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14. 04. 2010 Druckversion | Artikel versenden| Kontakt

Beijing: Wohnkapseln wollen Wohnungspreisen trotzen

Vor dem Hintergrund rasant steigender Wohnungspreise in Chinas Hauptstadt hat Huang Ruixin Wohnkapseln für wohnungssuchende Hochschulabsolventen entwickelt. Diese Übergangslösung am Stadtrand will auch die Symptome des überhitzten Immobilienmarkts bekämpfen.

Liulangzhuang im Beijinger Stadtbezirk Haidian. Hier hat Huang Rixin nach japanischem Vorbild acht Wohnkapseln für chinesische Verhältnisse entwickelt, deren Form etwas an Pillen aus Gelatine erinnern. Jede Kapsel misst 2,40 x 0,72 x 3,00 m und ist mit einem Bett ausgestattet. Anschlüsse für Fernsehen und Internet sind vorhanden. Huang möchte die Kapseln als Übergangswohnungen für Hochschulabsolventen anbieten, die monatliche Miete soll nur 200 bis 250 Yuan betragen. Die Zeitung Xinjingbao (Beijing News) hat mit Huang Rixin ein Interview geführt, das wir nachfolgend in Auszügen wiedergeben.

Herr Huang, wie sind Sie auf die Idee gekommen, Wohnkapseln zu entwerfen?

Huang Rixin: ich habe im Internet über Kapselwohnungen in Japan gelesen, und das fand ich sehr interessant. Ich habe dann nach weiteren Informationen gesucht und mich eingehender mit dieser Wohnform befasst.

Wieso halten Sie die Kapseln besonders geeignet für Hochschulabsolventen?

Ich habe einen Roman gelesen, der in Tangjialing spielt [ein desolates Viertel jenseits der 5. Beijinger Ringstraße, in dem auf engstem Raum 50 000 junge Leute wohnen, mehrheitlich Berufsanfänger aus der IT-Branche]. Ich habe mir die Situation vor Ort angesehen und dort alles sehr chaotisch vorgefunden. Die Räume sind schlecht belüftet, bis zu sechs Leute drängen sich in Zimmern, die nur wenige Quadratmeter groß sind. ‚Das sind doch Hochschulabsolventen!’, habe ich mir gedacht. ‚Aber sie sind gezwungen, sich mit miserablen Wohnverhältnissen zu arrangieren! Das Land braucht sie doch schließlich!’ Da habe ich mir gedacht, dass meine Wohnkapseln hier vielleicht hilfreich sein könnten.

Wie haben Sie den Entwurf bewerkstelligt?

Ursprünglich hatte ich gar keine Ahnung von Computern! Aber für die Entwurfsarbeit und als Kommunikationsmittel habe ich mir entsprechende Kenntnisse angeeignet. Im Juli 2008 habe ich mich erfolgreich um ein Patent für diese Erfindung unter dem Namen "Kleine Montagewohnung" beworben. Im letzten Jahr war ich auf der Suche nach geeigneten Örtlichkeiten, um die Wohnungen zu bauen. In Baumärkten und Baustoffhandlungen habe ich lange nach feuerfestem Material gesucht und verschiedene Möglichkeiten durchgespielt.

Welche Unterschiede weisen Ihre Wohnungen im Vergleich zu Modellen aus anderen Ländern auf?

Bei einer lichten Höhe von drei Metern – nicht anders als in einer normalen Wohnung – kann man in meiner Kapsel bequem stehen. Die japanische Kapselwohnungen haben sogar zwei Stockwerke, man kann darin nicht einmal sitzen! Sie verfügen auch nicht über genügend Raum, um darin zu lernen oder zu arbeiten. Meine Kapselwohnung ließe sich natürlich umrüsten, so dass man zwei Bettschrägen installieren kann, dann kann man bis zu sechs Leute in einer Kapsel unterbringen, aber dies entspräche nicht meinem Konzept.

Wollen Sie später die Wohnungen in großer Stückzahl herstellen?

Ich hoffe schon. Ich wünsche mir nicht nur Unterstützung von Seiten der Politik, sondern vor allem auch Interesse aus der Bevölkerung. Es ließen sich sicherlich viele leere Wohnungen mit meinen Kapseln ausstatten und an Hochschulabsolventen vermieten.

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Quelle: Beijing Rundschau/ Beijing Times

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