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„Physische KI“

Intelligenz als neuer Motor auf der „Auto China“ in Beijing

german.china.org.cn  |  
27.04.2026

Auf der „Auto China“ 2026 dominieren Fahrzeuge mit „physischer KI“. Die Messe zeigt nicht Rekordzahlen, sondern den Wandel zu intelligenten Systemen und enger Zulieferer-Hersteller-Partnerschaften als Kern des Wettbewerbs.

Am ersten Fachbesuchertag der diesjährigen Beijing International Automotive Exhibition am Sonntag drängten sich die Besucher an den zahlreichen Ständen. Besonders gefragt war der Stand von BYD zur Schnellladetechnik: In einer Kältekammer bei minus 30 Grad lud ein neues Elektroauto in nur zwölf Minuten von 20 auf 97 Prozent – ein echter Publikumsmagnet.

Am Stand von Nio hingegen bewegte sich eine ES9 synchron mit einem humanoiden Roboter. Das vollaktive Fahrwerk reagierte in Millisekunden und spiegelte die Bewegungen der Maschine exakt wider.

Die Messe stellt einen neuen Weltrekord auf: Sie erstreckt sich über 380.000 Quadratmeter an zwei Standorten und präsentiert 1.451 Fahrzeuge – darunter 181 Premieren und 71 Konzeptautos.

Doch das Entscheidende ist nicht der Größenrekord, sondern die Art des Wettbewerbs in der Branche.

„Physische KI“ – die Fähigkeit von Fahrzeugen, die reale Welt wahrzunehmen, zu denken und zu handeln – hat sich als eigenständiges Thema etabliert. Sie befindet sich auf dem Weg vom technischen Konzept zur großflächigen Umsetzung.

Cao Xudong, CEO des Anbieters für autonome Fahrlösungen Momenta, erklärte, das „R7“-Reinforcement-Learning-Weltmodell seines Unternehmens, das bereits in Serienfahrzeugen zum Einsatz kommt, werde intensiv mit seltenen „Long-Tail“-Szenarien in virtuellen Umgebungen trainiert. „Unser Ziel ist es, dass das Modell in extremen Ausnahmesituationen besser abschneidet als ein menschlicher Fahrer. Das ist der wahre Wert der physischen KI“, sagte Cao.

Beim intelligenten Fahren gehe es nicht länger darum, menschliches Verhalten nachzuahmen, so die Aussteller. Vielmehr gehe es darum, von der Wahrnehmung der Welt zu ihrem Verständnis zu gelangen – hin zu Systemen, die in komplexen Situationen eigenständige Entscheidungen treffen können.

Die wohl strukturell bedeutendste Entwicklung auf der diesjährigen Messe ist das, was die Veranstalter „integrierte Ausstellung“ nennen: Erstmals teilen sich Kernzulieferer die Haupthallen mit den Fahrzeugherstellern. Dies spiegelt einen Wandel in der Beziehung zwischen Autoherstellern und Zulieferern wider – vom reinen Einkauf hin zu engen Co-Kreationspartnerschaften.

„Ein Großteil unserer Innovation entsteht durch gemeinsame Problemlösungen entlang der gesamten Lieferkette“, sagte William Li, Vorsitzender des chinesischen Autoherstellers Nio.

Er beschrieb Chinas intelligente Elektrofahrzeugindustrie als eine der „wechselseitigen Befähigung“ und sagte, der künftige Wettbewerb werde nicht zwischen einzelnen Unternehmen stattfinden, sondern zwischen gesamten Ökosystemen.

Die auf der Messe gezeigten Partnerschaften haben dieser Argumentation eine konkrete Form gegeben. Chery und Bosch gaben ein gemeinsames Entwicklungsprogramm für eine neue 48-Volt-Fahrzeugarchitektur bekannt, die zunächst in China zur Serienreife gebracht werden soll. Der chinesische Autohersteller Dongfeng und Huawei haben gemeinsam den Yijing X9 entwickelt, der auf der Messe Weltpremiere feiert – mit einer durchgängigen Integration seiner elektrischen Systeme, Fahrwerke und Datensysteme.

Beim Gang durch die Hallen fällt die große Vielfalt der angebotenen Fahrzeuge auf – darunter sportliche Limousinen, intelligente Geländewagen, die gleichermaßen für die Stadt wie für offenes Gelände geeignet sind, und geräumige MPVs für Familienkomfort. Diese Bandbreite spiegelt eine gemeinsame strategische Ausrichtung vieler Hersteller wider: zu verstehen, was verschiedene Nutzer wirklich wünschen, und Wettbewerbsvorteile durch Differenzierung aufzubauen.


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Quelle: german.china.org.cn

Schlagworte: Intelligenz,Motor,Automobilmesse,Auto China