Hainan als „wichtiges Tor“
China und ASEAN treiben Integration der Meereswirtschaft voran
Auf einem Dialogforum in Haikou haben Vertreter Chinas und der ASEAN-Staaten eine engere Kooperation in der maritimen Wirtschaft angekündigt. Der Freihandelshafen Hainan soll dabei als zentrales Drehkreuz fungieren.

In einer Zeit zunehmender geopolitischer Unsicherheiten und wachsender protektionistischer Tendenzen blicken China und die ASEAN-Staaten verstärkt auf die Ressourcen der Weltmeere. Experten und Regierungsvertreter betonten am Sonntag auf dem „China-ASEAN Blue Economy Cooperation Dialogue“ in Haikou, Hauptstadt der südchinesischen Inselprovinz Hainan, das immense Potenzial einer vertieften Zusammenarbeit im Sektor der sogenannten „Blauen Wirtschaft“. Ziel ist es, durch einen integrierten gemeinsamen Markt die regionale Widerstandsfähigkeit gegenüber externen Schocks zu stärken.
Die Notwendigkeit einer engeren Abstimmung wird durch globale Risiken in den Energie- und Lieferketten sowie die Volatilität der Weltmärkte unterstrichen. Vor diesem Hintergrund rücken Bereiche wie Meeresenergie, Hafenlogistik, Schifffahrt, maritimer Tourismus und Küstenindustrien verstärkt in den Fokus der strategischen Partnerschaft. Der Freihandelshafen Hainan soll dabei dank seiner geografischen Lage und steuerpolitischen Vorteile als zentrales Bindeglied fungieren.
Gemäß der Definition der Weltbank umfasst die „Blaue Wirtschaft“ die nachhaltige Nutzung der Meeresressourcen für wirtschaftliches Wachstum, verbesserte Lebensgrundlagen und Beschäftigung, während gleichzeitig die Gesundheit der marinen Ökosysteme gewahrt bleibt. Wang Bin, Mitglied des Ständigen Ausschusses des Provinzkomitees der Kommunistischen Partei Chinas in Hainan, bezeichnete die Insel als wichtiges „Tor für Chinas Öffnung gegenüber den ASEAN-Staaten“. Hainan unternehme derzeit enorme Anstrengungen, um eine qualitativ hochwertige maritime Entwicklung voranzutreiben und eine aktive Rolle in der regionalen Integration zu spielen.
Lü Bin, Präsident der China Oceanic Development Foundation, sieht im Freihandelshafen Hainan eine seltene Gelegenheit, langjährige strukturelle Engpässe zu überwinden, die einer tieferen Integration bisher im Wege standen. Die besonderen Öffnungsmechanismen und das politische Umfeld der Provinz böten ideale Voraussetzungen für einen gemeinsamen Markt. Chi Fulin, Präsident des China Institute for Reform and Development, ergänzte, dass ein regional integrierter Markt im maritimen Bereich die Region nicht nur stabilisieren, sondern auch neue Räume für die industrielle Zusammenarbeit und die engere Verknüpfung von Lieferketten eröffnen würde.
Wie dynamisch sich dieser Sektor bereits entwickelt, zeigen die jüngsten Wirtschaftsdaten aus Hainan: Das sogenannte „Bruttomeeresprodukt“ der Provinz stieg im Jahr 2025 um 7,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und entwickelte sich damit zu einer tragenden Säule des lokalen Wachstums. Getrieben wird diese Expansion vor allem durch aufstrebende Bereiche wie die Tiefsee-Öl- und Gasindustrie. Ein Meilenstein ist dabei das Gasfeld „Deep Sea No. 1“, Chinas erste eigenständig entwickelte Tiefsee-Förderplattform, die kürzlich bereits seine 100. Rohöllieferung seit der Inbetriebnahme im Jahr 2021 abschloss.
Auch von Seiten der ASEAN-Staaten wird dieser Kurs mit Optimismus verfolgt. Unny Sankar Ravi Sankar, Gesandter für Wirtschaftsangelegenheiten an der malaysischen Botschaft in China, bezeichnete die Blaue Wirtschaft als einen der vielversprechendsten Wege zu einem integrierten regionalen Markt, der die Entwicklungslandschaft Südostasiens transformieren könne. Rokhmin Dahuri, Indonesiens ehemaliger Minister für maritime Angelegenheiten und Fischerei, wies darauf hin, dass China und die ASEAN-Staaten gemeinsam eine der dynamischsten maritimen Regionen der Welt bilden würden.
Trotz der positiven Aussichten mahnten Experten jedoch auch die Bewältigung struktureller Herausforderungen an. Dahuri betonte, dass der Sektor mit drängenden Problemen wie Überfischung, Meeresverschmutzung und dem Verlust der biologischen Vielfalt konfrontiert sei. Es gelte, eine Balance zwischen wirtschaftlichem Wachstum und ökologischem Schutz zu finden. Hierbei könne China eine führende Rolle einnehmen, indem es Spitzentechnologien wie Künstliche Intelligenz, Drohnen- und Robotik-Technik einsetzt, um die Potenziale der Meere auf nachhaltige Weise zu erschließen.












