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17. 11. 2008 Druckversion | Artikel versenden| Kontakt

Lesen ist nicht gleich Lesen

Online-Leser werden in China immer zahlreicher und haben sogar die Zahl der Bücherleser ausgestochen. Trotz der zunehmenden Konkurrenz sehen Verlage jedoch keine Gefahr für die Erhaltung gedruckter Bücher.

1 Online-Leser werden in China immer zahlreicher. Trotz der zunehmenden Konkurrenz sehen Verlage jedoch keine Gefahr für die Erhaltung gedruckter Bücher.

An einem normalen Tag schreibt der 28-jährige Fantasy-Romanautor Tangjia Sanshao 9.000 chinesische Zeichen und veröffentlicht sie online. Er kann sich keine gönnen, da die Leser sich jeden Tag auf ein neues Kapitel freuen.

Tangjia Sanshao's achtes und neuestes Werk, God of Instrument (Qin Di), wird zurzeit auf der Webseite www.qidian.com veröffentlicht, auf der es bei der Popularität auf Platz zwei rangiert. Jeder Klick bringt Geld ein, und bezahltes Online-Schreiben ist Tangjia Sanshao's Haupteinnahmequelle.

Es kostet rund 0,02 Yuan, 1000 chinesische Schriftzeichen von Tangjia Sanshao's Werk auf www.qidian.com zu lesen. Der Webseite zufolge nehmen rund hundert der dort publizierenden Schriftsteller über 100.000 Yuan (11.500 Euro) pro Jahr durch ihre Online-Werke ein, und Tangjia Sanshao ist einer von ihnen. "Ich hätte eigentlich viel mehr eingenommen. Wenn nicht so viele Raubkopien meiner Werke gemacht würden, würde ich mindestens zehn Millionen Yuan verdienen", schätzt er.

Tangjia Sanshao begann vor vier Jahren als Amateur-Schriftsteller und veröffentlichte seine Werke zum Spaß. Wegen der Popularität seiner Werke wurde er zu einem bekannten Schriftsteller, und Papierausgaben seiner Werke wurden veröffentlicht. Mittlerweile werden zusätzlich zu seinen Publikationen im Internet Band für Band Papierausgaben von ihnen veröffentlicht. "Ich mag es, im Internet zu schreiben, weil ich unmittelbar Feedback bekommen kann", meint er. "Was auch immer Leser meinen, die Kommentare sind ein positiver Faktor meiner Arbeit.

Tangjia Sanshao ist einer von rund 4000 vertragsmäßigen Autoren bei www.qidian.com. Mit über 2 Millionen zahlender Kunden pro Tag behauptet sich www.qidian.com als größte Webseite für Online-Lesen in China. "Ich lese normalerweise sieben oder acht Romane auf einmal online. Es ist sehr praktisch. Ich brauche nicht zu Buchhandlungen zu gehen, sondern muss nur Online suchen, um Lesestoff zu finden", meint Liu Liang, ein 26-jähriger Shanghaier und Leser bei www.qidian.com. "Außerdem ist Online-Lesen sehr interaktiv. Leser wie ich tauschen häufig Meinungen zu den Werken, die wir lesen, aus, und manchmal fordern uns die Autoren auf, über die Entwicklung der Handlungen abzustimmen." Liu zahlt durchschnittlich 50 Yuan pro Monat für das Online-Lesen. Er erzählt, dass er für das Geld viel mehr Online-Bücher lesen könne als gedruckte Bücher. "Bezahltes Online-Lesen ist zu einem Teil meines Lebens geworden. Es kostet nicht viel, aber man bringt den Autoren mit der Bezahlung Respekt entgegen", meint er.

Die meisten Werke auf www.qidian.com sind Populär-Literatur, beispielsweise Fantasy, Martial Arts und Liebesromane, doch die Webseite hat außerdem begonnen, ernstere Werke von etablierten Autoren zu veröffentlichen, darunter 21 Werke, die für den Mao-Dun-Literaturpreis, einer der renommiertesten Literaturpreise in China, nominiert wurden. Doch Mai Jia, einer der Gewinner des diesjährigen Mao-Dun-Literaturpreises, meint, er sei noch nicht bereit, einen Vertrag mit einer Webseite fürs Online-Lesen einzugehen. "Meine Leser sind normalerweise älter und intellektueller als die durchschnittlichen Online-Leser von Romanen. Ich bin nicht sicher, ob es zu meinen Werken passt, zusammen mit solchen populären Fantasy-Romamen publiziert zu werden", meint der 44-jährige Mai. "Außerdem weiß ich nicht, ob es ordentliche Vorschriften für das Online-Lesen gibt." Mai erzählt, er benutze den Computer zum Schreiben und kaufe Bücher über das Internet, doch er ziehe es immer noch vor, gedruckte Bücher zu lesen. Jedoch stimmt er zu, dass Online-Lesen in der Zukunft immer populärer werden wird. "Das Internet wird mit Sicherheit immer mehr Leser von gedruckten Büchern einfangen. Ich schenke dem Online-Lesen große Aufmerksamkeit", meint er.

Der fünften nationalen Umfrage zum Lesen zufolge, die im letzten August vom Chinesischen Institut für Publikationswissenschaft durchgeführt wurde, betrug der Anteil an Online-Lesern in China 36,5 Prozent, und war damit zum ersten Mal größer als der Anteil der Leser gedruckter Werke (34,7 Prozent). "Online-Lesen ist auf dem Vormarsch", so Hou Xiaoqiang, Geschäftsführer von Shanda Literature Limited, dem Besitzer von www.qidian.com. Hou meint, dass Raubpiraterie ein großes Problem beim bezahlten Online-Lesen sei, doch die Situation verbessere sich.

Am 30. Oktober wurden zwei Personen aus der südostchinesischen Provinz Fujian wegen illegaler Veröffentlichung von literarischen Werken auf ihrer Webseite, darunter 1339 Werke, deren Rechte www.qqidian.com besaß, zu eineinhalb Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe in Höhe von 100.000 Yuan (11.500 Euro) verurteilt. Dies war das erste Mal, dass Raubpiraterie dieser Natur in China bestraft wurde. "Dieser Fall schützt nicht nur unsere Interessen, sondern kurbelt auch die Entwicklung der neuen Branche des bezahlten Online-Lesens an", meint Hou. "Ich bin sicher, dass das Online-Lesen eine große Zukunft vor sich hat."

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Quelle: China Daily

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