Mehr als nur ein „Abhaken von Sehenswürdigkeiten“
Viele ausländische Besucher tauchen tiefer in die Welt Chinas ein
Chinas Markt für Touristen aus dem Ausland hat in diesem Jahr stark an Fahrt aufgenommen, wobei immer mehr ausländische Besucher nicht mehr einfach nur berühmte Sehenswürdigkeiten auf ihrer Checkliste abhaken. Viele kommen für eine zweite oder dritte Reise erneut, um ein vielfältigeres und authentischeres China zu entdecken.
In Ordos in der Autonomen Region Innere Mongolei im Norden Chinas kann man in der Xiangshawan-Wüste jetzt ein innovatives Sommerpaket buchen, das Wüstenerkundungen, Wasseraktivitäten und sogar Indoor-Eislaufen umfasst. Die Besucher können auf Kamelen reiten und mit Wüstenfahrzeugen über die Dünen fahren, bevor sie sich im Wasser abkühlen oder Eislaufen gehen – und das alles innerhalb desselben Wüsten-Naturparks.

Lokalen Daten zufolge hat das Ausflugsziel seit dem 1. Juli 16.000 ausländische Gäste begrüßt, was einem Anstieg von 176 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Die meisten Touristen kamen aus Südkorea, Thailand, Malaysia und Singapur.
Auch in Erenhot, einer Grenzstadt in der Inneren Mongolei, haben ausländische Besucher Gelegenheit, traditionelle chinesische Kultur wie etwa Kalligraphie und die Herstellung handgefertigter Zuckerfiguren zu erleben.
Vielfältige Landschaften und Kulturen ziehen Reisende aus aller Welt an
In der gesamten Inneren Mongolei bauen Tourismusanbieter ihr Angebot an abendlichen Aufführungen, kulinarischen Spezialitäten und Erlebnissen rund um das immaterielle Kulturerbe aus, um Besucher zu einem längeren Aufenthalt zu animieren und ihnen die Möglichkeit zu geben, tiefer in die lokale Kultur einzutauchen. In der ersten Jahreshälfte verzeichnete die Region 1,0978 Millionen ausländische Touristen, ein Anstieg von 11,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Dabei gaben sie nach Angaben der China Media Group (CMG) 5,501 Milliarden Yuan (708 Millionen Euro) aus, ein Plus von 16,07 Prozent.
Mittlerweile hat sich auch Zhangjiajie in der zentralchinesischen Provinz Hunan zu einem beliebten Reiseziel für internationale Touristen entwickelt, die sowohl schöne Natur als auch Outdoor-Abenteuer suchen.
Die Stadt, die für ihre beeindruckenden Berge und einzigartige Landschaft bekannt ist, hat weit mehr als nur Sightseeing zu bieten. Besucher können über Glasbrücken spazieren, sich an Klettersteigen versuchen und mit hohen Seilrutschen fahren, ohne dabei das herrliche Landschaftsbild aus den Augen zu verlieren.
Den Daten zufolge verzeichnet der Zhangjiajie Grand Canyon seit Anfang Juli durchschnittlich fast 10.000 Besucher pro Tag, wobei ausländische Touristen mehr als die Hälfte der Besucher ausmachen. Um das Reiseerlebnis zu verbessern, hat der Naturpark einen mehrsprachigen KI-Tourismusassistenten eingerichtet, der 14 Sprachen unterstützt, und gleichzeitig ausländische Zahlungsdienste integriert sowie den Ticketkauf vereinfacht.
Gleichzeitig ziehen auch die vielfältigen regionalen Kulturen Chinas internationale Reisende an.
In der Altstadt von Kashi in der nordwestchinesischen Uigurischen Autonomen Region Xinjiang haben sich traditionelles Handwerk und lokale Brauchtümer zu einem Magneten für Besucher aus dem Ausland entwickelt. Hier können Touristen den Handwerkern bei der Herstellung von Metall- und Töpferwaren zusehen, traditionelle Musik- und Tanzvorführungen verfolgen und durch historische Stadtviertel schlendern, um die einzigartige Kultur der Stadt zu erkunden.
In der Provinz Sichuan im Südwesten Chinas erfreut sich die tibetische Gemeinde Baima, ein eher unbekanntes Reiseziel, ebenfalls zunehmender Beliebtheit. Ausländische Besucher schätzen die authentische lokale Kultur der Region und bereiten gemeinsam mit den Einheimischen traditionelle Gerichte zu oder lernen Handwerkskünste kennen, um die tibetischen Gebräuche hautnah zu erleben.
Die wachsende Beliebtheit von Urlaubsreisen nach China ist nicht nur auf die Naturlandschaften und die kulturelle Vielfalt des Landes zurückzuführen, sondern auch auf immer angenehmere Reisebedingungen und verbesserte touristische Angebote.
Einfacherer Zugang und besserer Service lassen Besucher wieder kommen
Bis April dieses Jahres hatte China einseitige visumfreie Einreisebestimmungen für Staatsangehörige aus 50 Ländern eingeführt und mit 29 Ländern gegenseitige Vereinbarungen zur Visumbefreiung getroffen. Die Regelung für den visumfreien Transit von 240 Stunden wurde auf Reisende aus 55 Ländern ausgeweitet. 160 Städte im ganzen Land verfügen inzwischen über direkte internationale Flugverbindungen.
Durch diese Maßnahmen wird das Reisen nach China vereinfacht und immer mehr Besucher dazu angeregt, sich auch abseits der bekannten Reiserouten zu bewegen, die meist auf die großen Städte ausgerichtet sind.
Eine britische Reisende namens Ulvi erklärte gegenüber der CMG, dass es sich auf jeden Fall lohne, China erneut zu besuchen. Sie war bereits dreimal im Land und plant gerade ihre vierte Reise. Ihre bisherigen Reisen führten sie von Peking und Shanghai bis zum Qinghai-Tibet-Plateau und zum Mount Qomolangma. Im nächsten Jahr möchte sie die Seidenstraße erkunden.
„Reisen nach China sind wirklich immer besser geworden“, so Ulvi, und sie ergänzt, Chinas Visumbefreiung für britische Staatsbürger habe sie noch mehr motiviert, das Land zu erkunden.
Wu Yu, Geschäftsführer eines britischen Reiseveranstalters, erklärte gegenüber der CMG, dass sich immer mehr britische Touristen für China interessierten, nachdem sie sich in den sozialen Medien Reisevideos angesehen hätten. Als Reaktion darauf hat das Unternehmen seine Routen neu gestaltet, um einzigartige Erlebnisse wie die Drohnen-Lichtshows in Chongqing aufzunehmen und den Besuchern so ein lebendigeres und facettenreicheres China näherzubringen.
Die kambodschanische Reisebloggerin Lim Kimsruong, die regelmäßig online über ihre Erlebnisse in China berichtet, zeigt sich beeindruckt von der rasanten Entwicklung des Landes und erklärt, dank des gut ausgebauten Schnellzugnetzes sei das Reisen in China sehr bequem.
Für einige Besucher aus Kambodscha bietet das Land zudem geschäftliche Chancen. Der Unternehmer Lim Lida war bereits mehrfach in China. Er hoffe, fortschrittliche chinesische Technologien und Ausrüstung nach Kambodscha zu bringen, betont er.
Von Wüstenabenteuern in der Inneren Mongolei und kulturellen Begegnungen in Grenzstädten bis hin zu sommerlichen Ausflügen nach Zhangjiajie und traditionellen Bräuchen in Kashi – Reiseziele in ganz China ziehen internationale Touristen mit immer besseren Angeboten und immer vielfältigeren Erlebnissen an. Da sich das Reisen zunehmend von der bloßen „Besichtigung Chinas“ hin zum echten „Erleben Chinas“ verlagert, werden immer mehr Erstbesucher zu Stammgästen.












