel um 6,3 Prozent, während die Infrastrukturinvestitionen um 11,4 Prozent zunahmen.

Ein humanoider Roboter wird in der Beijing Economic-Technological Development Area präsentiert. (17. Juni 2025, Xinhua)

Die Stärkung des Binnenkonsums ist eine weitere Priorität im neuen Fünfjahresplan. Zum einen soll das mehr auf Qualität basierende Wirtschaftsmodell dazu beisteuern, zum anderen werden zahlreiche konkrete Maßnahmen zur Förderung der heimischen Nachfrage formuliert, die sich bereits in den letzten Jahren als erfolgreich erwiesen haben, wie etwa das Inzahlungnahme-Programm. Aus all dem sollte man jedoch nicht schlussfolgern, dass Chinas Exportstärke abnimmt. Ganz im Gegenteil: Die Außenhandelsdaten der ersten zwei Monate in diesem Jahr (Warenhandel plus 18,3 Prozent und Serviceexporte um 4,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum) machen deutlich, dass Chinas Produkte und Dienstleistungen im Ausland immer mehr an Beliebtheit gewinnen – egal ob es um Elektroautos von BYD oder um KI-Services von DeepSeek geht. Dass China seinen Riesenmarkt aber gleichzeitig auch für die Welt öffnet, wird durch Initiativen wie „Großer Markt für alle: Export nach China“ belegt, die ins Leben gerufen wurden, um die eigene Integration in die Weltwirtschaft weiter zu stärken.

In Kürze lässt sich festhalten: Die formulierten Wirtschaftsziele stehen keineswegs für Schwäche und Rückgang, sondern zeichnen sich durch Realismus, Pragmatismus und Weitsicht aus. Statt übersteigerter Wachstumsvorgaben stehen die Stabilität, die Qualität des Wachstums und die Verbesserung der Lebensverhältnisse im Mittelpunkt. Dies ist ein klares Zeichen dafür, dass die chinesische Wirtschaft nicht mehr nur auf Quantität, sondern auf nachhaltige Stärke setzt und sich somit perfekt für die Zukunft rüstet.

Der Autor ist langjähriger Ostasienexperte, war lange Jahre für internationale und chinesische Organisationen tätig und arbeitet nun als freier Journalist in China. Die Meinung des Autors spiegelt die Position unserer Webseite nicht notwendigerweise wider.

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Quelle: german.china.org.cn

Schlagworte: BIP-Ziel,China,Wirtschaftsplanung