Schnelle technologische Fortschritte und reichlich Kapital
Chinas Robotikindustrie gewinnt an Fahrt
Die chinesische Robotikindustrie befindet sich nach Einschätzung von Branchenanalysten auf der Überholspur. Angetrieben wird das Wachstum von einer steigenden Marktnachfrage, einer verstärkten Kapitalunterstützung sowie einer zunehmenden Kommerzialisierung in Industrie- und Dienstleistungsbereichen.
Der heimische Hersteller von Roboterhänden, AGILINK, konnte in einer neuen Finanzierungsrunde hunderte Millionen Yuan (mehrere zehn Millionen US-Dollar) einsammeln und damit eine Bewertung von über einer Milliarde US-Dollar erreichen – was dem Einhornstatus („Unicorn“) entspricht. Das Unternehmen, eine Tochter des führenden Humanoid-Robotik-Herstellers AGIBOT, wurde erst vor wenigen Monaten gegründet und hat seitdem mehr als 8.000 Roboterhände sowie über 10.000 Greifer ausgeliefert. Mehr als 1.000 Einheiten sind bereits in Industrie-, Logistik- und Dienstleistungsumgebungen im Einsatz.
Laut eigenen Angaben wird AGILINK die frischen Mittel unter anderem in die Entwicklung von Großsprachmodellen (LLM) für Roboterhände, den Aufbau von Open-Source-Datensätzen, die Weiterentwicklung von Hardwareprodukten sowie die breite Nutzung in der Industrieautomation, Servicerobotik und bei Spezialeinsätzen investieren.
Die Branche der verkörperten Intelligenz in China zieht weiterhin starkes Investoreninteresse auf sich. Daten zeigen, dass es im ersten Quartal 2026 mehr als 50 Finanzierungsrunden mit über 30 beteiligten Unternehmen gab. Das Gesamtvolumen belief sich auf rund 20 Milliarden Yuan (2,94 Milliarden US-Dollar), was einem Anstieg von fast 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

„Chinas Stärke im globalen Wettbewerb bei verkörperter Intelligenz liegt nicht in einzelnen technischen Parametern, sondern in der Vielfalt der Fertigungsszenarien, der Vollständigkeit der Lieferketten und der Effizienz der Koordination zwischen Kapital und Industrie“, erklärte Tian Feng, ehemaliger Dekan des SenseTime Intelligence Industry Research Institute.
Das Jahr 2026 gilt als Schlüsseljahr für die Massenproduktion und großflächige Erprobung in der verkörperten Intelligenz. Der Wettbewerb verlagere sich zunehmend von der Entwicklung vollständiger humanoider Roboter hin zur modularen Spezialisierung. Die Roboterhand, die etwa 20 Prozent der Gesamtkosten eines humanoiden Roboters ausmache, sei entscheidend für die Intelligenz- und Einsatzfähigkeit des gesamten Systems, so Tian.
Die Finanzierungslandschaft weist laut Wang Feili, Analystin bei UBS Securities China, neue Merkmale auf. Roboterhersteller konzentrierten sich verstärkt auf KI-Großsprachmodelle, während Komponentenlieferanten auf Kernbauteile wie Roboterhände setzten. Das Leasing von Robotern habe sich zu einem vielversprechenden Geschäftsfeld entwickelt. Es helfe den Herstellern nicht nur beim Absatz, sondern ermögliche es auch, schneller und effizienter an Daten zu gelangen.
Morgan Stanley prognostiziert, dass der chinesische Robotikmarkt von 47 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 auf 108 Milliarden US-Dollar im Jahr 2028 wachsen wird – was einer jährlichen Wachstumsrate von 23 Prozent entsprechen würde.












