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03. 09. 2012 Druckversion | Artikel versenden| Kontakt

Die Risiken der Schwellenländer

Schlagwörter: Die Risiken der Schwellenländer

Die Emerging Markets sind mit Verlangsamung des Wirtschaftswachstums, der Inflation und Zuspitzung sozialer Konflikte konfrontiert.

Seit der zweiten Jahreshälfte 2011 kämpfen die gehypten BRICS (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) mit einer deutlichen Verlangsamung ihres Wirtschaftswachstums, der Flucht ausländischen Kapitals und der Abwertung ihrer Währungen gegenüber dem Dollar.

Brasiliens Wachstumsrate fiel von 7,5 Prozent im Jahr 2010 auf 2,7 Prozent im Jahr 2011. Im ersten Quartal 2012 dann sogar auf 0,8 Prozent. Die Abwertung des Real gegenüber dem US-Dollar erreichte eine zweistellige Prozentzahl. Für brasilianische Unternehmen wird es schwieriger, sich über die internationalen Finanzmärkte zu finanzieren. 2011 bezogen sie von dort 47 Milliarden US-Dollar, für dieses Jahr gehen selbst optimistische Schätzungen von nur mehr 100 Millionen aus.

Auch Indiens Wachstumsrate schrumpfte von 10,6 Prozent im Jahr 2010 auf ein Fünfjahrestief von 5,3 Prozent Anfang 2012. Ende Juni wertete die Rupie zum US-Dollar um 30 Prozent im Vergleich zum Juni 2011 ab.

Der russische Rubel verlor im zweiten Quartal 2012 um 11 Prozent gegenüber dem US-Dollar. Die Kapitalflucht, mit der Russland schon seit 1991 kämpft, nimmt weiter zu.

In diesem Umfeld begann auch der Renminbi an Wert zu verlieren.

Chronische Schwächen als Ursache der Misere

Die wirtschaftlichen Risiken in den aufstrebenden Schwellenländern sind auf chronische wirtschaftliche Schwächen zurückzuführen.

Indien weist seit 1947 fast durchgehend ein Handelsdefizit auf. 2005 rutschte das Land in ein Leistungsbilanzdefizit. Das mündete in einen Teufelskreis aus Kapitalflucht, Wechselkursabwertung und abermals verstärkter Kapitalflucht. Eine hohe Inflationsrate trat hinzu.

Um internationale Zahlungskrisen und daraus hervorgehende Währungs- und Finanzkrisen zu vermeiden, müssen Länder wie Indien Zinsen und Mindestreserven hoch ansetzen und neigen zu einer strafferen Geldpolitik, um Portfolioinvestionen anzuziehen. Dreizehn Mal hob die indische Zentralbank die Zinsen im Geschäftsjahr 2010/11 an, die straffe Geldpolitik führte indes zu einem weiteren Abschwung in der Realwirtschaft.

In den letzten Jahren zogen die Emerging Markets enorme Summen an, was die Bildung von Kapitalblasen begünstigte. Als ambitionierte Regierungen und Unternehmen Investitionen willkürlich ausweiteten, befeuerten sie damit auch die Inflation.

Die Einkommensverteilung in Indien ist derart unausgeglichen, dass sie der Nachfrage auf dem heimischen Markt schadet und das Wirtschaftswachstum bremst. Im Jahr 2006 waren 20 Prozent der Inder unterernährt, die Säuglingssterblichkeit lag bei 57,4 je 1000 Neugeborenen. Obwohl Länder wie Vietnam und Nigeria höhere Armutsraten aufweisen, sind die Unterernährungs- und Säuglingssterblichkeitsraten dort niedriger. Indien muss also besonderes Augenmerk auf Einkommensverteilung, soziale Gerechtigkeit und das öffentliche Gesundheitswesen legen.

Auch nach der Amtszeit des linken Präsidenten Lula da Silva bleibt die Kluft zwischen Arm und Reich in Brasilien bestehen. Anfang des 21. Jahrhunderts besaßen dort 10 Prozent beinahe die Hälfte des Volksvermögens, während 37,7 Prozent unter der Armutsgrenze lebten. Dies steht dem Wachstum des Binnenmarktes und einer nachhaltigen Entwicklung im Wege, und führt zudem zu sozialer Instabilität und Kriminalität.

Unterschiedliche Aussichten der BRICS

Im Laufe der Geschichte haben viele Volkswirtschaften große Boomphasen erlebt, doch nur wenige schafften den Übergang zum Industriestaat. Die ökonomischen Aussichten der einzelnen BRICS-Staaten sind ganz unterschiedlich gelagert.

Wird es China gelingen, das schnelle Wachstum aufrechtzuerhalten und die Schwelle zum Industriestaat zu überschreiten? Die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß. Trotz Einbrüchen in der Fertigungsindustrie und der Exportwirtschaft sowie der drückenden Schuldenlast vieler Lokalregierungen.

Denn Chinas Wirtschaftsstruktur unterscheidet sich von der anderer BRICS-Staaten. Als größtes Verarbeitungsland der Welt und einer der größten Importeure von Rohstoffen, profitiert es von nachlassenden Rohstoffpreisen, während Länder, die vom Export ihrer Rohstoffe abhängig sind, unter fallenden Rohstoffpreisen leiden. China weist seit zwanzig Jahren Handelsüberschüsse auf und besitzt große Devisenreserven. Der Renminbi ist stabiler als die Währungen anderer Schwellenländer. Die chinesische Wirtschaft ist weiterhin eine der stärksten der Welt.

Der Autor ist Wissenschaftler an der Akademie für internationalen Handel und wirtschaftlicher Zusammenarbeit.

Quelle: Beijing Rundschau

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