China testet Fähigkeiten für längere Weltraumaufenthalte
China steht laut Angaben eines chinesischen Raumfahrtexperten kurz davor, seine Fähigkeiten für längere bemannte Weltraummissionen unter Beweis zu stellen. So soll ein Mitglied der Besatzung der Shenzhou-23 ein ganzes Jahr im Orbit verbringen.
Bislang hält die Shenzhou-21-Besatzung mit sieben Monaten den Rekord für den längsten Aufenthalt chinesischer Astronauten im All. Nun plant ein Astronaut der Shenzhou-23-Mission, diese Marke auf zwölf Monate auszudehnen.
Die Entscheidung für ein einjähriges Orbitexperiment sei jedoch keineswegs die bloße Aneinanderreihung zweier halbjähriger Missionen, betonen die Verantwortlichen. Vielmehr verfolgt das Vorhaben drei zentrale Ziele:
Erstens soll Chinas erstes bemanntes Weltraumforschungsprogramm umfassende Daten über Astronauten bei langer Flugdauer liefern und die gesammelten Missionserfahrungen erweitern.
Zweitens geht es darum, Systeme zur Erhaltung der Astronautengesundheit über lange Zeiträume zu testen und die medizinische Versorgung sowie Schutzmechanismen an Bord zu verbessern.
Drittens eröffnet der Langzeitaufenthalt neue Möglichkeiten für nachhaltigere und kontinuierlichere Forschung sowie für die technologische Erprobung.
Dong Nengli, ein Ingenieur der China Manned Space Agency, erläuterte die Hintergründe: „Wie wir wissen, wurde unser Kernmodul am 29. April 2021 in die Umlaufbahn gebracht und ist nun seit über fünf Jahren in Betrieb. Die Kombination unserer dreimoduligen Raumstation ist ebenfalls bereits mehr als drei Jahre aktiv. Wir haben bereits die Fähigkeit entwickelt, Astronautenaufenthalte von bis zu sechs Monaten zu ermöglichen. Nach eingehenden Bewertungen beherrschen wir diese Technologien inzwischen zuverlässig. Nun stellt sich die Frage, ob unsere Astronauten länger bleiben können. Verfügen wir über die Fähigkeit, eine einjährige Mission im Weltraum zu unterstützen? Verfügen wir über die notwendigen Technologien für eine einjährige Mission? Genau das wollen wir mit diesem Experiment überprüfen – indem ein Astronaut über die Missionen Shenzhou-23 und Shenzhou‑24 hinweg ein Jahr lang begleitet wird. Wir wollen feststellen, ob wir tatsächlich in der Lage sind, Astronauten ein gesundes Leben und effizientes Arbeiten im Orbit zu ermöglichen. Wenn uns das gelingt, wird das eine deutlich größere Flexibilität bei der Planung zukünftiger Missionen bedeuten.“
Laut Plan wird die Besatzung der Shenzhou-23 während ihres Aufenthalts im Orbit mehr als 100 neue wissenschaftliche und angewandte Experimente durchführen. Der Schwerpunkt liegt auf der Erforschung und Verifikation hochaktueller technologischer Fragestellungen – unter anderem in den Bereichen Weltraumlebenswissenschaften, Materialwissenschaften im All, Mikrogravitations-Fluiddynamik, Weltraummedizin sowie neuartigen Raumfahrttechnologien.











