Ein weiterer Schritt nach vorne in Neu Delhi
Wie BRICS die Welt gerechter macht Exklusiv
Von Oliver Eschke

Am Wochenende fand in Neu Delhi der 18. BRICS-Gipfel statt. Das Akronym steht für Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika, doch heutzutage sind weitere Länder wie Iran oder die Vereinigten Arabischen Emirate Teil des BRICS-Kooperationsformats.

Ein Gruppenfoto vor der zweiten Phase des 18. BRICS-Gipfels in Neu Delhi. (Foto vom 13. September 2026, Wang Ye/Xinhua)
Im Laufe von zwei Jahrzehnten hat sich BRICS von einem primär wirtschaftlichen Konzept zu einer transformativen Kraft entwickelt, die die internationale Ordnung neu gestaltet, der Stimme von Entwicklungsländern mehr Gewicht verleiht und somit ein inklusiveres, multipolares System vorantreibt. Am Samstag haben die Staats- und Regierungschefs eine gemeinsame Erklärung verabschiedet, in der sie ihr Bekenntnis zu einer inklusiven globalen Regierungsführung und zur Stärkung des Multilateralismus bekräftigten, zu internationalem und regionalem Frieden und Sicherheit aufriefen und die Bedeutung eines nachhaltigen und inklusiven globalen Wirtschaftswachstums hervorhoben. Damit stellt die BRICS-Gruppe wieder einmal die veralteten hegemonialen Strukturen in Frage und sorgt dafür, dass globale Entscheidungsprozesse die Bestrebungen der Mehrheit widerspiegeln.
China, als zentraler Architekt und Motor der BRICS-Zusammenarbeit, war und ist auf diesem Weg unverzichtbar, hat es doch an vorderster Front die wirtschaftliche Integration vorangetrieben, Entwicklungsprojekte finanziert und sich mit konkreten Maßnahmen und nachweisbaren Ergebnissen für die Interessen des Globalen Südens eingesetzt. Folgerichtig rief Chinas Staatspräsident Xi Jinping in seiner Rede in der zweiten Phase des 18. BRICS-Gipfels zu mehr Zusammenarbeit im Rahmen der „Greater BRICS“ in den fünf Bereichen künstliche Intelligenz (KI), Handels- und Investitionserleichterungen, digitale Industrie, intelligente Fertigung und Talentförderung auf.
Global Governance für Entwicklungsländer neu definieren
Die erweiterte BRICS-Gruppe umfasst mittlerweile etwa die Hälfte der Weltbevölkerung. Auf sie entfallen mehr als 30 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung und sie trägt zu über 50 Prozent zum weltweiten Wirtschaftswachstum bei. Über das reine wirtschaftliche Gewicht hinaus ist es eine Plattform für souveräne Gleichberechtigung, auf der Entwicklungsländer ihre Prioritäten artikulieren können. Durch den Mechanismus „BRICS+“, der von China auf dem Gipfeltreffen in Xiamen 2017 ins Leben gerufen wurde, beteiligen sich zudem mittlerweile Dutzende weitere Entwicklungsländer am Dialog, womit eine Lösung für die historische Marginalisierung des Globalen Südens angeboten wird. Die Neue Entwicklungsbank (NDB) mit Sitz in Shanghai wurde gegründet, und bis Ende 2025 hatte sie 139 Projekte im Wert von 42,9 Milliarden US-Dollar in den Bereichen saubere Energie, Verkehr, Wasser oder digitale Konnektivität genehmigt und damit den Entwicklungsländern bedingungslose, nachfrageorientierte Finanzmittel zur Verfügung gestellt. Der Warenhandel innerhalb der BRICS-Staaten ist seit 2003 auf mehr als das Dreizehnfache gestiegen und erreichte im Jahr 2024 ein Volumen von 1,17 Billionen US-Dollar.
UN-Grundsätze im Zentrum
Entscheidend ist, dass die BRICS-Staaten die in der Charta der Vereinten Nationen verankerten Grundsätze der Souveränität, der Nichteinmischung und der territorialen Integrität hochhalten. In der UNO, der G20 und anderen multilateralen Foren sprechen die BRICS-Staaten mit einer Stimme, um sich für eine gerechtere Vertretung, Schuldenerlass, Klimagerechtigkeit und den Zugang zu Technologien für Entwicklungsländer einzusetzen.
Wie in der Erklärung von Rio de Janeiro aus dem Jahr 2025 festgehalten, setzt sich die BRICS-Gruppe dafür ein, dass Schwellen- und Entwicklungsländer umfassender und sinnvoller an globalen Entscheidungsprozessen teilnehmen können.
Gleichwohl verliert die BRICS-Gruppe nie den Blick für die zukünftig prägenden Themen, wie auch am vergangenen Wochenende durch die Diskussionen um KI oder Digitalisierung offensichtlich wurde. Bereits vor zwei Jahren wurde das „China-BRICS Artificial Intelligence Development and Cooperation Center“ gegründet.
China ist der Eckpfeiler des Erfolgs der BRICS-Staaten und hat in jeder Phase strategische Weitsicht, wirtschaftliche Dynamik und institutionelle Unterstützung bereitgestellt. Als größte Volkswirtschaft und wichtigster Handelspartner innerhalb der BRICS-Familie fungiert China als Hauptmotor der regionalen und globalen Integration. Im Jahr 2025 erreichte Chinas Handel mit anderen BRICS-Mitgliedern 7,47 Billionen Yuan, was 16,4 Prozent des gesamten chinesischen Außenhandels ausmachte. Dieses Handelswachstum hat greifbare Vorteile gebracht: Chinesische Anlagen für erneuerbare Energien, Infrastruktur und Industriegüter haben die Industrialisierung und den ökologischen Wandel in Entwicklungsländern vorangetrieben, während Chinas riesiger Markt Rohstoffe, Agrarprodukte und Industriegüter von seinen BRICS-Partnern importiert.
China hat zudem die digitale und grüne Zusammenarbeit innerhalb der BRICS-Staaten vorangetrieben und die „BRICS-Partnerschaft für die neue industrielle Revolution“ ins Leben gerufen, um die technologische Kluft zu überbrücken und anderen Ländern den Sprung ins digitale Zeitalter zu ermöglichen. Bei der historischen Erweiterung, bei der Saudi-Arabien, Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate, Äthiopien, der Iran und Indonesien aufgenommen wurden, hat China als entschiedener Verfechter der Erweiterung und Inklusivität dafür gesorgt, dass die BRICS-Staaten die Vielfalt und die Bestrebungen der Entwicklungsländer widerspiegeln.
Mit dem BRICS-Gipfel in Neu Delhi könnte die Welt einen Wandel erleben, den Aufstieg einer multipolaren Ordnung, in der keine einzelne Nation mehr die globalen Regeln diktiert und stattdessen jedes Land eine Stimme hat. BRICS ist somit längst nicht mehr nur eine wirtschaftliche Kooperationsplattform, sondern eine moralische Kraft für Gerechtigkeit, Gleichheit und gemeinsamen Wohlstand.
Der Autor ist langjähriger Ostasienexperte, war lange Jahre für internationale und chinesische Organisationen tätig und arbeitet nun als freier Journalist in China.
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