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07. 09. 2011 Druckversion | Artikel versenden| Kontakt

Chinas Mittelschicht wächst weiter

Schlagwörter: China,Mittelschicht

2009 gehörten in China rund 230 Millionen Menschen der Mittelschicht an, wie aus einem Bericht der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften hervorgeht. In den Städten macht der Anteil mittlerweile 37 Prozent aus, bis 2023 soll er auf rund 50 Prozent steigen, so die Prognose. Doch auch die neue Mitte der Gesellschaft sieht sich noch mit zahlreichen Problemen konfrontiert.

Eine offizielle Definition dessen, was unter "Mittelschicht" zu verstehen ist, gibt es in China aber bislang nicht. Nur wenige Chinesen können sich mit dem Etikett "Mittelstand" wirklich identifizieren. Die meisten Stadtbewohner zeigen wenig Verständnis für die Schlussfolgerungen der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften. Unabhängig von ihrem Einkommen fühlen sich viele im Alltag durch Arbeit und Lebensführung stark belastet.

Seit den großen Umwälzungen in der Gesellschaftsstruktur, die in den 1980er Jahren ihren Anfang nahmen, wird in China die Gruppe der Menschen mit hohem Einkommen, die sich einen gehobenen Lebensstil leisten können, immer größer. Vor allem Privatunternehmer, Büroangestellte, Fachleute wie Anwälte und IT-Spezialisten wie Freiberufler zählen zum neuen chinesischen Mittelstand.

Die Untersuchung der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften stützt sich auf den Engel-Koeffizienten, der den Anteil der Ausgaben für Lebensmittel an den gesamten Konsumausgaben eines Haushaltes misst. Wer lediglich zwischen 30 und 37,3 Prozent seines Einkommens für Lebensmittel ausgibt, zählt laut Definition zur Mittelschicht.

Auch die Welternährungsorganisation (FAO) verwendet den Engel-Koeffizienten als Bemessungsgrundlage: Bei einem Koeffizienten von über 59 Prozent wird von absoluter Armut gesprochen; zwischen 50 und 59 Prozent hat ein Haushalt gerade genug Geld, um den nötigsten Bedarf an Essen und Kleidung zu decken; 40 bis 50 Prozent bedeuten einen Lebensstandard mit "bescheidenem Auskommen"; 30 bis 40 Prozent ein "reichliches Auskommen"; ab 30 Prozent und darunter sprechen die Vereinten Nationen von einem Lebensstandard, der durch "Reichtum" geprägt ist.

Finanzielle Belastung durch Inflation

Sich bei der Einstufung der Lebenssituation der Bevölkerung allein auf den Engel-Koeffizienten zu stützen, wäre aber sicher zu kurz gegriffen. In Beijing, um nur ein Beispiel zu nennen, geben die Bewohner zwar viel Geld für Lebensmittel aus. Die Hauptstadt zählt allerdings mittlerweile zu den zwanzig teuersten Städten der Welt, was sich auch an den Ausgaben für Wohnung, medizinische Versorgung, Bildung und viele andere Alltagsbedürfnisse misst, die alle rapide angestiegen sind. Vor allem angesichts der in den letzten Jahren stetig wachsenden Inflation ist die Kaufkraft der Menschen kontinuierlich gesunken.

Von einer olivenförmigen Gesellschaftsstruktur mit starkem Mittelbau und schmalen Ausläufern an beiden Enden, die als stabilste soziale Verteilung gilt, ist China noch weit entfernt; die chinesische Gesellschaft gleicht eher einer Pyramide. Aus einem Bericht der Weltbank aus dem vergangenen Jahr geht hervor, dass sich 41,4 Prozent des Reichtums des gesamten Landes im Besitz von gerade einmal einem Prozent der Bevölkerung befinden, den klassischen oberen zehntausend der Gesellschaft.

Um dem ernsten Problem der sozialen Ungleichheit zu begegnen, muss die Regierung ihre Reformanstrengungen beschleunigen. Statt sich auf die statistische Perspektive zum Thema Mittelschicht zu konzentrieren, gilt es die Reform des Systems der Einkommensverteilung verstärkt voranzutreiben, die soziale Absicherung zu verbessern und privaten Unternehmen den Zugang zu mehr Marktsektoren zu ermöglichen.

 

Quelle: Beijing Rundschau

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