Erneuerbare Energien
China erschließt Windkraftpotenzial in der Tiefsee
China hat einen weiteren wichtigen Meilenstein bei der Energiewende erreicht: Am Donnerstag nahm die weltweit erste schwimmende 16-Megawatt-Windkraftanlage auf einer sogenannten Tension-Leg-Plattform (einer durch Zuganker am Meeresboden verankerten Konstruktion) offiziell ihren Betrieb auf. Dies teilte der Betreiber, die China National Offshore Oil Corp. (CNOOC), mit.

Die Anlage befindet sich im Becken der Perlflussmündung im Südchinesischen Meer, etwa 200 Kilometer südöstlich von Shenzhen. Laut CNOOC – Chinas größtem Produzenten von Offshore-Öl und -Gas – erreicht die Konstruktion eine Höhe, die mit der eines 110-stöckigen Gebäudes vergleichbar ist.
Die Anlage operiert in einer Wassertiefe von 136 Metern und in einer Entfernung von 136 Kilometern zur Küste. Sie ist mit einer taifunresistenten 16-MW-Windkraftanlage ausgestattet. Sie wurde so konstruiert, dass sie extremen Taifunen der Stärke 17 standhält, und ist auf eine Betriebsdauer von 25 Jahren ausgelegt. Energieanalysten stellen fest, dass sich der Ausbau der Energiekapazitäten in China zunehmend auf maritime Gebiete verlagert. Angetrieben durch technologische Fortschritte sind die Offshore-Windkraft sowie die Erschließung von Öl- und Gasvorkommen in tiefen Gewässern zu zentralen Motoren für die nationale Energiesicherheit und den Ausbau der Versorgung mit grünem Strom geworden.
Daten des Ministeriums für natürliche Ressourcen zeigen, dass Chinas vorläufige Bruttowertschöpfung im maritimen Sektor in der ersten Jahreshälfte 5,5 Billionen Yuan erreichte, was einem Wachstum von 5,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Diese Wachstumsrate lag um 0,4 Prozentpunkte über der des gesamten Bruttoinlandsprodukts (BIP). Dadurch stieg der Anteil der Meereswirtschaft am BIP auf 7,9 Prozent, was die strukturelle Widerstandsfähigkeit der chinesischen Küstenindustrie unterstreicht.
Branchenexperten gehen davon aus, dass China seine Führungsposition auf dem globalen Windenergiemarkt durch den Ausbau der Tiefsee-Infrastruktur rasch festigt. Industrielle Zentren an den Küsten der Provinzen Guangdong, Jiangsu, Shandong und Fujian haben eine gebündelte Fertigungs- und Lieferkette geschaffen, die von der Turbinenproduktion über Unterseekabel bis hin zu Installation und Wartung reicht.
Auf dieser soliden Basis haben sich Dutzende spezialisierter Unternehmen auf nationaler Ebene etabliert, um zentrale Herausforderungen bei High-End-Komponenten – wie etwa Turbinenlagern und Überwachungssensoren – zu lösen. Damit wurde eine vollständige und eigenständige Industriekette für Chinas Ausbau der Tiefsee-Windkraft geschaffen.
Laut dem Bericht „Global Wind Turbine Market Shares 2025“ des Branchenberatungsunternehmens BloombergNEF erreichte der weltweite Zubau an Windkraftkapazitäten im vergangenen Jahr mit 169 Gigawatt einen historischen Höchststand. Dieser Anstieg um 38 Prozent gegenüber dem Vorjahr wurde maßgeblich durch den boomenden Onshore-Sektor in China getrieben. Dank stabiler, langfristiger politischer Unterstützung habe sich die Installation von Windkraftanlagen im vergangenen Jahrzehnt zunehmend auf China konzentriert.












