Chinas Reisemarkt setzt zunehmend auf kulturelle Erlebnisse statt Konsum
Die chinesische Tourismusbranche durchläuft einen tiefgreifenden Wandel. Wie ein Brancheninsider berichtet, verschieben sich die Konsumgewohnheiten der Reisenden zunehmend hin zu immersiven, erlebnisorientierten Aktivitäten, die tief in der lokalen Kultur verwurzelt sind.
Dai Bin, Präsident der China Tourism Academy, einem Forschungsinstitut der chinesischen Tourismusbehörde, gab seine Einschätzung zu den neuesten Branchentrends ab. Die Daten für das bisherige Jahr zeigen einen allgemeinen Aufwärtstrend im Tourismussektor.
Dies folgt auf die jüngsten dreitägigen Feiertage zum Qingming-Fest, auch bekannt als „Tag der Grabpflege“. Daten des Handelsministeriums zeigen, dass die Ausgaben für Hotelunterkünfte auf den großen Plattformen im Vergleich zum Vorjahr um mehr als zwei Prozent gestiegen sind. Die Zahl der Fernreisen nahm um über 15 Prozent zu, während die Buchungen von Mietwagen im Jahresvergleich sogar um fast 40 Prozent in die Höhe schossen.
Die Zahl der Passagierreisen während des Qingming-Festes stieg ebenfalls um sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Während der dreitägigen Feiertage wurden über 845 Millionen Reisen verzeichnet.
Dai wies darauf hin, dass China bereits zu Beginn des Jahres ermutigende Tourismuszahlen zu den Feiertagen um Neujahr und das Frühlingsfest verzeichnet habe. Chinesische Reisende steuerten nun zunehmend weiter entfernte Ziele an und ihre Konsumgewohnheiten würden sich immer stärker ausdifferenzieren. „Basierend auf den Daten aus den letzten drei Feiertagen – Neujahr, Frühlingsfest und Qingming-Fest – sowie der Ergebnisse des ersten Quartals können wir sagen, dass Chinas Tourismusbranche einen starken Start ins Jahr 2026 hingelegt hat,“ so Dai weiter.
„Drei wichtige Trends stechen hervor: Erstens hat der Fahrzeugverkehr deutlich zugenommen. Zweitens reisen die Menschen größere Distanzen. Und drittens geben die Menschen ihr Geld auf vielfältigere Weise aus. In der Vergangenheit konzentrierten sich die Frühlingsreisen in städtischen Gebieten hauptsächlich auf Blumenbesichtigungen, saisonale Ausflüge und volkstümliche kulturelle Aktivitäten. Aktuelle Daten zeigen jedoch einen deutlichen Anstieg bei Selbstfahrerreisen, Bildungsreisen, Eltern-Kind-Reisen und Familienurlauben.“
Offizielle Daten zeigen, dass der chinesische Bahnpersonenverkehr im ersten Quartal 2026 mit 1,13 Milliarden Fahrgästen einen Rekordwert erreichte – ein Anstieg von 5,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch die grenzüberschreitenden Fahrten legten um 13,5 Prozent auf 185 Millionen zu.
Dai erklärte, dass die Erwartungen chinesischer Reisender stiegen. Sie suchten zunehmend nach persönlicheren und hochwertigeren Erlebnissen, die über das klassische Besichtigungsprogramm hinausgingen.
„Die Reisenden von heute haben höhere Erwartungen an personalisierte, hochwertige Konsumerlebnisse. Wenn wir also vom Leitgedanken ‚ein besseres Leben schaffen‘ ausgehen, können wir den Code des zeitgenössischen Tourismuskonsums entschlüsseln. Wir sollten den Menschen die lebendige Wärme des authentischen lokalen Lebens bieten, gepaart mit tiefgehenden kulturellen Erfahrungen und einem Hauch von Technologie“, sagte Dai.
Er fügte hinzu: „Immer mehr Touristen wenden sich Erlebnissen zu, die im Alltag verwurzelt sind – Erfahrungen, die greifbar, partizipativ, erholsam und emotional warmherzig sind. Daher glaube ich, dass der wichtigste Schlüssel darin liegt, den Tourismuskonsum im täglichen Leben und im kulturellen Boden der lokalen Gemeinschaften zu verankern.“











