share
Home> Wirtschaft

Standort Deutschland

Wer Investoren gewinnen will, muss Verlässlichkeit bieten

german.china.org.cn  |  
21.07.2026

Die Bundesregierung plant für Oktober einen Investitionsgipfel in Berlin. Das berichtete die Financial Times am Montag. Angesichts der wirtschaftlichen Stagnation soll so neues Kapital ins Land geholt werden. Doch Hinweise auf Deutschlands Spitzenbonität reichen allein nicht aus, um internationale Investoren zu überzeugen.

Im Vorfeld der Veranstaltung hebt die Bundesregierung die „starke fiskalische Position“ Deutschlands hervor – als einziges G7-Land, das von allen drei großen Ratingagenturen mit Bestnoten „Triple-A“bewertet wird. Eine Seite des Dokuments trägt den Titel „Europas Fundament der Stabilität“. Offensichtlich versucht die Bundesregierung damit, das Marktvertrauen wiederherzustellen und ausländische Investitionen anzuziehen. Diese Dringlichkeit legt jedoch vor allem die tief sitzende wirtschaftliche Sorge offen: Das Land steckt in einer Phase schwaches Wachstums.

Im Mai senkte der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung seine Wachstumsprognose für das Jahr 2026 auf nur noch 0,5 Prozent – 0,4 Prozentpunkte weniger als noch im vergangenen Herbst erwartet. Das auch „Wirtschaftsweisen“ genannte Expertengremium warnte, dass der Nahostkonflikt, steigende Energiepreise und der anhaltende Protektionismus der USA die größte Volkswirtschaft Europas nach Jahren des Stillstands erneut schwer belasten könnten. Vor diesem Hintergrund setzt die Bundesregierung verstärkt auf ausländische Investitionen, um die strukturelle Wachstumskrise zu bewältigen.

Damit dieser Investitionsgipfel jedoch Wirkung entfaltet, muss Berlin die Wahrheit anerkennen: Kapital fließt nicht allein wegen Triple-A-Ratings in ein Land. Der Schlüssel zu erfolgreicher Investitionsförderung liegt in gegenseitigem Nutzen und echtem Respekt. Investoren verlangen greifbare Renditen, eine faire Behandlung und ein berechenbares Umfeld. Wer widersprüchliche Signale sendet oder Unsicherheit erzeugt, wird mit seiner Investitionswerbung kaum Erfolg haben.

Als größte Volkswirtschaft Europas war Deutschland einst ein entschlossener Verfechter von Globalisierung und Freihandel. Die jüngsten Signale Deutschlands gegenüber chinesischen Investitionen fielen jedoch zwiespältig aus. So äußerte sich Bundeskanzler Friedrich Merz zuletzt offen für eine mögliche Beteiligung chinesischer Unternehmen an angeschlagenen deutschen Automobilstandorten, schränkte jedoch zugleich ein, dies sei keine dauerhafte Lösung für die Probleme der Automobilbranche. Ähnlich äußerte sich auch Volkswagen-Chef Oliver Blume. Im April sprach er sich offen dafür aus, dass chinesische Partner Kapazitäten von VW-Werken nutzen. Kurz darauf dämpfte der Konzern jedoch Spekulationen über unmittelbar bevorstehende Vereinbarungen. Das Problem war nicht die mangelnde Kooperationsbereitschaft der Unternehmen, sondern die politische Unsicherheit, die das Vertrauen in eine Zusammenarbeit schleichend untergräbt.

Bei Investitionen in Europa reagieren manche chinesische Unternehmen zurückhaltend – nicht aus Mangel an Bereitschaft, sondern aufgrund politischer Unwägbarkeiten, undurchsichtiger Hürden und potenzieller Risiken. Unbegründete Anschuldigungen, Vorurteile gegenüber Investoren, Anpassungen der Industriepolitik und Prüfmechanismen gegen chinesische Firmen – normale kommerzielle Projekte können schnell als „Sicherheitsrisiko“ eingestuft werden. Werden rechtmäßige Unternehmensaktivitäten durch politische Einmischung durchkreuzt, weicht Kapital zwangsläufig auf andere Standorte aus.

Eine echte wirtschaftliche Wende durch nachhaltige Investitionszuflüsse kann nur auf Grundlage klarer Regeln und gegenseitigem Vertrauen entstehen. Investitionen lassen sich niemals durch einseitige oder vorurteilbehaftete Kooperationen erreichen, sondern erfordert Respekt vor Marktregeln, Kapitalinteressen und dem Prinzip des gegenseitigen Nutzens. Um seinem Anspruch als „Stabilitätsanker Europas“ gerecht zu werden, muss Berlin faire Wettbewerbsbedingungen und ein transparentes Umfeld für chinesische Investitionen schaffen sowie Verlässlichkeit beweisen. Nur wer ausländischen Investoren glaubwürdig Planungssicherheit bietet und ihre legitimen Interessen schützt, wird langfristig globales Kapital anziehen können.

Diesen Artikel DruckenMerkenSendenFeedback

Quelle: german.china.org.cn

Schlagworte: Deutschland,Standort,Investoren,China