Kulturelle Anziehungskraft
Warum der Trend „Becoming Chinese“ weltweit die Einkaufskörbe füllt
Der virale Internettrend „Becoming Chinese“ wird zum Wirtschaftsfaktor: Was als humorvolle Videoserie begann, entwickelt sich zu einem globalen Phänomen mit realen Auswirkungen auf Konsum, Industrie und Tourismus. Zwischen Lifestyle, kultureller Faszination und wachsender Nachfrage nach Alltagsprodukten zeigt sich, wie China daraus sowohl kulturell als auch ökonomisch Kapital schlägt.
Die Videoserie „Becoming Chinese“, in der Sherry Zhu, eine Amerikanerin chinesischer Abstammung, scherzhaft Lebensregeln im chinesischen Stil aufstellte, verbreitete sich so schnell wie ein Lauffeuer. Teilweise von ihr inspiriert, begannen Millionen von Nutzern im Ausland, Videos zu posten, in denen sie zeigten, wie sie typische chinesische Alltagsgewohnheiten übernahmen – vom Trinken von warmem Wasser und Goji-Beeren-Tee bis hin zum Tragen von Hausschuhen und dem Praktizieren von Tai Chi.
Bemerkenswert ist, dass dieser grenzüberschreitende kulturelle Trend inzwischen über die virtuellen Bildschirme hinausgewachsen ist und sich in greifbare wirtschaftliche Gewinne in Milliardenhöhe niederschlägt. Laut chinesischen Zolldaten beliefen sich Chinas Exporte von Thermoskannen im ersten Quartal des laufenden Jahres beispielsweise auf fünf Milliarden Yuan (etwa 624,55 Millionen Euro). Gleichzeitig beliefen sich die Tee-Exporte auf 2,7 Milliarden Yuan, während der Auslandsumsatz mit Wasserkochern ein Volumen von 200 Millionen Yuan erreichte.
Diese steigenden Zahlen erzählen eine größere Geschichte, in der Chinas wachsende industrielle Stärke mit seiner zunehmenden kulturellen Anziehungskraft einhergeht.

Vom funktionalen Gefäß zur Lifestyle-Ikone
Hinter dem Exportboom verbirgt sich die stille, aber unübersehbare Aufwertung der chinesischen Fertigungsindustrie: Alltagsgegenstände haben sich von Fabrikware zu modischen State
ments und von Gebrauchsgütern zu global wettbewerbsfähigen Lifestyle-Marken verwandelt.
So steht China etwa an erster Stelle in der weltweiten Thermoskannen-Industrie mit einer Jahresproduktion von rund 800 Millionen Einheiten, was über 60 Prozent der weltweiten Gesamtproduktion ausmacht. Diese starke Produktionskapazität wird durch das Industriecluster Yongkang-Wuyi-Jinyun in der ostchinesischen Provinz Zhejiang gestützt, einem hochentwickelten Ökosystem, das als Kernpfeiler der chinesischen Thermoskannen-Exporte dient.
Branchenanalysen zeigen, dass dieses Cluster 70 bis 80 Prozent der gesamten chinesischen Thermoskannen-Exporte ausmacht. Lokale Hersteller dort produzieren rund 80 Prozent der Thermoskannen-Produkte für große westliche Marken. Innerhalb einer Autostunde sind alle notwendigen Komponenten verfügbar, was eine schnelle Prototypenentwicklung und eine effiziente Zusammenarbeit in der Lieferkette ermöglicht.
Brancheninsider glauben, dass die Nachfrage nach chinesischen Thermoskannen im Ausland keineswegs nur eine kurzlebige Modeerscheinung ist. In den nächsten drei bis fünf Jahren werden intelligente Becher, die z.B. die Verbraucher zum Trinken erinnern können, voraussichtlich in Europa und Nordamerika sehr gefragt sein. Gleichzeitig stehen neue Materialien wie Titan, die leichter und sicherer als herkömmliche Optionen sind, kurz vor einer breiteren Einführung.
Vom Online-Trend zur Offline-Reise
Wenn die Modernisierung der Fertigung die Hard Power der Warenexporte darstellt, verkörpert die Verbreitung eines alltäglichen Lebensstils die Soft Power der kulturellen Kommunikation.
Im Gegensatz zu früheren Wellen, die große klassische Symbole wie die Peking-Oper, alte Lyrik und Teile des immateriellen Kulturerbes im Handwerk in den Vordergrund stellten, ist der Trend „Becoming Chinese“ eher im Alltäglichen verankert: Goji-Beeren-Tee aus einer Thermoskanne trinken, Augenübungen zwischen Bildschirmpausen machen, Kräuterfußbäder nehmen und viele andere. Diese Gewohnheiten sind leicht zu verstehen, einfach zu übernehmen und reich an persönlicher Erfahrung, was es einfacher macht, interkulturelle Barrieren abzubauen.
Während ausländische Internetnutzer online begeistert am „Becoming Chinese“-Trend teilnehmen, entscheiden sich immer mehr Touristen aus dem Ausland für eine Reise nach China, um die authentische lokale Kultur persönlich zu erleben.

Dank Chinas kontinuierlicher Bemühungen um Öffnung und optimierter Einreisebestimmungen, wie der visumfreien 240-Stunden-Transitregelung für 55 Länder, wurde das grenzüberschreitende Reisen erheblich erleichtert. Im Jahr 2025 erreichte die Zahl der ausländischen Einreisetouristen 150 Millionen, was einem Anstieg von über 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Zahl der visumfreien Einreisen von Ausländern überstieg die Schwelle von 30 Millionen, was einem Anstieg von 49,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Allein im ersten Quartal 2026 bearbeiteten die Zollbehörden des Landes mehr als 230.000 Anträge auf Steuerrückerstattung von ausreisenden ausländischen Touristen, was einer Verfünffachung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht.
„Viele ausländische Freunde kommen, um in das Reisen mit Hochgeschwindigkeitszügen einzutauchen, Hanfu zu tragen, Feuertöpfe zu essen und den chinesischen Lebensstil hautnah zu erleben“, sagte Wang Jun, stellvertretender Leiter der Chinesischen Allgemeinen Zollverwaltung. Deren Einkaufslisten haben sich über Elektronikartikel wie Smartphones und VR-Headsets hinaus auf kulturelle und kreative Produkte sowie trendiges Spielzeug ausgeweitet.












