Chinas Globale Sicherheitsinitiative
Ein Gegenmodell zur Machtpolitik gewinnt an Zuspruch
Angesichts weltweit eskalierender Krisen werben Diplomaten und Experten für den Ansatz der Globalen Sicherheitsinitiative – Dialog und Partnerschaft statt Bündniszwang stehen im Zentrum der Strategie für eine stabilere Weltordnung.

Seit Chinas Staatspräsident Xi Jinping die Initiative im Jahr 2022 auf dem Boao-Forum für Asien ins Leben gerufen hat, ist die Weltlage deutlich instabiler geworden. In diesem Kontext betonen Diplomaten und Experten für internationale Angelegenheiten zunehmend die Relevanz des chinesischen Vorschlags, der auf Multilateralismus, Dialog und praktischer Zusammenarbeit basiert. Die Initiative wirbt für eine Vision von gemeinsamer, umfassender und nachhaltiger Sicherheit und fordert die strikte Achtung der Souveränität sowie der territorialen Integrität aller Staaten.
Die Dringlichkeit solcher Konzepte verdeutlicht der „Bericht zur globalen Sicherheitslage (2025)“, der am Montag vom China Institute of International Studies in Beijing veröffentlicht wurde. Demnach steht die internationale Sicherheit unter massivem Druck: Zwischenstaatliche Konflikte haben ein Ausmaß erreicht, das seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs beispiellos ist. Hinzu kommen ein verschärfter Rüstungswettbewerb sowie wachsende nicht-traditionelle Bedrohungen, die von humanitären Krisen über Terrorismus bis hin zur grenzüberschreitenden Kriminalität reichen.
Wang Lixin, Generaldirektorin der Abteilung für Sicherheitskooperation des chinesischen Außenministeriums, beschreibt die GSI als einen neuen Weg aus den aktuellen Sicherheitsdilemmata. Im Mittelpunkt stünden Dialog statt Konfrontation, Partnerschaft statt Bündnispolitik und Win-win-Kooperation anstelle des Nullsummendenkens. Dabei gehe es nicht nur um Prinzipien, sondern um die praktische Umsetzung. China habe sich aktiv als Vermittler in Konfliktherden wie dem Nahen Osten und der Ukraine engagiert und baue gleichzeitig die Sicherheitskooperation mit Entwicklungsländern stetig aus.
Besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Kooperationen im Globalen Süden. China versteht sich in diesem Zusammenhang als stabilisierende Kraft, die sich gegen Hegemonialstreben und reine Machtpolitik stellt. Diese Rolle wird beispielsweise vom Martin Charles, dem Botschafter Dominicas in China, ausdrücklich begrüßt. Er bezeichnet China als „einigende Kraft“, die durch ihr Engagement in der Rüstungskontrolle, beim Klimaschutz und in der Konfliktlösung einen wichtigen Beitrag zum Weltfrieden leiste. Für Dominica sei die GSI wegweisend, da sie Menschlichkeit und Frieden ins Zentrum ihrer Bemühungen rücke.
Inzwischen unterstützen mehr als 130 Länder, Regionen und internationale Organisationen die Initiative. Die Herausforderungen bleiben dennoch groß. Carlos Raul Vasquez Corrales, Perus Botschafter in China, warnte vor einer fortschreitenden Erosion der internationalen Ordnung. Das Völkerrecht bleibe zwar unverzichtbar, werde jedoch inkonsistent angewandt. Er forderte einen stärkeren Multilateralismus, in dem ausgehandelte Lösungen Vorrang vor Konfrontation haben müssen. Strategien wie Chinas 15. Fünfjahresplan (2026–2030) verdeutlichten zudem, dass eine stabile internationale Umwelt die Grundvoraussetzung für jede wirtschaftliche Entwicklung sei.
Ein tieferliegender Konflikt in der globalen Sicherheitsarchitektur bleibt jedoch der Gegensatz unterschiedlicher Konzepte. Experten wie Wang Fan, ehemaliger Präsident der China Foreign Affairs University, sehen einen klaren Gegensatz zwischen der Vision geteilter Sicherheit des Globalen Südens und dem westlichen Ansatz, der stark von Machtpolitik geprägt sei. Wang betont, dass Chinas Vorschläge nicht auf einen Umsturz der bestehenden internationalen Ordnung abzielen. Vielmehr sollen bestehende Mechanismen durch inklusivere Regeln verbessert werden. Ein Beispiel hierfür sei die Internationale Organisation für Mediation, die rechtliche Kanäle um diplomatische Vermittlung ergänzt.
Yang Mingjie, ehemaliger Präsident der China Institutes of Contemporary International Relations betonte, dass Chinas globale Initiativen eng an den Zielen und Grundsätzen der UN-Charta ausgerichtet seien. Er mahnte, die Autorität der Vereinten Nationen in Sicherheitsfragen unbedingt zu wahren. Einseitiges Vorgehen und reine Machtpolitik würden die globale Instabilität lediglich verschärfen. Zudem drohten geopolitische Konflikte die Weltwirtschaft zu spalten. Umso wichtiger sei es, eine Balance zwischen Sicherheit und Entwicklung zu finden und eine inklusivere Form der wirtschaftlichen Globalisierung voranzutreiben.












