High-Tech statt Postkartenidylle
Chinas neuer Trend zum Technologie-Tourismus
In diesem Sommer zeichnet sich im chinesischen Einreisetourismus ein Wandel ab. Internationale Gäste buchen Bildungsreisen zu chinesischen Hightech-Standorten. Neben Kultur und Natur stehen dabei künstliche Intelligenz, Robotik und moderne Mobilität im Fokus.

Der Einreisetourismus nach China erlebt derzeit einen tiefgreifenden Wandel. Anstelle klassischer Besichtigungstouren zieht es immer mehr internationale Besucher zu den Standorten der chinesischen High-Tech-Industrie und modernen Fertigung. Große Reiseplattformen reagieren zur Sommersaison mit maßgeschneiderten Programmen, die Natur- und Kulturattraktionen mit Besuchen in Bereichen wie künstliche Intelligenz KI, Robotik, autonomes Fahren und Gehirn‑Computer‑Schnittstellen verbinden. Laut Branchenexperten könnte sich dieser technologieorientierte Reisetrend zu einem neuen Aushängeschild für den chinesischen Tourismus entwickeln.
Der chinesische Online-Reisedienst Fliggy, eine Tochtergesellschaft des Tech-Giganten Alibaba, hat bereits entsprechende Themenreisen in sein Programm aufgenommen. Ausländische Touristen können ihre Reiseroute so gestalten, dass sie führende Technologiezentren besuchen, etwa Robotik-Unternehmen und Hersteller von Elektrofahrzeugen. Dort haben die Reisenden die Möglichkeit, mit Humanoid-Robotern zu interagieren, modernste Neurotechnologie zu erkunden und autonom fahrende Autos selbst auszuprobieren. Laut Alibaba werden die Reisen über die Plattform AliExpress vertrieben und verzeichnen bereits eine rege Nachfrage: Die Zahl der Anfragen aus dem Ausland ist in die Höhe geschnellt und die erste Reisegruppe aus Südkorea soll Mitte Juli starten.
Die Buchungszahlen spiegeln die wachsende Nachfrage wider. So sind laut Fliggy die Reservierungen für Sommerreisen nach China in den vergangenen zwei Wochen im Vergleich zum Vorjahr um 237 Prozent gestiegen. Vor allem aus Ländern wie Malaysia, Südkorea und Kanada wurde ein mehr als dreifaches Wachstum verzeichnet.
Auch andere Reiseveranstalter setzen auf den Innovationstrend. Der Anbieter Spring Tour bietet in dieser Saison ein Drohnen-Erlebnisprogramm für internationale Gäste an. Das Angebot reicht von Flugsimulationen in Innenräumen über spielerische Drohnen-Wettkämpfe bis hin zu Drohnen-Lichtshows. Im Rahmen von Trainings im Freien können die Teilnehmer industrielle Agrardrohnen steuern und Luftaufnahmen der berühmten Skyline des Shanghaier Finanzviertels Lujiazui als Souvenir erstellen.
Auch der große Reiseanbieter China Youth Travel Service (CYTS) setzt verstärkt auf solche Reiseerlebnisse. Erste Testläufe im kleineren Rahmen verliefen bereits erfolgreich. Maßgeschneiderte Routen zu Drohnenherstellern in der südchinesischen Metropole Shenzhen oder zu KI-Unternehmen in Hangzhou stießen insbesondere bei internationalen Studierenden- und Unternehmensgruppen auf positive Resonanz. High-Tech-Erlebnisse wie die Interaktion mit Lieferdrohnen sind mittlerweile fester Bestandteil regulärer Reiseprogramme.
Unterstützt wird diese Entwicklung durch eine generelle Erholung des Reiseverkehrs, die auch auf politische Erleichterungen zurückzuführen ist. So verzeichneten die chinesischen Grenzbehörden im ersten Quartal des Jahres insgesamt 185 Millionen grenzüberschreitende Ein- und Ausreisen, was einem Zuwachs von 13,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Dabei entfielen auf ausländische Staatsbürger über 21 Millionen Grenzübertritte – ein Plus von mehr als 22 Prozent. Besonders auffällig ist, dass fast 78 Prozent dieser Reisen visumfrei abgewickelt wurden. Um diesen Aufwärtstrend weiter zu verstärken, haben die Behörden Maßnahmen ergriffen, um das Bezahlen für Ausländer im Land zu vereinfachen, den Service für Mehrwertsteuerrückerstattungen zu verbessern und das fremdsprachige Angebot an touristischen Knotenpunkten auszubauen.












