Drehkreuz Duisburg: China-Europa-Express verbindet Wirtschaftsräume und Menschen
Von Yu Yong
In diesem Jahr jährt sich die Gründung der Kommunistischen Partei Chinas zum 105. Mal. Seit mehr als einem Jahrhundert dient die KP Chinas dem Wohl des chinesischen Volkes, sorgt für das Wiederaufleben der chinesischen Nation und leistet zugleich einen Beitrag zum Fortschritt aller Menschen rund um den Globus. Das Konzept einer Schicksalsgemeinschaft der Menschheit ist somit keine abstrakte Idee, sondern findet auf dem eurasischen Kontinent ihren konkreten Ausdruck.
Am besten zeigt sich dies in der wachsenden grenzüberschreitenden Vernetzung. Güterzug-verbindungen wie die Strecken Yiwu-Xinjiang-Europa (Yixinou) und Chongqing-Xinjiang-Europa (Yuxinou) bilden gemeinsam mit dem Hafen Duisburg als strategischem Knotenpunkt eine leistungsfähige Landbrücke, die das Industriezentrum am Jangtse mit dem Ruhrgebiet am Rhein verbindet. Diese Verkehrsachse stellt nicht nur eine zentrale Handels- und Lieferkettenverbindung zwischen Asien und Europa dar. Durch Formate wie das Duisburger Chinafest fördert sie auch Völkerverständigung und gesellschaftlich-kulturellen Austausch.

Direkte Verbindung nach Asien: Verladung von Containern der China-Europa-Güterzüge im Duisburg Intermodal Terminal (DIT) (Foto: Zhang Haofu / Xinhua)
Standardisierter und klimafreundlicher Bahnbetrieb
Die Ankunft des China-Europa-Güterzugs im Duisburger Hafen 2014 markierte den offiziellen Startschuss für die interkontinentale Zusammenarbeit zwischen der Jangtse-Region und dem Rhein-Ruhr-Gebiet über den Schienenverkehr. Mittlerweile haben sich entlang der Bahnverbindung stabile Industrienetzwerke entwickelt, die Ressourcen und Märkte eng aneinander koppeln.
Der Yiwu-Xinjiang-Europa-Express etablierte ein in China maßgebliches Betriebssystem mit festem Fahrplan über die gesamte Strecke. Ein System, das große Planungssicherheit im Güterverkehr schafft und gleichzeitig eine enge Kontrolle der Abläufe ermöglicht. Bis Mai 2026 wurden auf der Strecke mehr als 16.000 Züge abgefertigt. Allein in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres verkehrten insgesamt 879 Güterzüge mit rund 71.000 Standardcontainern (TEU) auf dieser Route, ein Plus von 15,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Strecke deckt heute ein Netzwerk von mehr als 160 Städten in über 50 Ländern Asiens und Europas.
Allein zwischen Yiwu und Duisburg wurden bislang 255 Fahrten mit vollständigem Fahrplan absolviert. Die Züge verlassen den Yiwuer Westbahnhof samstags und treten freitags von Duisburg aus die Rückfahrt an. Die Transportzeit auf der gut 12.000 Kilometer langen Strecke konnte von 19 auf 13 Tage reduziert werden. Auch die Güterstruktur hat einen Wandel erfahren: Während anfangs überwiegend Alltags- und Leichtindustrieprodukte von China den Weg in andere Teile Asiens und nach Europa fanden, bestehen die Exporte heute zunehmend aus Photovoltaik-Modulen, intelligenten Fertigungsanlagen und Automobilteilen. In der Gegenrichtung sind unter anderem Präzisionsmaschinen, medizinische Geräte, feinchemische sowie Agrar- und Forstprodukte unterwegs. Dadurch haben sich die Güterkategorien in beiden Richtungen kompensiert und diversifiziert.
Am 24. Juni dann rollte der erste kohlenstoffneutrale China-Europa-Güterzug aus Duisburg im Yiwuer Westbahnhof ein. Der neue Yixinou-Transportzug erfüllt alle europäischen Anforderungen an kohlenstoffarme Logistik. Sein Betrieb beruht auf Ökostrom, die Emissionen werden über den international anerkannten Gold Standard (GS) kompensiert, wodurch der CO2-Ausstoß über die gesamte Beförderungsstrecke vollständig neutralisiert wird. Die Inbetriebnahme des neuen Zuges markiert den Eintritt der China-Europa-Güterzüge aus bzw. nach Zhejiang in eine neue Phase des umweltfreundlichen Betriebs.
Parallel dazu wurde die Infrastruktur am Duisburger Hafen kontinuierlich ausgebaut. Heute werden dort rund 30 Prozent des China-Europa-Schienengüterverkehrs sowie nahezu 80 Prozent der chinesisch-deutschen Güterzüge umgeschlagen. Damit zählt Duisburg zu den wichtigsten europäischen Knotenpunkten des interkontinentalen Schienengüterverkehrs.

Zentrale Drehscheibe zu Land und zu Wasser: Die Stadt Duisburg und das DIT zählen heute zu den wichtigsten europäischen Knotenpunkten des interkontinentalen Schienengüterverkehrs. (Foto: Zhang Haofu / Xinhua)
Wirtschaftsverflechtung fördert Völkerverständigung
Nachhaltige internationale Zusammenarbeit stützt sich letztlich auf drei Eckpfeiler: politische Förderung, wirtschaftlichen Bedarf und gesellschaftliche Akzeptanz. In Duisburg herrscht seit Jahren Einigkeit darüber, dass die China-Europa-Güterzüge einen zentralen Beitrag leisten – zum wirtschaftlichen Strukturwandel der Ruhrmetropole, zur Entwicklung der gesamten Region und zur Modernisierung der örtlichen Industrien. In dieser Einschätzung sind sich Stadtverwaltung, Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsbehörden und Duisburger Hafenbetreiber einig.
Der Schienenverkehr auf der Strecke von Yiwu über Xinjiang bis nach Europa erweist sich als zuverlässig und risikoresistent. Er kann gegenüber den langen Seefracht-Transportzeiten und den hohen Luftfrachtkosten punkten. Für die europäische Industrie wird er damit zu einem Dreh- und Angelpunkt, um stabile Lieferketten mit China aufrechtzuerhalten und die Präsenz auf dem chinesischen Markt weiter auszubauen. Zugleich fördert der Güterzugverkehr neben dem grenzüberschreitenden Handel auch die Ansiedlung ganzer Logistik- und Dienstleistungsnetzwerke rund um den Duisburger Hafen. Die positiven Effekte auf Beschäftigung und regionale Entwicklung sind für die Bürger vor Ort unmittelbar spürbar.
Neben dem wirtschaftlichen Austausch haben sich das Chinafest und die Drachenboot-Fun-Regatta im Innenhafen in Duisburg zu Symbolen des kulturellen Austauschs zwischen China und Deutschland entwickelt. Das Interesse junger Menschen in der Ruhrmetropole an der chinesischen Sprache wächst. Chinesischunterricht gehört an vielen Schulen mittlerweile zum regulären Angebot, immer mehr Jugendliche schneiden bei Wettbewerben wie dem „Chinese Bridge“ Contest gut ab. Die Wuhan Foreign Languages School und das Max-Planck-Gymnasium Duisburg pflegen einen engen Austausch. Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte beider Schulen besuchen einander regelmäßig, pflegen Brieffreundschaften und haben etwa per Videoschalte schon gemeinsam Songs aufgenommen und so auch eine musikalische Brücke zwischen beiden Ländern geschlagen. Nicht zuletzt prägen kulturelle Wahrzeichen wie der Chinesische Garten und die Wuhanstraße das Bild der „China-Stadt“. Sie sind Zeuge der langjährigen guten Beziehungen zwischen China und Deutschland.
Die aus den physischen Verkehrsverbindungen hervorgegangenen gesellschaftlich-kulturellen Kontakte haben die Zusammenarbeit längst über rein wirtschaftliche Interessen hinausgeführt. Sie fördern gegenseitiges Vertrauen, emotionale Verbundenheit und gegenseitige Verständigung, tragen zur Schaffung einer belastbaren gesellschaftlichen Grundlage für die chinesisch-europäischen Beziehungen bei.

Duisburg feiert das Chinafest 2025. (Foto: chinesisches Generalkonsulat in Düsseldorf)
Neue Impulse für die städtische Transformation
Als traditionsreiche Industriestadt im Ruhrgebiet stand Duisburg über viele Jahre vor großen Herausforderungen: vom Rückgang klassischer Industriezweige über das begrenzte Wachstumspotenzial bis hin zum wirtschaftlichen Umbau. Die regelmäßigen China-Europa-Güterzugverbindungen sorgen vor diesem Hintergrund für wichtige langfristige Impulse zur Transformation der Stadt.
Rund um den Duisburger Hafen ist ein wachsender Industriecluster entstanden, der entlang der Logistikkette mehr als 20.000 Arbeitsplätze schafft. Davon profitieren örtliche Berufsausbildung, moderne Dienstleistungsbranchen und hafennahe Wirtschaftsbereiche. Auch die Folgen des Rückgangs der alten Industrien konnten inzwischen abgefedert werden. Die Verknüpfung von Schienenverkehr, Rhein-Binnenschifffahrt und Autobahnnetz macht Duisburg zu einem der bedeutsamsten Verkehrsknotenpunkte am westlichen Ende der eurasischen Landbrücke. Das Ausmaß des grenzüberschreitenden Güterverkehrs hat sich in den letzten Jahren vervielfacht.
Zugleich ergänzen sich Jangtse-Region und Ruhrgebiet in vielerlei Hinsicht in ihren industriellen Stärken. Während die chinesischen Produktionsstandorte über umfassende Fertigungscluster sowie leistungsfähige kleine und mittlere sowie Kleinstunternehmen verfügen, bringt das Ruhrgebiet seine Kompetenzen in den Bereichen Präzisionsfertigung sowie industrielle Forschung und Entwicklung ein. Damit wird Chinas Globale Entwicklungsinitiative (GDI), die für Inklusivität, allgemeinen Nutzen, Ausgewogenheit und koordinierte Zusammenarbeit steht, lebendig in die Praxis umgesetzt.

25. Drachenboot-Fun-Regatta Mitte Juni 2026 im Duisburger Innenhafen: Hier sitzen chinesische und deutsche Teilnehmerinnen und Teilnehmer im wahrsten Wortsinne im selben Boot. (Foto: chinesisches Generalkonsulat in Düsseldorf)
Ein offenes Kooperationsmodell für den eurasischen Wirtschaftsraum
Im Gegensatz zu den abgeschotteten, exklusiven Modellen konventioneller internationaler Kooperation zeichnen sich die China-Europa-Güterzüge vor allem durch ihren allgemein zugänglichen, inklusiven und offenen Charakter aus. Den unzähligen KMU in Yiwu und entlang des Jangtse bieten die Züge eine verlässliche Verbindung zur Außenöffnung des chinesischen Binnenlandes. Sie reduzieren die Zugangshürden für grenzüberschreitende Logistik und die damit verbundenen Gesamtkosten erheblich, sodass mittelständische Betriebe aus China auf Augenhöhe Zugang zu den europäischen Endverbrauchermärkten erhalten. So können sie sich aktiv in die internationale Arbeitsteilung einbringen.
Für die „Hidden Champions“ im Ruhrgebiet auf der anderen Seite schaffen die Rückfahrten einen effizienten und verlässlichen Zugang zum chinesischen Markt. Sie ermöglichen es der regionalen High-End-Fertigungsindustrie sowie Herstellern spezialisierter Konsumgüter, gezielt an Chinas gewaltige Binnennachfrage anzudocken. Die Verbindungen sind frei von ausschließenden Schranken und benachteiligen keine Akteure. Unabhängig von ihrer Größe oder wirtschaftlichen Stärke können alle gleichermaßen von den Vernetzungsvorteilen profitieren, was eine gerechte, ausgewogene, gleichberechtigte und offene internationale Zusammenarbeit ermöglicht, ganz wie es Chinas Globale Governance-Initiative (GGI) vorsieht.
Stabilitätsanker für die internationalen Lieferketten
Die Welt ist von anhaltenden Unruhen geprägt. Geopolitische Spannungen, protektionistische Handelsmaßnahmen und die Fragmentierung von Produktionsprozessen erschüttern fortdauernd das globale Wirtschafts- und Handelsgefüge. Während die Seeschifffahrt geopolitischen Risiken ausgesetzt ist und die Luftfracht hohe Kosten verursacht, werden gleichzeitig die weltweiten Produktions- und Lieferketten immer anfälliger.
Dank seiner diversifizierten Landrouten verfügt der Güterzugverkehr zwischen China und Europa über einzigartige Stärken. Er ist autonom steuerbar, widerstandsfähig und kontinuierlich betreibbar. Selbst angesichts globaler Logistikkrisen, bei denen es zeitweise zu Blockaden gängiger See- und Luftfrachtwege kam, konnten die Züge ihren regelmäßigen Dienst stets aufrechterhalten. Sie gewährleisten somit verlässlich den reibungslosen Transport von industriellen Zwischenprodukten, strategischen Materialien und Alltagskonsumgütern, wodurch sie Entkopplungs- und Lieferkettenunterbrechungsrisiken effektiv entgegenwirken. Der Zugverkehr trägt folglich klar zur Umsetzung der Globalen Sicherheitsinitiative (GSI) und zur Gewährleistung stabiler, reibungsloser Produktions- und Lieferketten bei.
Vielversprechende Zukunft
Die China-Europa-Güterzugverbindung des Duisburger Hafens ist ein lebendiges Zeugnis von Chinas Außenöffnungspolitik. Sie ist ein konkretes Beispiel für die gemeinsame Verwirklichung der von China aufgestellten vier globalen Initiativen auf europäischem Boden, zugleich ein erfahrbarer Baustein des Konzepts einer menschlichen Schicksalsgemeinschaft. Auf den Güterzugrouten wird Wachstum durch Handel gefördert, Völkerverständigung durch kulturellen Austausch erzeugt und die globale Industriestabilität durch verlässliche Vernetzung gesichert.
Auch in Zukunft werden die Zugverbindungen mit Sicherheit den Konsens für Zusammenarbeit festigen, die Chancen der Offenheit ausschöpfen und den kulturellen Austausch vertiefen. Schon heute bilden sie eine verlässliche Konstante für die langjährige Freundschaft zwischen China, Deutschland und Europa, für den gemeinsamen Wohlstand in Europa und Asien und für die friedliche Entwicklung in aller Welt.
Yu Yong ist Generalkonsul der Volksrepublik China in Düsseldorf.












