Interview mit dem Fields-Medaillengewinner Martin Hairer
China verfolge eine langfristige und stabile Strategie, um das Land bis 2035 zu einer wissenschaftlichen und technologischen Großmacht auszubauen. Dies habe eine solide Grundlage geschaffen, um immer mehr internationale Spitzenwissenschaftler, die eine Verbindung zu China haben, dazu zu bewegen, für weitere Forschungsarbeiten in ihr Heimatland zurückzukehren, sagte der Fields-Medaillengewinner Martin Hairer.
Als ausländisches Mitglied der Chinesischen Akademie der Wissenschaften arbeitet Hairer seit langem mit der akademischen Gemeinschaft in China zusammen und hat dabei die wissenschaftliche und technologische Entwicklung Chinas im Laufe der Jahre miterlebt. Hairer hält sich derzeit in Beijing auf, um am 13-tägigen Internationalen Kongress für Grundlagenwissenschaften 2026 teilzunehmen, der am Sonntag eröffnet wurde. Auf dem Kongress werden Fortschritte in den Bereichen Mathematik, Physik, Informationswissenschaft und Ingenieurwesen sowie in weiteren Disziplinen der Grundlagenforschung vorgestellt. In den letzten fünf bis zehn Jahren habe die mathematische Forschung in China einen qualitativen Sprung nach vorne gemacht, sagte er kürzlich in einem Exklusivinterview mit der China Media Group (CMG). „Ich denke, in den letzten zehn Jahren hat die chinesische Regierung natürlich sehr große Anstrengungen unternommen, um diese Menschen dazu zu bewegen, nach China zurückzukehren, und bei einigen von ihnen – tatsächlich bei ziemlich vielen – war dies auch erfolgreich. Mittlerweile gibt es auch mehr junge Chinesen, sozusagen eine neue Generation chinesischer Forscher, die vielleicht ein Postdoktorat im Ausland absolvieren und dann mit einer Festanstellung nach China zurückkehren. Das beobachten wir sogar bei sehr renommierten Mathematikern. Und ich denke, das ist wirklich etwas, was sich in den letzten Jahren verändert hat.“
Hairer erklärt, die Strategie habe der wissenschaftlichen Forschung im Land starke Rückendeckung gegeben. „Im Großen und Ganzen benötigen Wissenschaftler gute Rahmenbedingungen, um ihrer Arbeit nachgehen zu können. Je nach Fachgebiet werden unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt – in den experimentellen Wissenschaften sind etwa umfangreiche Laborressourcen unerlässlich. In der Mathematik mag der Ressourcenbedarf auf den ersten Blick geringer erscheinen, doch auch hier ist ein Mindestmaß an Unterstützung entscheidend, etwa für Reisen und den internationalen Austausch. Der Dialog mit Kollegen ist von zentraler Bedeutung,“ so der Mathematiker.
„Doch auch Stabilität wird von den Menschen sehr geschätzt. Sie leben gerne an einem Ort, an dem sie ihre Zukunft einigermaßen absehen können, ohne befürchten zu müssen, dass in fünf Jahren eine Revolution ausbricht. In diesem Sinne ist es nicht überraschend, dass Menschen, die bereits eine Bindung zu China haben, dorthin zurückkehren – weil sie dort möglicherweise ein stabileres Umfeld und ein klareres langfristiges Bekenntnis zur Förderung der Wissenschaft sehen. Anders als in Ländern, in denen Forschungsgelder aus unerfindlichen Gründen von heute auf morgen gestrichen werden könnten. Ja, ich halte es für eine durchaus geschickte Strategie der chinesischen Regierung, auf diese Weise ein langfristiges Engagement zu signalisieren und denjenigen, die zurückkehren, ein gewisses Maß an Stabilität zu garantieren.“
Hairer äußerte sich auch zum akademischen Umfeld in China. „In den letzten Jahren war es wirklich beeindruckend zu sehen, wie viele Ressourcen die Regierung in die Mathematik und, wie ich vermute, in die Grundlagenwissenschaften im Allgemeinen investiert hat. Ich denke, eine weitere wirklich beeindruckende Entwicklung, die damit einhergeht, dass hochkarätige chinesische Wissenschaftler nach China zurückgekehrt sind, ist die Tatsache, dass es mittlerweile wirklich hervorragende junge Wissenschaftler gibt, die auch hier bleiben, um zu promovieren, und die ihre gesamte wissenschaftliche Ausbildung in China absolvieren können. Das finde ich wirklich sehr beeindruckend.“











