Risiken gemeinsam beherrschen
China und USA: Mehr Zusammenarbeit in der KI-Governance gefordert
Während China und die USA im Wettlauf um den Ausbau ihrer KI-Fähigkeiten stehen, fordern Ökonomen eine engere Zusammenarbeit bei der globalen Governance und bei Sicherheitsstandards, um die Risiken dieser Technologie besser zu beherrschen.
Laut der Einschätzung vieler Ökonomen behalten die USA zwar weiterhin die Führung in der KI-Spitzenforschung, bei großen Sprachmodellen und in der Rechenleistung – doch China schließt rasch auf. Besonders stark ist China bei der Integration von KI in Fertigung, Verbraucherdienste und andere Bereiche der Realwirtschaft.
„Es gibt zwei Hauptakteure bei der Entwicklung von Spitzen-KI – China und die USA“, sagte der Ökonom und Nobelpreisträger Michael Spence. „Bei der Leistungsfähigkeit gibt es praktisch keinen messbaren Unterschied mehr.“
Laut dem Institute for Human-Centered Artificial Intelligence der Stanford-Universität haben US-amerikanische und chinesische KI-Modelle seit Anfang 2025 mehrfach die Spitzenplätze in den Leistungsrankings getauscht.
„Die Modelle der KI-Innovation in China und den USA unterscheiden sich erheblich“, sagte Zhu Min, ehemaliger stellvertretender Direktor des Internationalen Währungsfonds. „Die USA konzentrieren sich auf große Modelle, immense Rechenleistung und eine starke Basis – sie streben nach einer Art ‚künstlicher Superintelligenz‘. Ihnen geht es um die Entwicklung der Intelligenz an sich.“
China hingegen setze auf die Anwendung von KI in der Realwirtschaft. „Bei der Bewertung, ob KI gut ist, misst China dem Nutzen und der Bequemlichkeit für die Wirtschaft und den Alltag der Menschen größeres Gewicht bei“, so Zhu.
Spence erklärte, dass China im Rahmen des 15. Fünfjahresplans (2026–2030) über bessere Pläne verfüge, um KI in weiten Teilen der Wirtschaft – in der Fertigung ebenso wie in Dienstleistungen – einzusetzen.
Da China, die USA und andere Volkswirtschaften darum bemüht seien, ihre KI-Fähigkeiten auszubauen, nähmen auch die Risiken zu – und nicht nur die wirtschaftlichen, so Spence.
Zhu warnte: „KI birgt erhebliche Unsicherheiten – gesellschaftliche, ökologische und potenziell militärische. Daher ist die Schaffung eines Governance-Rahmens und sicherer Leitplanken die dringendste Aufgabe für China und die USA als führende Akteure. Die Welt erwartet das von ihnen.“
Laut Spence könnten die USA und China bei bestimmten Regulierungsaspekten zusammenarbeiten, etwa indem sie die Technologie nicht für hochgradig zerstörerische Zwecke einsetzten.
China und die USA hätten vereinbart, einen zwischenstaatlichen Dialog über KI zu führen, kündigte Außenamtssprecher Guo Jiakun Anfang dieses Monats an. Beide Länder müssten zusammenarbeiten, um die Entwicklung von KI zu fördern und ihre Governance zu verbessern, damit sie besser zum Fortschritt der menschlichen Zivilisation und zum gemeinsamen Wohl der internationalen Gemeinschaft beitrage, so Guo.












